Nokia treibt seinen Umbau zum Anbieter für optische Datencenter-Technik mit einem Zukauf in den USA voran. Der finnische Netzwerkausrüster übernimmt ein Halbleiterwerk von NXP in Arizona und wandelt es in eine Produktionsstätte für Indium-Phosphid-Photochips um, wie TechNews berichtet. Der Deal soll im ersten Quartal 2029 endgültig abgeschlossen sein, eine Teilproduktion über ein anteiliges Leasing der Anlage könnte laut dem Bericht aber bereits Anfang 2027 starten.
Engpass bei Photochips als Treiber
Der Zukauf zielt auf einen Markt, in dem die Nachfrage das Angebot deutlich übersteigt: Laut TechNews liegt der Bedarf an Indium-Phosphid-Komponenten derzeit beim Doppelten der verfügbaren Kapazität. Solche Chips sind Schlüsselbauteile für optische Verbindungen in Rechenzentren, die durch den Ausbau von KI-Infrastruktur stark gefragt sind. Wie sehr dieser Bereich im Fokus der Investoren steht, zeigt ein anderes Signal aus dem März: Nvidia steckte laut dem Bericht jeweils zwei Milliarden Dollar in die Optik-Spezialisten Coherent und Lumentum. Mit der eigenen Fertigung in Arizona will sich Nokia von externen Zulieferern unabhängiger machen und einen wachsenden Teil der Wertschöpfungskette selbst kontrollieren.
Die Zahlen aus dem zweiten Quartal 2026 unterstreichen, warum sich Nokia in diesem Segment verstärken will. Der Konzern erzielte einen Umsatz von 4,815 Milliarden Euro, wobei die Optik-Sparte um 20 Prozent zum Vorjahr zulegte. Noch deutlicher fiel das Wachstum bei Anwendungen für künstliche Intelligenz und Cloud-Infrastruktur aus: Hier stiegen die Erlöse laut TechNews um 105 Prozent. Besonders sichtbar wird der Fortschritt beim Marktanteil in Nordamerika im Optikgeschäft: Er kletterte von 6,3 Prozent im Jahr 2024 auf 27,3 Prozent im Jahr 2025.
Kursrückgang trotz strategischem Fortschritt
Am Kapitalmarkt kam die Nachricht am Donnerstag zunächst nicht als Kurstreiber an. Bereits am Mittwoch war die Nokia-Aktie im deutschen Handel um 3,93 Prozent auf 8,36 Euro gefallen. Auch das in New York gehandelte Papier verlor an diesem Tag deutlich, während der Nasdaq Composite insgesamt nur moderat nachgab – ein Hinweis darauf, dass Nokia sich schwächer entwickelte als der breite Technologiemarkt. Der Rücksetzer fiel in eine Handelswoche, in der auch andere KI-nahe Werte unter Druck gerieten: Alphabet verlor rund vier Prozent nach einem Umbau seiner KI-Sparte, und um Oracle kursierten Sorgen wegen möglicherweise sinkender Kreditwürdigkeit.
Trotz des jüngsten Rückgangs bleibt die Bilanz für Nokia-Anleger auf Jahressicht deutlich positiv: Seit Jahresbeginn steht bei der Aktie ein Plus von 49,52 Prozent. Auch gegenüber dem langfristigen Trend zeigt sich die Aktie robust – sie notiert aktuell 4,69 Prozent über ihrem 200-Tage-Durchschnitt. Der kurzfristige Dämpfer relativiert sich damit vor dem Hintergrund einer insgesamt kräftigen Erholung, die zuletzt auch durch eine Anhebung der Kreditwürdigkeit durch S&P am vergangenen Samstag gestützt worden war.
Langer Zeithorizont für die Integration
Der Zeitplan des NXP-Deals zeigt, dass Nokia den Umbau seiner Optik-Fertigung als mehrjähriges Projekt anlegt. Zwischen dem geplanten Produktionsstart 2027 und dem endgültigen Vollzug der Übernahme im ersten Quartal 2029 liegen mehr als zwei Jahre, in denen sich zeigen muss, ob die zusätzliche Kapazität tatsächlich mit der erwarteten Nachfrage nach optischen Komponenten für Rechenzentren mithalten kann. Für Anleger bleibt der Optikbereich damit der zentrale Wachstumshebel, an dem sich die weitere Kursentwicklung von Nokia in den kommenden Quartalen messen lassen dürfte.
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