Juli 2026 die nach eigenen Angaben erste kommerzielle GPU-basierte AI-RAN-Plattform der Branche vorgestellt. Die Technologie soll Mobilfunk-Basisstationen in kleine Rechenzentren verwandeln und die Spektrumeffizienz drastisch steigern: Mehr als 20 Prozent Effizienzgewinn ist laut Nokia bereits nachgewiesen, bis 2027 sollen es 50 Prozent werden, bis 2028 mehr als das Doppelte der heutigen Kapazität. Neun große Netzbetreiber sind an dem Projekt beteiligt, darunter T-Mobile US, Vodafone, BT, Orange, Deutsche Telekom, SoftBank, NTT DOCOMO, Elisa und Indosat Ooredoo Hutchison. T-Mobile US hat bereits einen konkreten Fahrplan genannt: Feldversuch im laufenden Jahr, kommerzieller Einsatz 2027, Massenausrollung 2028.
Nvidia als Ankerinvestor, drei Einsatzmodelle
Die Partnerschaft reicht über die reine Technik hinaus. Nvidia hatte im Oktober 2025 eine Milliarde Dollar in Nokia investiert und hält damit rund 2,9 Prozent am Unternehmen. Die neue Plattform kommt laut Tech Times in drei Varianten auf den Markt: als GPU-Erweiterung für bestehende AirScale-Basisstationen, als eigenständiger AI-RAN-Knoten oder als handelsüblicher Server, jeweils mit einem Abo-Preismodell. Parallel läuft in Südkorea bereits ein zweites Testfeld: SK Telecom hat am 14. Juli 2026 den ersten kommerziellen AI-RAN-Piloten des Landes gestartet und testet dabei Nokias GPU-Ansatz gegen den ASIC-basierten Ansatz von Ericsson sowie Angebote von Samsung und HFR. Das zweijährige Projekt ist Teil der staatlichen „AI Highway“-Initiative und mit umgerechnet rund 11,5 Millionen Dollar finanziert.
Kursrutsch trotz Technologiesprung
Die Ankündigung fiel mitten in einen breiten Ausverkauf bei Chip- und KI-Werten, ausgelöst durch Sorgen um das Tempo künftiger Hyperscaler-Investitionen. Nokia geriet dabei besonders unter Druck: Der Kurs gab in den vergangenen sieben Handelstagen um 16,60 Prozent nach, binnen 30 Tagen summiert sich das Minus auf 24,35 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 32,5 signalisiert inzwischen eine überverkaufte Marktlage. Vom 52-Wochen-Hoch bei 14,97 Euro, erreicht Anfang Juni 2026, notiert die Aktie mittlerweile 39,31 Prozent entfernt. Auf Jahressicht bleibt mit einem Plus von 63,18 Prozent dennoch eine deutliche Erholung gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 3,45 Euro aus dem August 2025 stehen. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei 58,95 Milliarden Euro.
Fundamentaldaten und Analystenlager gespalten
Operativ liefert Nokia derzeit durchaus überzeugende Zahlen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 4 Prozent auf 4,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn kletterte um 245 Prozent auf 86 Millionen Euro. Die Bruttomarge verbesserte sich um 320 Basispunkte auf 45,5 Prozent, der freie Cashflow lag bei 629 Millionen Euro. Besonders das AI/Cloud-Segment wuchs mit 49 Prozent deutlich schneller als der Konzern insgesamt, das Book-to-Bill-Verhältnis lag bei etwa dem Dreifachen. Der Marktforscher Dell’Oro Group rechnet mit kumulierten AI-RAN-Ausgaben von 35 Milliarden Dollar über die kommenden fünf Jahre – ein Markt, in dem sich Nokia mit der Nvidia-Kooperation früh positionieren will.
An der Wall Street bleibt das Bild uneinheitlich. MarketBeat verzeichnet einen Analystenkonsens von „Moderate Buy“ mit 13 Kauf-, 3 Halte- und 2 Verkaufsempfehlungen sowie einem durchschnittlichen Kursziel von 12,57 Dollar. Barchart nennt für dieselbe Aktie ein mittleres Kursziel von 16 Dollar. Deutlich skeptischer fällt die Einschätzung von Simply Wall St aus: Dort wird der faire Wert der Nokia-Aktie mit 6,21 Euro beziffert, was einer Überbewertung von rund 47 Prozent entspräche. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 66 liegt zwar unter dem Branchendurchschnitt von knapp 78, bleibt aber historisch hoch für einen Netzausrüster, dessen operative Margen laut Motley Fool weiterhin unter 3 Prozent liegen.
Quartalszahlen als nächster Prüfstein
Am 23. Juli 2026 legt Nokia seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Investoren dürften vor allem darauf achten, ob sich das starke Wachstum im AI/Cloud-Geschäft fortsetzt und ob die frisch gestartete AI-RAN-Plattform bereits erste Auftragseingänge zeigt. Der Konzern, der 2007 noch fast 40 Prozent des globalen Mobiltelefonmarktes kontrollierte und durch die verpasste Touchscreen-Wende in der Folge rund 150 Milliarden Dollar an Marktwert verlor, versucht sich mit der Nvidia-Partnerschaft nun als Infrastrukturanbieter für die KI-Ära neu zu positionieren. Ob die Technologie den fundamentalen Umbau tatsächlich beschleunigt, dürfte sich auch daran zeigen, wie die neun angekündigten Netzbetreiber ihre Testphasen in den kommenden Monaten in konkrete Bestellungen überführen.
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