Nokia legt am Mittwoch kräftig zu. Die Aktie steigt um 7,13 Prozent auf 8,87 Euro, nachdem sie am Vortag noch bei 8,28 Euro geschlossen hatte. Auslöser ist keine Unternehmensmeldung, sondern eine regulatorische Weichenstellung in den USA, die Nokias Geschäft mit optischen Bauteilen für Rechenzentren begünstigen könnte.
FCC plant Importverbot für chinesische Bauteile
Die US-Regulierungsbehörde FCC arbeitet einem Bericht von Reuters zufolge an einer Maßnahme, die Importe neuer optischer Transceiver aus China untersagen soll. Offizielle hoffen, die Regel noch in diesem Jahr zu veröffentlichen und umzusetzen. Als Begründung nennen sie die Sorge, chinesische Anbieter könnten Daten stehlen, Malware installieren oder den Betrieb US-amerikanischer Rechenzentren stören.
Für Anleger ist die Stoßrichtung eindeutig: Fällt chinesische Konkurrenz bei einem zentralen Bauteil für Datencenter-Infrastruktur weg, würde die Nachfrage sich auf verbleibende Anbieter verteilen. Nokia zählt zu den Unternehmen, die von einer solchen Verschiebung profitieren könnten – ein Umstand, der die Aktie am Markt spürbar beflügelt.
Rückenwind aus dem operativen Geschäft
Die Kursbewegung trifft auf ein Unternehmen, das ohnehin im Umbau steckt. Nokia hatte im Juli für das zweite Quartal einen Anstieg des Nettoumsatzes um 9 Prozent auf 4,82 Milliarden Euro gemeldet, getragen von 2,8 Milliarden Euro an Aufträgen im Bereich AI & Cloud, wo sich der Umsatz mehr als verdoppelte.
Der Konzern hob daraufhin seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an und senkte zugleich die geplanten Investitionen auf 800 bis 900 Millionen Euro.
Parallel dazu treibt Nokia den Portfolio-Umbau voran. Die Sparten Fixed Wireless Access CPE und Enterprise Campus Edge wurden als aufgegebene Geschäftsbereiche eingestuft, das CPE-Geschäft geht an Inseego. Für die beschleunigte Restrukturierung rechnet der Konzern 2026 mit Belastungen von 800 Millionen Euro, hinzu kommen bis Jahresende geplante Integrationskosten von 350 Millionen Euro im Zusammenhang mit dem China-Gemeinschaftsunternehmen.
Technologisches Fundament: KI-natives Funknetz
Auch auf der Produktseite setzt Nokia auf künstliche Intelligenz. Mitte Juli stellte der Konzern die aus seiner Sicht erste kommerzielle AI-RAN-Plattform der Branche vor, aufgebaut auf der eigenen anyRAN-Software und der Aerial-AI-RAN-Plattform von Nvidia. Ziel sind Effizienzgewinne im Funkspektrum von mehr als 100 Prozent bis 2028. Erste Pilotprojekte sollen Ende 2026 starten, die volle kommerzielle Verfügbarkeit ist für 2027 geplant.
Chart bleibt volatil
Trotz des heutigen Sprungs liegt die Aktie noch immer 40,77 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, notiert aber 152,52 Prozent über ihrem Tief von 3,51 Euro aus dem vergangenen August. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 73,17 Prozent unterstreicht, wie nervös der Titel in den vergangenen Wochen gehandelt wurde – seit Jahresbeginn steht trotz der jüngsten Rücksetzer ein Plus von 58,60 Prozent.
Ein Kauf von Führungskraft Patrik Hammarén Anfang August, der 43.293 Nokia-Aktien zu einem Durchschnittspreis von 8,442 Euro erwarb, passt in dieses Bild: Insider positionierten sich bereits vor der aktuellen Kurserholung.
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