Nokia hat sich 2026 zu einem der auffälligsten Comeback-Werte an den europäischen Börsen entwickelt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 56 Prozent zu Buche, am Freitag legte die Aktie um 3,4 Prozent auf 8,71 Euro zu. Doch mit dem Kursanstieg wächst auch die Frage, ob der finnische Netzwerkausrüster inzwischen zu teuer geworden ist.
Bewertung wirft Fragen auf
Eine Analyse von Simply Wall St vom Wochenende rückt genau diesen Punkt in den Fokus. Demnach handelt Nokia aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 69, während ein faires KGV bei etwa 50,5 gesehen wird. Zum Vergleich: Die Telekommunikationsausrüster-Branche kommt im Schnitt auf ein KGV von 18,8, vergleichbare Wettbewerber liegen bei rund 31,1. Damit notiert Nokia deutlich oberhalb sowohl der Branche als auch der direkten Konkurrenz.
Gleichzeitig kommt die Bewertungsanalyse über ein Discounted-Cashflow-Modell zu einem deutlich höheren fairen Wert von 15,16 Euro, ein alternatives DCF-Modell setzt ihn bei 12,99 Euro an. Nach dieser Rechnung wäre die Aktie trotz der starken Kursrally noch unterbewertet.
Der Widerspruch zwischen einem hohen Gewinn-Multiple und einem als günstig eingestuften Cashflow-Wert zeigt, wie unterschiedlich sich Nokias Wachstumsstory je nach Bewertungsmethode lesen lässt: Wer auf laufende Gewinne schaut, sieht eine ambitioniert bewertete Aktie. Wer künftige Cashflows aus dem Ausbau von KI-Infrastruktur und Breitbandnetzen einpreist, sieht noch Potenzial.
Operative Basis bleibt schmal
Zahlen zum zweiten Quartal untermauern, warum die Bewertungsdebatte so kontrovers geführt wird: Nokia erzielte einen Umsatz von 4,815 Milliarden Euro bei einem Gewinn je Aktie von lediglich 0,07 Euro. Diese schmale Gewinnbasis erklärt das hohe KGV mit – schon kleine Veränderungen bei Marge oder Wachstumstempo verschieben die Kennzahl deutlich.
Anleger, die auf die Substanz hinter dem Kurssprung schauen, finden in den Q2-Zahlen also noch keinen Beleg für eine bereits eingelöste Neubewertung des Geschäfts.
Auch die Analystenmeinungen zu Nokia haben sich im Jahresverlauf stark gewandelt. Goldman Sachs hatte die Aktie im März noch von „Verkaufen“ auf „Neutral“ hochgestuft und das Kursziel von 3,50 auf 8,00 Euro angehoben – ein Schritt, der aus heutiger Sicht die rasante Kursentwicklung nur teilweise vorwegnahm. Der damals genannte Medianwert der Kursziele lag bei 6,95 Euro, deutlich unter dem aktuellen Kursniveau.
Charttechnik zeigt Konsolidierung
Nach dem starken Lauf der vergangenen Monate zeigt sich die Aktie zuletzt etwas müde: Der Kurs notiert 5,2 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt, was auf eine Verschnaufpause nach der scharfen Rally hindeutet. Für Anleger bedeutet das: Die fundamentale Diskussion um ein faires Bewertungsniveau dürfte in den kommenden Wochen wichtiger werden als der kurzfristige Kursverlauf.
Abseits der Bewertungsdebatte sorgt Nokia derzeit auch mit einem völlig anderen Produkt für Aufmerksamkeit – dem Nokia 300 Charge, einem von HMD Global vorgestellten Einfachhandy mit 40 Tagen Standby-Zeit und integrierter Powerbank-Funktion. Für die Investmentstory der Aktie spielt das Nischenprodukt allerdings keine nennenswerte Rolle.
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