Nokia-Aktionäre erleben einen unruhigen Vorabend. Die Aktie fiel am Mittwoch um 3,32 Prozent auf 9,08 Euro. Nur Stunden später legt der finnische Netzwerkausrüster seine Zahlen für das zweite Quartal vor.
Ein Gewinnsprung wird erwartet
Nokia veröffentlicht den Halbjahresbericht 2026 am Donnerstag gegen 8 Uhr finnischer Zeit. Um 15 Uhr folgt ein Analysten-Call mit anschließender Fragerunde.
Die Messlatte liegt hoch. Analysten rechnen mit einem Quartalsumsatz von 4,829 Milliarden Euro, ein Plus von 6,1 Prozent zum Vorjahr. Beim Gewinn je Aktie erwartet der Markt einen Sprung auf 0,051 Euro — ein Anstieg von 154,77 Prozent. Einige Schätzungen gehen zudem von einer bereinigten Bruttomarge von 44,6 Prozent aus, der Non-IFRS-Nettogewinn soll um 37 Prozent auf rund 323 Millionen Euro klettern.
Die Achterbahnfahrt der letzten Wochen
Der Weg zu diesem Bericht war holprig. Nach den Erstquartalszahlen Ende April schoss die Aktie zunächst nach oben. Grund war die Euphorie um optische KI-Netzwerke, der Kurs erreichte am 3. Juni ein Hoch von 14,97 Euro.
Dann kippte die Stimmung. KI-Hardware-Titel korrigierten branchenweit, Gewinnmitnahmen setzten ein. Bis zum 20. Juli waren sämtliche Kursgewinne wieder aufgezehrt — die Aktie stand exakt dort, wo sie vor den Erstquartalszahlen notiert hatte.
Mit dem erneuten Rückgang am Mittwoch liegt Nokia nun 39 Prozent unter dem Jahreshoch. Der Kurs bewegt sich zudem 23 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 11,79 Euro. Ein RSI-Wert von 35,6 signalisiert eine überverkaufte Situation — kurz vor einem Termin, der die Richtung neu bestimmen könnte.
Worauf der Markt achtet
Die zentrale Frage: Kann sich das Momentum aus dem Optical-Networks-Geschäft auf andere Sparten ausweiten? IP Networks wuchs im ersten Quartal nur um 3 Prozent. Das Management hatte für das zweite Quartal und das Gesamtjahr eine Beschleunigung angekündigt.
Dieser Bereich ist entscheidend. Er öffnet Nokias KI-Geschäft für Rechenzentren, Gateways, Routing und Netzwerkautomatisierung. Bleibt das Wachstum hier schwach, verpufft ein wichtiger Teil der KI-Wachstumsstory.
Auch auf Segmentebene sind die Erwartungen konkret gesteckt:
- Network Infrastructure: 2,04 Milliarden Euro erwartet, ein Plus von rund 12 Prozent gegenüber der angepassten Vorjahresbasis von 1,83 Milliarden Euro
- Mobile Infrastructure: rund 2,59 Milliarden Euro erwartet, ein Anstieg von etwa 2 Prozent
Auch die Profitabilität steht auf dem Prüfstand. Nokias eigene Prognose sah für das zweite Quartal 16 Prozent des Jahresgewinnziels vor — das obere Ende der saisonalen Spanne von 12 bis 16 Prozent. Verfehlt das Unternehmen diese Marke, verschiebt sich mehr Gewinnlast ins zweite Halbjahr.
Kostendruck trifft die gesamte Branche
Steigende Bauteilkosten durch den globalen KI-Ausbau sind in dieser Berichtssaison bereits ein Thema. Ericsson meldete vergangene Woche seine Zahlen und wies auf branchenweiten Kostendruck hin. CFO Lars Sandström sagte laut Reuters, der gesamte KI-Ausbau setze die ganze Branche unter erheblichen Druck — Ericsson eingeschlossen.
Anleger dürften am Donnerstag genau darauf hören, ob Nokias Management ähnliche Kostendynamiken anspricht. Die Marge-Annahmen in der eigenen Prognose hängen direkt davon ab.
Die Bewertung der Aktie preist bereits eine anhaltend starke Ausführung ein. Die Zahlen am Donnerstag und der Ausblick des Managements für den Rest des Jahres 2026 entscheiden, ob Nokias KI-Wachstumsgeschichte nach einem turbulenten Monat wieder Tritt fasst.
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