Achtzehn Prozent Kursverlust in einer Woche – und das, während Nokia gleich zwei strategische Großprojekte präsentiert. Cloud-Migration, neue KI-Netzwerktechnik, und mittendrin ein Aktienkurs, der sich davon komplett unbeeindruckt zeigt. Die Diskrepanz zwischen operativen Fortschritten und Kursentwicklung wirft Fragen auf, kurz vor dem Quartalsbericht.
Nokia zieht ERP-System in die Cloud
Nokia hat mit SAP und Microsoft einen mehrjährigen Vertrag geschlossen. Der Konzern verlagert sein komplettes ERP-System in die Cloud. Die Umstellung selbst lief bereits Ende 2025, die öffentliche Bekanntgabe erfolgte erst Ende Juni und Anfang Juli 2026.
Konkret wandert die SAP-S/4HANA-Umgebung ins RISE-with-SAP-Modell, gehostet auf Microsoft Azure. Nokia erhofft sich dadurch mehr Effizienz und eine bessere Kapitalgenerierung auf lange Sicht. Marktbeobachter warnen aber auch: Migrationen dieser Größenordnung bergen Ausführungsrisiken. Genau solche Risiken können die Stimmung der Anleger belasten.
KI-Funknetze als neues Wachstumsfeld
Der zweite große Baustein: Am 15. Juli 2026 stellte Nokia gemeinsam mit Nvidia seine erste kommerzielle AI-RAN-Plattform vor. Das System soll die Datenkapazität von Mobilfunknetzen deutlich steigern. Nokia rechnet mit 50 Prozent mehr spektraler Effizienz bis 2027, bis 2028 sollen es über 100 Prozent sein.
Ab 2027 will Nokia die neue Technik an Netzbetreiber ausliefern. Pilotprojekte starten aber schon in diesem Jahr. Parallel dazu plant der Konzern einen Umbau seines Radio-Access-Network-Geschäfts: Statt einmaliger Hardware-Verkäufe soll künftig ein Software-Abo-Modell für Upgrades sorgen.
Diese Entwicklung folgt auf eine bereits am 14. Juli angekündigte Erweiterung der 5G-Partnerschaft mit Taiwan Mobile. Auch dort steht der Ausbau KI-gestützter Netzwerkfunktionen im Mittelpunkt. Nokia positioniert sich damit klar als Anbieter für die nächste Generation von Mobilfunkinfrastruktur.
Kurs bricht trotz guter Nachrichten ein
Am Freitag schloss die Nokia-Aktie bei 8,90 Euro, ein Tagesminus von 2,39 Prozent. Über sieben Tage summiert sich der Rückgang auf 18,31 Prozent, über dreißig Tage sogar auf 25,90 Prozent. Der jüngste Rutsch drückt den Kurs mittlerweile 40,55 Prozent unter das 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro vom 3. Juni 2026.
Die längere Perspektive sieht deutlich freundlicher aus. Seit Jahresbeginn steht die Aktie noch mit 59,21 Prozent im Plus, auf Zwölfmonatssicht sogar mit 115,18 Prozent. Wer den Tiefpunkt vom August 2025 bei 3,45 Euro gekauft hat, sitzt trotz der aktuellen Talfahrt auf einem Gewinn von über 150 Prozent.
Der 14-Tage-RSI notiert bei 31,5 und nähert sich damit überverkauftem Terrain. Die annualisierte Volatilität der letzten 30 Tage liegt bei kräftigen 66,61 Prozent – ein Hinweis auf die Nervosität im Markt.
Zahlen am 23. Juli im Fokus
Nokia hat den Termin für den Halbjahresbericht bereits am 16. Juli bestätigt. Am 23. Juli 2026 veröffentlicht der Konzern die Zahlen für das zweite Quartal, gegen 8 Uhr finnischer Zeit auf der Unternehmenswebsite. Um 15 Uhr folgt ein Analysten-Webcast.
Die Optionsmärkte signalisieren bereits erhöhte Anspannung vor dem Termin. Am 17. Juli lag das Volumen bei Call-Optionen deutlich über dem bei Put-Optionen, das Open Interest übertraf den 30-Tage-Durchschnitt spürbar. Händler positionieren sich, aber mit Vorsicht.
Die Investoren dürften am 23. Juli vor allem auf eines schauen: Wie stark schlagen die Investitionen in KI-Netzwerke und Cloud-Migration bereits auf die Bilanz durch? Erste konkrete Antworten darauf liefert der Bericht in wenigen Tagen.
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