Nokia-Aktionäre erleben diese Woche eine Achterbahnfahrt. Am Donnerstag schoss die Aktie um 8,7 Prozent nach oben. Am Freitag folgt der Rückschlag: Der Kurs fällt um 4,51 Prozent auf 10,79 Euro.
Der Rücksetzer wirkt wie klassische Gewinnmitnahmen nach einem steilen Anstieg. Auf Sieben-Tage-Sicht steht die Aktie mit 3,27 Prozent im Minus, auf Monatssicht sogar mit fast 7 Prozent. Der Blick aufs Jahr relativiert das schnell: Seit Januar hat sich der Kurs nahezu verdoppelt, ein Plus von 93,88 Prozent. Vom Zwölf-Monats-Tief bei 3,45 Euro trennen die Aktie inzwischen mehr als 200 Prozent.
Milliarden-Investition in US-Chipfertigung
Der eigentliche Treiber hinter der Rally liegt nicht im Tagesgeschäft, sondern in einer strategischen Kehrtwende. Nokia baut seine Kapazitäten in den USA massiv aus. Im Werk Allentown, Pennsylvania, erweitert der Konzern die Fertigung für photonische Chips. Die Produktionskapazität soll sich dort verzehnfachen.
Diese Bauteile sind Schlüsselkomponenten für optische Hochgeschwindigkeitsnetze. KI-Rechenzentren brauchen sie, um riesige GPU-Cluster miteinander zu verbinden. Parallel baut Nokia in San Jose, Kalifornien, eine zweite Fabrik für Indiumphosphid-Halbleiter auf. Beide Projekte gehören zu einer milliardenschweren Investitionsoffensive in den USA – insgesamt sollen rund 4 Milliarden Dollar in die heimische Produktion fließen.
Das Ziel dahinter: Nokia will seine Lieferkette für die nächste Generation KI-nativer Mobilfunk- und Festnetze absichern.
Analysten sehen Auftragsschub bei optischen Netzen
Die strategische Neuausrichtung weg vom klassischen Telekom-Geschäft hin zu KI-Infrastruktur bekommt nun auch Rückendeckung von der Wall Street. JPMorgan hat sein Kursziel für Nokia auf 21 Dollar angehoben, umgerechnet etwa 19,20 Euro. Begründet wird das mit einem deutlichen Zustrom neuer Aufträge im Bereich optischer Netzwerktechnik.
Marktinformationen zufolge hat Nokia bereits Verträge im Volumen von rund 1 Milliarde Euro für KI- und Cloud-bezogene optische Infrastruktur gesichert. Diese Order-Pipeline stärkt die Wachstumsaussichten bis 2027. Durch die Integration von 5G-Netzen mit KI-Automatisierungstools – mittlerweile über Cloud-Marktplätze wie Google Cloud und Amazon Web Services verfügbar – positioniert sich Nokia als einer der Hauptprofiteure des aktuellen Ausbauzyklus in der Netzwerkbranche.
Aktientransfer und technisches Bild
Am 9. Juli hat Nokia eine intern geplante Transaktion abgeschlossen. Der Konzern übertrug 43.552.813 eigene Aktien an Teilnehmer seiner aktienbasierten Vergütungsprogramme. Grundlage war ein Vorstandsbeschluss vom Oktober 2025. Im Bestand verbleiben nun 88.583.624 eigene Aktien.
Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. Der aktuelle Kurs liegt fast 28 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro aus Anfang Juni. Zum 50-Tage-Durchschnitt von 12,09 Euro fehlen gut 10 Prozent. Deutlich komfortabler sieht es gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt aus: Dort liegt die Aktie über 42 Prozent im Plus. Der RSI von 43,6 signalisiert weder Überkauft- noch Überverkauft-Zustand – Raum für Bewegung in beide Richtungen.
Am 23. Juli legt Nokia seine Zahlen zum zweiten Quartal und Halbjahr vor. Der Bericht dürfte zeigen, wie stark sich die neuen Optik-Aufträge bereits auf die Margen auswirken. Auch der Fortschritt der AI-RAN-Kooperation mit Partnern wie Nvidia steht dann auf der Agenda.
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