Juli 2026 legt der finnische Netzwerkausrüster seine Zahlen für das zweite Quartal vor. Der Konsens der Analysten sieht einen Umsatz von 4,822 Milliarden Euro und einen vergleichbaren operativen Gewinn von 376 Millionen Euro. Entscheidender ist jedoch der Blick auf die zweite Jahreshälfte: Sie muss laut Konsensschätzungen 72 Prozent des für das Gesamtjahr erwarteten Gewinns von 1,70 Milliarden Euro erbringen. Das ist eine hohe Hürde, die dem Unternehmen kaum Spielraum für Enttäuschungen lässt.
Die Aktie zeigt sich zuletzt schwach. Am Montag schloss das Papier bei 8,86 Euro, ein Rückgang von 0,45 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage summiert sich der Kursverlust auf 30,04 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch von 14,97 Euro, erreicht am 3. Juni 2026, trennen die Aktie inzwischen 40,81 Prozent. Der starke Rückzug relativiert sich allerdings vor dem Hintergrund der langfristigen Entwicklung, die von deutlich tieferen Niveaus ausging.
Erstes Quartal als Fingerzeig
Im ersten Quartal hatte Nokia einen Umsatz von 4,497 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von 281 Millionen Euro ausgewiesen. Bemerkenswert war dabei das Wachstum in Zukunftssegmenten: Der Umsatz mit KI- und Cloud-Anwendungen legte um 49 Prozent zu, das Geschäft mit Optical Networks wuchs um 20 Prozent. Der Auftragseingang in diesem Bereich erreichte rund eine Milliarde Euro. Auf Basis dieser Dynamik hatte Vorstandschef Justin Hotard den Wachstumsausblick für die Sparten Optical und IP Networks angehoben – ein Signal, dass sich das Unternehmen im Infrastrukturgeschäft rund um Rechenzentren und Netzausbau besser positioniert sieht als noch vor wenigen Monaten.
Für das Gesamtjahr hält Nokia an einer Prognose für den vergleichbaren operativen Gewinn von 2,0 bis 2,5 Milliarden Euro fest. Damit die obere Hälfte dieser Spanne erreichbar bleibt, muss das zweite Halbjahr überdurchschnittlich stark ausfallen – ein Muster, das in der Telekommunikationsbranche nicht ungewöhnlich ist, hier aber besonders ausgeprägt zutage tritt.
Branchenumfeld bleibt durchwachsen
Der Blick auf die Konkurrenz zeigt, dass Nokia in einem anspruchsvollen Umfeld operiert. Der schwedische Rivale Ericsson meldete für das zweite Quartal einen Umsatzrückgang von 6 Prozent, während das Finanzressort dort vor steigenden Kostenbelastungen durch KI-Investitionen warnte. Das unterstreicht, wie sehr die gesamte Branche zwischen dem Versprechen künstlicher Intelligenz als Wachstumstreiber und den damit verbundenen Investitionslasten schwankt.
Am breiteren Markt sorgte in der vergangenen Woche zudem eine Rotation aus Technologiewerten für Unruhe. Der Halbleiterindex SOX rutschte rund 20 Prozent unter sein Rekordhoch und damit in einen Bärenmarkt, ausgelöst auch durch die Sorge, dass chinesische KI-Modelle wie Kimi K3 westlichen Anbietern Konkurrenz machen könnten. Diese Nervosität rund um Technologiewerte dürfte auch auf die Wahrnehmung von Nokia als Ausrüster für KI-Infrastruktur ausgestrahlt haben, auch wenn das Unternehmen selbst zuletzt operative Fortschritte in genau diesem Segment vermeldete.
Was Anleger vor dem Bericht wissen sollten
Der 23. Juli wird zeigen, ob Nokia den selbst gesteckten hohen Erwartungen für die zweite Jahreshälfte gerecht werden kann. Die Wachstumsraten bei KI- und Cloud-Umsätzen sowie bei Optical Networks liefern Argumente für Optimisten. Gleichzeitig bleibt die Notwendigkeit, fast drei Viertel des Jahresgewinns in den verbleibenden zwei Quartalen zu erwirtschaften, ein Risikofaktor, den der Markt in den vergangenen Wochen mit spürbaren Kursabschlägen quittiert hat.
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