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Nokia Aktie: 2,8 Milliarden in KI und Cloud

Nokia plant einen weitreichenden Stellenabbau in China, erwartet hohe Umbaukosten und erhöht nach starken KI-Aufträgen die Gewinnspanne für 2026.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • China-Standorte schließen schrittweise bis Jahresende
  • Rund 800 Millionen Euro Restrukturierungsaufwand
  • KI- und Cloud-Aufträge erreichen 2,8 Milliarden Euro
  • Texas-Urteil entlastet Nokia im Patentstreit

Nokia zieht sich in China deutlich zurück. Der finnische Netzwerkausrüster plant, den Großteil seiner Belegschaft auf dem chinesischen Festland abzubauen und Standorte gestaffelt bis Jahresende zu schließen.

Reuters berichtete am 18. August erstmals über die Pläne, wenige Tage später bestätigte ein Nokia-Sprecher, dass das Unternehmen seine China-Aktivitäten bereits an die globale Konzernstruktur angleiche, weil das Geschäft dort seit Jahren rückläufig sei.

Restrukturierung mit Milliardenkosten

Der Rückzug hat seinen Preis. Für das laufende Jahr rechnet Nokia mit Restrukturierungskosten von rund 800 Millionen Euro, davon entfallen etwa 350 Millionen Euro allein auf die China-Integration.

Diesen Belastungen stehen erwartete jährliche Einsparungen von rund 200 Millionen Euro durch die verkleinerte China-Präsenz gegenüber. Nokia äußerte sich nicht näher zu operativen Details des Umbaus, machte aber deutlich, dass die Schließungen bis Jahresende in Etappen erfolgen sollen.

Trotz der Belastungen zeigte sich Nokia im zweiten Quartal 2026 operativ robust. Der Umsatz lag bei 4,815 Milliarden Euro, der operative Gewinn bei 434 Millionen Euro, das nicht nach GAAP ermittelte Ergebnis je Aktie bei 0,07 Euro.

Besonders bemerkenswert: Die Auftragseingänge im Bereich KI und Cloud summierten sich auf 2,8 Milliarden Euro. Auf Basis dieser Entwicklung hob Nokia die Gewinnprognose für 2026 auf eine Spanne von 2,1 bis 2,6 Milliarden Euro an.

Rechtlicher Rückenwind aus Texas

Parallel zum Konzernumbau erhielt Nokia juristischen Rückenwind. Eine Jury eines Bundesgerichts in Texas entschied zugunsten von AT&T, Verizon und T-Mobile in einem Patentstreit mit Asus und sprach zugleich Nokia sowie Ericsson von Vorwürfen frei, gegen Lizenzpflichten bei standardessenziellen Patenten verstoßen zu haben.

Für Nokia ist das Urteil eine Entlastung in einem für den Konzern strategisch wichtigen Feld, da Patentlizenzen einen wesentlichen Ertragsbaustein des Geschäfts darstellen.

Kursreaktion bleibt verhalten

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage aus Kostenlast und angehobener Prognose gemischt wider. Die Aktie schloss am Freitag bei 8,84 Euro und verlor auf Tagessicht 3,3 Prozent.

Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Kursplus von 139 Prozent zu Buche – ein Beleg dafür, dass Anleger die strategische Neuausrichtung des Konzerns über den China-Rückzug hinaus grundsätzlich honorieren, auch wenn kurzfristig Restrukturierungskosten und Integrationsaufwand belasten.

Für Investoren bleibt die zentrale Frage, ob die Einsparungen aus dem China-Umbau die hohen einmaligen Belastungen mittelfristig rechtfertigen. Die angehobene Gewinnprognose und die starken KI-Auftragseingänge liefern dafür erste Indizien, das endgültige Bild dürfte sich erst mit den kommenden Quartalszahlen schärfen.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.