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Nintendo Aktie: 35-Millionen-Strafe wegen Joy-Con-Drift

Kursverluste, Millionenstrafe in Frankreich und Zweifel an der Spiele-Roadmap belasten den japanischen Konzern.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Aktie verliert über drei Prozent in einer Woche
  • Millionenstrafe wegen Joy-Con-Drift akzeptiert
  • Fehlender 3D-Mario-Titel enttäuscht Anleger
  • Umsatz- und Gewinnprognosen für das Jahr gesenkt

Nintendo erlebt eine schwierige Woche. Am Donnerstag notierte die Aktie bei 39,20 Euro – ein Minus von 3,20 Prozent binnen sieben Tagen. Seit Jahresbeginn summiert sich der Verlust auf 32,55 Prozent. Auslöser sind gleich mehrere Hiobsbotschaften: eine durchwachsene Spiele-Präsentation, eine Millionenstrafe aus Frankreich – und wachsende Zweifel an der Strategie für die neue Switch 2.

Enttäuschung beim Summer-Direct

Am 9. Juni zeigte Nintendo seine Spiele-Roadmap für die Switch 2. Anleger reagierten verhalten. Einige Berichte sprechen von einem Kursrutsch um über zehn Prozent an diesem Tag.

Der Grund: Es fehlte ein neuer 3D-Mario-Titel. Genau diesen hatte der Markt erwartet. Atul Goyal von Jefferies bezeichnete das Fehlen als „kommerziell bedeutsam“ für das Weihnachtsgeschäft. Zwar zeigte Nintendo eine breite Palette an Drittanbieter-Titeln – Kingdom Hearts IV, Final Fantasy Resonance, Call of Duty: Modern Warfare 4. Auch ein Remake von The Legend of Zelda: Ocarina of Time wurde angekündigt. Allerdings fehlten Gameplay-Szenen und ein konkretes Releasedatum.

Andere First-Party-Titel wie Xenoblade Genesis (2027), Nintendo Switch Sports Resort (Oktober) und Fire Emblem: Fortune Weave (September) konnten die Skepsis nicht vertreiben. Die Frage bleibt: Wie voll ist der Release-Kalender für die Switch 2 tatsächlich?

Joy-Con-Drift: 35 Millionen Euro Strafe

Parallel dazu belastet eine Regulierungsentscheidung den Konzern. Nintendo of Europe akzeptierte eine Geldbuße von 35 Millionen Euro. Die französische Wettbewerbsbehörde DGCCRF hatte sie verhängt.

Der Vorwurf: Irreführende Geschäftspraktiken im Zusammenhang mit dem „Joy-Con-Drift“. Nutzer klagten über defekte Controller, bei denen die Steuerung ohne Eingabe ausschlug. Die Behörde wirft Nintendo vor, den Fehler bereits 2018 gekannt, aber erst 2020 öffentlich gemacht zu haben. Viele Kunden kauften unnötig Ersatz. Nintendo akzeptierte den Vergleich, ohne ein Schuldeingeständnis abzugeben.

Scalping-Bekämpfung und Preissteigerungen

Auch in Japan reagiert das Management. Seit dem 11. Juni gelten strikte Regeln für den Kauf der Multi-Language-Version der Switch 2. Kunden müssen einen Nintendo-Account mit mindestens 50 Stunden Spielzeit auf Original-Switch-Titeln nachweisen – Demos und Free-to-Play-Titel zählen nicht. Grund: Betrugsverdacht und Scalping. Händler nutzten den schwachen Yen, um günstig einzukaufen und teuer weiterzuverkaufen.

Hinzu kommen steigende Kosten. Ab September steigt der US-Preis der Switch 2 auf 499,99 Dollar, in Europa auf 499,99 Euro. In Japan gilt der Aufschlag bereits seit Mai.

Schwacher Ausblick

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet Nintendo einen Umsatzrückgang von 11,4 Prozent, der Nettogewinn soll um 26,9 Prozent fallen. Die geplanten Auslieferungen der Switch 2 liegen bei 16,5 Millionen Einheiten. Makroökonomischer Gegenwind und steigende Komponentenpreise – insbesondere bei Speicherchips – belasten zusätzlich.

Die Aktie notiert 54 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 85,22 Euro. Der RSI von 45,8 signalisiert leichte Schwäche, aber keine Übertreibung. Die entscheidende Frage: Gelingt es Nintendo, die Software-Pipeline für die Switch 2 glaubwürdig zu füllen – und das noch vor dem Weihnachtsgeschäft?

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Dr. Robert Sasse

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