Der Nikkei 225 hat am Freitag einen der stärksten Einzeltages-Gewinne der letzten Wochen verbucht. Rund vier Prozent nach oben, auf etwa 67.000 Punkte — das ist eine klare Antwort auf die Turbulenzen der Vorwoche.
Iran-Deal und SpaceX befeuern die Erholung
Auslöser war eine Aussage von US-Präsident Donald Trump: Ein Friedensabkommen mit dem Iran könnte noch dieses Wochenende in Europa unterzeichnet werden. Die Nachricht drückte die Ölpreise deutlich nach unten. Für Japan, das nahezu vollständig auf Energieimporte angewiesen ist, ein unmittelbares positives Signal.
Parallel dazu sorgte das SpaceX-Börsendebüt für zusätzlichen Rückenwind. Das Unternehmen peilt eine Bewertung von 1,78 Billionen Dollar an und will rund 75 Milliarden Dollar einsammeln. SpaceX plant explizit den Aufbau weltraumgestützter KI-Rechenzentren — ein Narrativ, das japanische Halbleiter- und Elektronikwerte direkt begünstigt.
Technologiewerte führen, Taiyo Yuden springt 13 Prozent
Die stärksten Gewinne kamen aus dem Technologiesektor. Tokyo Electron legte zehn Prozent zu, Advantest gewann 8,7 Prozent, Kioxia Holdings stieg sechs Prozent. Taiyo Yuden, der Hersteller elektronischer Bauteile, erholte sich um 13 Prozent — nach einem Verlust von 12,9 Prozent am Mittwoch und einem Anstieg von 18,3 Prozent am Dienstag. Selten sieht man solche Ausschläge in beide Richtungen innerhalb weniger Tage.
SoftBank Group, das am Mittwoch noch über acht Prozent verloren hatte — ausgelöst durch Berichte über eine ins Stocken geratene Kreditvereinbarung für OpenAI — erholte sich um 3,4 Prozent. Finanzwerte zogen ebenfalls an: Mitsubishi UFJ gewann 1,1 Prozent, Sumitomo Mitsui 2,3 Prozent.
Der Mittwochseinbruch selbst war erheblich. US-Angriffe auf den Iran hatten KI-Technologiewerte weltweit unter Druck gesetzt. Der Nikkei verlor damals 1.273 Punkte — einer der größten Tagesverluste des Jahres.
BoJ-Entscheidung am 16. Juni als nächster Prüfstein
Trotz der Erholung bleibt der Ausblick komplex. Der Yen notiert bei rund 160,5 je Dollar — nahe dem schwächsten Stand seit Juli 2024. Japans Erzeugerpreise stiegen im Mai um 6,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr und übertrafen damit die Markterwartungen deutlich.
Genau das erhöht den Druck auf die Bank of Japan. Händler sehen eine 77-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass die Notenbank am 16. Juni die Leitzinsen auf ein Prozent anhebt. BoJ-Gouverneur Kazuo Uedas Rat hatte zuletzt am 28. April mit sechs zu drei Stimmen für eine Beibehaltung votiert — ein ungewöhnlich knappes Ergebnis, das auf wachsenden Zinserhöhungsdruck hindeutet. Stellvertretender Gouverneur Ryozo Himino betonte, die Realzinsen lägen weiterhin auf extrem niedrigem Niveau.
Technisch steht der Nikkei wieder über der wichtigen 67.000-Punkte-Marke. Das 52-Wochen-Hoch liegt bei 68.786 Punkten — der Abstand dazu beträgt noch knapp vier Prozent. Der 200-Tage-Durchschnitt bei rund 53.400 Punkten liegt weit darunter; der Index notiert fast 24 Prozent darüber. Auf Jahressicht hat der Nikkei unter den großen globalen Indizes am stärksten zugelegt.
Eine hawkishe Überraschung der BoJ nächste Woche — oder ein schneller Yen-Anstieg — könnte die heutigen Gewinne schnell wieder aufzehren. Besonders die exportlastigen und KI-nahen Werte, die die Erholung angeführt haben, reagieren auf Währungsbewegungen besonders empfindlich.
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