Der Nikkei 225 hat am Freitag einen schmerzhaften Rücksetzer erlitten. Nach dem Rekordhoch vom Vortag rutschte der japanische Leitindex unter die 70.000-Punkte-Marke und schloss mit einem Minus von 4,2 Prozent bei 69.360 Punkten. Ein Tag zuvor hatte er noch 4,6 Prozent gewonnen.
Technologiesektor unter Druck
Der Ausverkauf traf vor allem halbleiter- und KI-nahe Werte. Auslöser war ein Cocktail aus mehreren Belastungen: Zweifel an der kurzfristigen Rentabilität von KI-Investitionen, Preiserhöhungen bei Elektronik-Hardware sowie die wieder aufflammenden Spannungen im Nahen Osten. Ein mutmaßlicher Drohnenangriff auf ein Frachtschiff in der Straße von Hormus schürte Befürchtungen über mögliche Lieferkettenunterbrechungen.
SoftBank Group war der prominenteste Verlierer im Index — die Aktie brach um bis zu 14 Prozent ein. Chip-Ausrüster Advantest verlor rund 8 Prozent, Lasertec und Kioxia Holdings gaben jeweils fast 4 Prozent nach. Eine Gegenposition hielten Autobauer wie Toyota und Honda, die leicht im Plus schlossen, sowie Bankwerte, die ebenfalls zulegen konnten.
Inflation bleibt unter BoJ-Ziel
Makroökonomisch lieferte der Tag ein gemischtes Bild. Die Kernteuerung in Tokio zog im Juni auf 1,6 Prozent an — die erste Beschleunigung seit September 2025. Der von der Bank of Japan bevorzugte Maßstab, der neben Lebensmitteln auch Energie ausklammert, stieg auf 1,9 Prozent. Dennoch verfehlt die Inflationsdynamik das 2-Prozent-Ziel der Notenbank nun bereits fünf Monate in Folge. Das dürfte Spekulationen über baldige Zinserhöhungen vorerst dämpfen.
Die Schwäche in Tokio stand nicht allein: Auch der südkoreanische KOSPI verlor 5,8 Prozent, chinesische Festlandsaktien gaben rund 3 Prozent nach. Australien bildete die einzige positive Ausnahme in der Region.
Ob der Nikkei die 70.000-Punkte-Marke schnell zurückerobert, hängt entscheidend davon ab, wie sich die geopolitische Lage rund um die Straße von Hormus und die KI-Bewertungsdiskussion in den kommenden Handelstagen entwickeln. Die nächste Weichenstellung liefert die Bank of Japan mit ihrer Juli-Sitzung.
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