Der Nikkei 225 startet am Montag schwach in die Woche und weitet die Verluste im Laufe des Vormittags aus. Um 10:03 Uhr Ortszeit notiert der Index bei 68.183,70 Punkten, ein Minus von 374,02 Punkten oder 0,55 Prozent. Auslöser ist die Eskalation im Nahen Osten: Über das Wochenende hat sich der Konflikt in der Golfregion verschärft, und Iran behauptet, die Straße von Hormuz geschlossen zu haben.
Verluste weiten sich aus
Bereits zur Eröffnung fiel der Nikkei um 1,0 Prozent. In der vergangenen Woche hatte der Index schon 1,7 Prozent verloren. Im Verlauf des Vormittags rutschte er zeitweise sogar um 1,57 Prozent ab, während der breiter gefasste Topix 0,52 Prozent nachgab.
Die Reaktion der Futures zeigt, wie schnell sich die Lage über Nacht veränderte. Vor Handelsstart lagen die Nikkei-Futures noch bei 68.965 Punkten – nur 0,5 Prozent unter dem Freitagsschluss von 68.557,73 Punkten. Der tatsächliche Handelsstart fiel dann deutlich schwächer aus, ein Zeichen für die Geschwindigkeit, mit der geopolitische Nachrichten die Handelstische in Asien am Montagmorgen erreichten.
Zur Monatsmitte zeigt sich das größere Bild: Auf Sieben-Tage-Sicht steht der Nikkei mit 3,05 Prozent im Minus. Über 30 Tage bleibt dagegen ein Plus von 2,41 Prozent stehen. Auf Jahressicht liegt der Index sogar 71,35 Prozent höher als vor zwölf Monaten.
Ölpreise treiben die Nervosität
Der eigentliche Belastungsfaktor liegt nicht bei einzelnen Aktien, sondern beim Ölpreis. Brent-Rohöl kletterte am Morgen um 3,3 Prozent auf 78,50 Dollar pro Barrel – nach einem jüngsten Tief von 70,14 Dollar. US-Rohöl legte 3,4 Prozent auf 73,83 Dollar zu. Für Japan als Energie-Importeur schlägt das direkt auf die Importkosten und die Gewinnmargen der Unternehmen durch.
Die Region reagiert uneinheitlich, aber überwiegend negativ. Südkoreas Kospi brach um mehr als 5 Prozent ein, während der Nebenwerte-Index Kosdaq 1,98 Prozent verlor. Australiens S&P/ASX 200 gab 0,35 Prozent ab, Chinas CSI 300 verlor 0,64 Prozent. Hongkongs Hang Seng legte dagegen 0,91 Prozent zu.
Besonders hart traf es den chipschweren südkoreanischen Markt. Der Kospi gilt inzwischen als eine Art Frühindikator für den globalen Halbleitersektor. Weitere Verluste dort könnten auch auf Tokios eigene Chip-Schwergewichte ausstrahlen.
Hinzu kommt Druck von der Zinsseite. Der Dollar zog zusammen mit den Anleiherenditen an, nachdem Investoren die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung nach oben korrigiert hatten. Fed-Chef Kevin Warsh muss bereits am Dienstag erstmals in seiner neuen Rolle vor dem Kongress aussagen – am selben Tag stehen die US-Inflationsdaten für Juni an. Diese Kombination belastet exportorientierte japanische Aktien gleich über zwei Kanäle: Währung und Zinsen.
Charttechnik bleibt angespannt
Nach dem Einbruch auf rund 65.300 Punkte in der Vorwoche hatte sich der Nikkei zunächst erholt. Der psychologisch wichtige Widerstand bei 70.000 Punkten wurde dabei nicht getestet. Der 14-Tage-RSI liegt aktuell bei 48,5 – ein neutraler Wert, der weder Überkauft- noch Überverkauft-Signale liefert.
Der Index notiert derzeit 2,12 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt von 66.209,09 Punkten und rund 20,6 Prozent über der 200-Tage-Linie bei 56.068,28 Punkten. Vom 52-Wochen-Hoch bei 72.831,73 Punkten, erreicht am 22. Juni, trennen den Nikkei aktuell 7,17 Prozent. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 35,72 Prozent – ein Wert, der die Nervosität der vergangenen Handelstage unterstreicht.
Politisch bleibt die Lage widersprüchlich. US-Präsident Trump bestritt Irans Darstellung, die Straße von Hormuz sei geschlossen, und erklärte, die Wasserstraße bleibe für den kommerziellen Verkehr offen. Zuvor hatte er Luftschläge gegen Iran angeordnet. Dieses diplomatische Tauziehen dürfte die Schwankungen in Tokio auch in den kommenden Sitzungen hochhalten – Händler richten den Blick nun auf neue Golf-Nachrichten und die US-Inflationsdaten am Dienstag.
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