Auf den ersten Blick ein solides Quartal. Auf den zweiten Blick ein Problem, das hartnäckig bleibt — und den Markt beschäftigt.
Im vierten Geschäftsquartal erzielte Nike einen Umsatz von 10,97 Milliarden Dollar, ein leichtes Minus von 1 Prozent gegenüber dem Vorjahr, aber oberhalb der Analystenerwartungen. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 20 Cent übertraf die Schätzungen von rund 13 Cent deutlich. Teilweise verantwortlich dafür: ein positiver Effekt durch erwartete Rückerstattungen auf IEEPA-Zölle.
China bleibt der Schwachpunkt
Während Nordamerika um 3 Prozent zulegte und der asiatisch-pazifische Raum leicht im Plus lag, brachen die Umsätze in China um 12 Prozent ein. Das ist kein Ausreißer, sondern Ausdruck eines strukturell schwierigen Marktumfelds, das Nike seit Quartalen begleitet. Der Direktvertrieb schrumpfte konzernweit um 7 Prozent, nur der Großhandel konnte mit plus 4 Prozent gegensteuern.
Für das Management ist das eine unbequeme Schieflage: Das margenstärkere Direktgeschäft verliert Boden, während das weniger profitable Großhandelsgeschäft die Lücke füllen muss.
Ausblick belastet die Stimmung
Finanzvorstand Matthew Friend kündigte an, Bestellungen zu straffen und Lagerbestände aktiv zu managen. Das soll die Margen stützen, drückt aber den Umsatz — ein klassischer Zielkonflikt im Turnaround. Hintergrund: Starke Trends vom März hatten sich bis Mitte April schnell abgeschwächt, vor allem bei Sportbekleidung und Jordan-Streetwear in Nordamerika. Steigende Benzinpreise und geopolitische Unsicherheiten belasteten die Konsumstimmung, höhere Rabatte wurden nötig.
Nachbörslich reagierte die Aktie mit einem Abschlag von bis zu 8 Prozent — der Markt bewertet offenbar den Ausblick stärker als die besser als erwarteten Quartalszahlen.
RBC belässt die Aktie bei „Sector Perform“ mit einem Kursziel von 50 Dollar. Das Fazit der Bank ist nüchtern: Die Umsatzdynamik fehle, günstige Währungseffekte und Kostendisziplin hätten immerhin die Gewinne gestützt. Der Fokus verschiebt sich nun auf die Prognose für das erste Geschäftsquartal 2027 sowie den Jahresausblick — die Telefonkonferenz mit dem Management dürfte diese Fragen in den Mittelpunkt rücken.
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