Der Einstieg in den Bau neuer Gaskraftwerke zur Absicherung des Kohleausstiegs geht fast vollständig an zwei etablierte Energiekonzerne: RWE und Leag haben sich in der ersten Ausschreibungsrunde der Bundesnetzagentur nahezu alle Zuschläge gesichert. Elf Projekte mit einer Gesamtkapazität von 5.160 Megawatt erhalten ab Betriebsstart eine 15 Jahre währende Vergütung für das reine Bereithalten von Erzeugungsleistung.
Die Anlagen sollen spätestens ab 2031 einspringen, wenn Wind und Sonne wetterbedingt zu wenig Strom liefern. Geplant ist zunächst der Betrieb mit Erdgas, ehe spätestens 2045 auf klimafreundlich erzeugten Wasserstoff umgestellt werden muss.
15 Jahre garantierte Vergütung
Die Betreiber erhalten im Schnitt rund 155.300 Euro je Megawattstunde für die Bereitstellung der Kapazitäten – selbst wenn die Turbinen im Jahresverlauf nur wenige Stunden laufen sollten. Das Ministerium für Wirtschaft verwies darauf, dass der Betrag deutlich unter dem gesetzlichen Höchstpreis von 244.000 Euro liege.
Daraus ergeben sich für die bezuschlagten elf Vorhaben jährliche Fixkosten von gut 800 Millionen Euro. Finanziert wird die Summe über eine neue Umlage, die ab 2031 von allen Stromverbrauchern erhoben werden soll. Die genaue Höhe der künftigen Mehrbelastung ist offen, da noch zwei weitere Auktionsrunden anstehen.
Regional teilen sich die Zuschläge überwiegend auf traditionelle Kohlegebiete auf. Leag sicherte sich insgesamt sieben Vorhaben an Standorten wie Jänschwalde, Boxberg und Leipheim. RWE kommt auf drei Zuschläge in Voerde, Weisweiler und Werne. Ein Projekt entfällt auf die mehrheitlich kommunalen Stadtwerke Karlsruhe.
RWE hat nach eigenen Angaben bereits Genehmigungen vorbereitet und Fertigungskapazitäten reserviert. Erste Bauarbeiten sollen in wenigen Wochen beginnen. An der Börse verbuchte die RWE-Aktie im XETRA-Handel ein zeitweises Plus von 0,96 Prozent auf 57,06 Euro.
Kritik an Bevorzugung fossiler Infrastruktur
In der ersten Runde wurden insgesamt 41 Gebote mit einem Volumen von knapp zwölf Gigawatt eingereicht. Batteriespeicher konnten sich im Auktionsverfahren preislich nicht durchsetzen.
Umweltverbände kritisieren diese Verteilung. Die Deutsche Umwelthilfe bemängelte, dass Stromkunden über eine Umlage neue fossile Infrastruktur finanzieren, während Batterielösungen außen vor blieben. Zudem subventioniere das Verfahren den Umbau ehemaliger Braunkohleparks dominanter Konzerne.
Die Vorbereitung für die zweite Ausschreibungsrunde läuft bereits an. Gebote dafür können bis zum 29. Dezember eingereicht werden.
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