Netflix steckt in einem Spannungsfeld zwischen starken Werbegeschäften und Verkaufsdruck aus der eigenen Führungsetage. Während das Unternehmen seine US-Werbeverpflichtungen für das kommende Jahr fast verdoppelt hat, trennten sich CEO Gregory Peters, CFO Spencer Neumann und Direktor Richard Barton zuletzt von größeren Aktienpaketen.
Werbegeschäft als Wachstumstreiber
Netflix hat die diesjährigen US-Upfronts abgeschlossen und dabei die Werbeverpflichtungen für 2026 und 2027 nahezu verdoppelt. Das teilte Amy Reinhard mit. Für 2026 rechnet der Streaming-Konzern mit einem Werbeumsatz von rund drei Milliarden Dollar.
Zusätzlichen Rückenwind liefert die MRC-Akkreditierung für die Netflix Ads Suite – die erste ihrer Art für US-Impressions im In-Stream-Video über Connected TV, mobile Apps und Desktop. Auch das Sponsoring der FIFA Women’s World Cup 2027 ist bereits ausverkauft, das In-Game-Inventar nahezu vollständig platziert.
Operativ steht Netflix solide da. Im zweiten Quartal erzielte der Konzern einen Umsatz von 12,56 Milliarden Dollar, ein Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Gewinn pro Aktie von 0,80 Dollar – über den Erwartungen. Für das dritte Quartal stellt das Unternehmen einen Umsatz von 12,86 Milliarden Dollar und einen Gewinn pro Aktie von 0,82 Dollar in Aussicht.
Insider trennen sich von Aktien
Parallel zu den positiven Werbenachrichten sorgten Insider-Verkäufe für Verunsicherung. CFO Spencer Neumann verkaufte 9.248 Aktien zu je 75,79 Dollar, CEO Gregory Peters trennte sich von 27.312 Aktien zu 73,54 Dollar und Direktor Richard Barton veräußerte 2.160 Aktien zu 75,10 Dollar im Rahmen eines Rule-10b5-1-Plans.
In Summe haben Insider in den vergangenen drei Monaten Netflix-Aktien im Wert von 49,1 Millionen Dollar abgestoßen. Auch institutionelle Anleger reagierten: Generali Investments reduzierte seinen Netflix-Bestand im zweiten Quartal um 44,3 Prozent und verkaufte 51.071 Aktien, hält nun noch 64.213 Aktien im Wert von 4,58 Millionen Dollar.
Die Kursreaktion blieb nicht aus. Am Dienstag schloss die Netflix-Aktie in Deutschland bei 64,87 Euro, ein Rückgang von 1,86 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 1,22 Prozent, während sich die Aktie auf Monatssicht mit 0,05 Prozent praktisch unverändert zeigt. Der RSI von 52,6 signalisiert derzeit keine überkaufte oder überverkaufte Lage.
Analysten bleiben zuversichtlich
Trotz der Verkäufe aus der Führungsriege bewerten Analysten die Aktie überwiegend positiv. Das Rating lautet auf Konsensbasis „Moderate Buy“, das Kursziel liegt bei 103,48 Dollar.
Die Insider-Verkäufe fallen damit in eine Phase, in der das operative Geschäft und das Werbesegment insgesamt positive Signale senden – ein Muster, das Anleger im Blick behalten sollten, ohne es überzubewerten, da planmäßige Verkäufe wie jener von Barton im Rahmen eines vorab festgelegten Handelsplans erfolgten.
Inhaltlich bleibt Netflix auch im klassischen Streaming-Geschäft aktiv: Die Serie „The Idaho Murders: College Nightmare“ führte zuletzt die Netflix-Top-10-Liste mit 10,6 Millionen Aufrufen an. Für den Herbst sind weitere Premieren geplant, darunter „Monster: The Lizzie Borden Story“ im September und „The Body“ im November.
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