Netflix hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2026 die eigenen Erwartungen knapp übertroffen, doch der Ausblick auf das dritte Quartal hat die Anlegerstimmung gekippt. Verschärft wurde die Reaktion durch die Ankündigung, künftig deutlich weniger Einblick in die eigene Nutzerbindung zu geben. Die Kombination aus gebremstem Wachstum und schwindender Transparenz löste einen der schärfsten Kursrutsche der Aktie seit Jahren aus.
Solide Zahlen, schwacher Ausblick
Im zweiten Quartal 2026 erzielte Netflix einen Umsatz von 12,56 Milliarden Dollar, ein Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Gewinn je Aktie lag bei 0,80 Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 0,79 Dollar knapp. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen jedoch nur einen Umsatz von 12,86 Milliarden Dollar in Aussicht – deutlich unter den von Analysten erwarteten 13 Milliarden Dollar. Auch der prognostizierte Gewinn je Aktie von 0,82 Dollar verfehlte die Schätzung von 0,84 Dollar. Das Wachstumstempo verlangsamte sich damit von 16,2 Prozent im ersten auf 13,4 Prozent im zweiten Quartal. Für das Gesamtjahr 2026 engte Netflix seine Umsatzprognose auf eine Spanne von 51,0 bis 51,4 Milliarden Dollar ein. Belastend kam hinzu, dass der freie Cashflow im Quartal auf 1,5 Milliarden Dollar sank, nach 2,3 Milliarden Dollar zuvor – eine Folge der 2,8 Milliarden Dollar schweren Ausstiegszahlung im Zusammenhang mit dem gescheiterten Paramount-Deal.
Weniger Transparenz verschärft Sorgen
Zusätzlich zur schwächeren Prognose kündigte Netflix an, seinen Bericht zu den Streaming-Stunden ab 2027 nur noch einmal jährlich zu veröffentlichen statt wie bisher zweimal. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnete das Unternehmen 97 Milliarden gestreamte Stunden – ein Plus von lediglich 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr und damit ein deutlich schwächeres Tempo als beim Umsatz. Der Analyst Paolo Pescatore wertete die Ankündigung als Zeichen für vorsichtiges Management und ein reifendes Wachstum. In mehreren Kommentaren war die Rede davon, Netflix verliere die Kontrolle über die eigene Erzählung gegenüber dem Markt.
Kursreaktion und Analysten-Reaktionen
An der Wall Street reagierten Anleger mit heftigen Verkäufen. Die Aktie brach nach Vorlage der Zahlen um 7,26 Prozent auf 68,95 Dollar ein, nachdem sie im Handelsverlauf zeitweise auf ein Jahrestief von 65,08 Dollar gefallen war. Fortune bewertete den seit April andauernden Ausverkauf so, dass er der Aktie bereits etwa ein Drittel ihres Werts gekostet habe. Mindestens 18 Analysten senkten in der Folge ihre Kursziele. Barclays kappte sein Ziel auf 80 Dollar und begründete dies damit, Netflix verliere zunehmend die Kontrolle über die eigene Erzählung. Pivotal Research reduzierte sein Ziel auf 70 Dollar, TD Cowen auf 100 Dollar. Zugleich hielten andere Häuser an positiven Einschätzungen fest: Evercore-Analyst Mahaney bekräftigte sein Kaufvotum, auch Guggenheim Securities bewertet die Aktie weiterhin mit Kaufen. Trotz der Kürzungen liegt das durchschnittliche Analysten-Kursziel weiterhin rund 40 Prozent über dem Schlusskurs vom Donnerstag vor der Zahlenvorlage. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 20 bleibt Netflix zudem deutlich teurer bewertet als Konkurrenten wie Disney mit 13,5 oder Comcast mit 6,6.
Auch am europäischen Handelsplatz hält der Abwärtstrend an: Zum Handelsschluss am Freitag notierte die in Euro gehandelte Aktie bei 60,54 Euro, ein Tagesminus von 6,85 Prozent. Über die vergangenen 30 Tage summierte sich der Rückgang auf 9,63 Prozent. Der Relative-Stärke-Index von 31,9 deutet auf eine überverkaufte Marktlage hin.
Wachstumshoffnung: Werbung, Live-Events, Gaming
Netflix setzt zunehmend auf Diversifizierung jenseits klassischer Abo-Umsätze. Das Werbegeschäft soll sich 2026 auf rund 3 Milliarden Dollar nahezu verdoppeln. Live-Events machen inzwischen 5 Prozent des Inhaltebudgets aus, und Tage mit Live-Übertragungen zählten laut Unternehmensangaben zu den anmeldestärksten Tagen überhaupt. Die Zahl der Cloud-Gaming-Nutzer stieg seit Oktober um das Elffache. Im zweiten Quartal kaufte Netflix eigene Aktien im Rekordvolumen von 4,7 Milliarden Dollar zurück. Die Co-Chefs verwiesen auf Werbung, Live-Events und Gaming als zentrale künftige Wachstumstreiber – zumal das klassische Abonnementgeschäft mit rund 330 Millionen Haushalten erst weniger als 45 Prozent seiner geschätzten Zielgruppe von 800 Millionen Haushalten erreicht.
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