Nestlé schließt die Vollübernahme des Münchner Trinkmahlzeiten-Herstellers yfood ab. Der Schweizer Konzern hatte sich bereits 2023 mit 49 Prozent beteiligt — jetzt kauft er die restlichen Anteile von den Gründern Benjamin Kremer und Noel Bollmann. Über den Kaufpreis haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart.
Wachstumsmarke mit 150 Millionen Euro Umsatz
yfood ist in 30 Ländern aktiv und an mehr als 50.000 Verkaufsstellen präsent. Der Umsatz lag 2025 bei rund 150 Millionen Euro — ein Wachstum im zweistelligen Prozentbereich. Die Produkte richten sich an Konsumenten, die eine vollwertige Mahlzeit ohne Zubereitungsaufwand wollen.
Nach dem Abschluss übernimmt die bisherige Nestlé-Managerin Jolanda Schwirtz die operative Leitung. Sie arbeitet bereits seit drei Jahren mit yfood zusammen. Marke, Unternehmenskultur und die rund 150 Beschäftigten bleiben erhalten — yfood führt Nestlé als eigenständiges Unternehmen in München weiter.
Erste große Akquisition unter dem neuen CEO
Der Deal ist die erste größere Übernahme unter CEO Philipp Navratil, der seit September 2025 an der Spitze steht. Navratil bündelt den Konzern auf vier Kernbereiche: Kaffee, Heimtierprodukte, Ernährung sowie Lebensmittel und Snacks. Diese Segmente machen bereits rund 70 Prozent des Umsatzes aus.
Parallel trennt sich Nestlé von Randgeschäften. Das verbliebene Eiscreme-Geschäft steht kurz vor dem Verkauf. Das Wassergeschäft mit Marken wie Perrier und San Pellegrino soll bis 2027 entkonsolidiert werden.
Petcare schlägt Babynahrung — ein struktureller Wandel
Ein Datenpunkt zeigt, wie stark sich das Portfolio bereits verändert hat: 2025 übertraf der Umsatz mit Tiernahrung erstmals den der Babynahrung. Sinkende Geburtenraten und die zunehmende Vermenschlichung von Haustieren treiben diesen Trend.
Im ersten Quartal 2026 stieg das reale interne Wachstum um 1,2 Prozent. Der Kurs legte am Tag der Veröffentlichung um 5,9 Prozent zu — die stärkste Eintagesbewegung seit Oktober 2025.
Für 2026 prognostiziert Nestlé ein organisches Umsatzwachstum von 3 bis 4 Prozent. Die Marge soll vor allem in der zweiten Jahreshälfte zulegen. Ab 2026 koppelt Nestlé Boni stärker an das reale interne Wachstum — Preissteigerungen allein gelten nicht mehr als Leistungsausweis.
Die Aktie notiert bei 89,80 Euro und hat in den vergangenen sieben Handelstagen rund 5,6 Prozent zugelegt. Bis zum 52-Wochen-Hoch bei 93,41 Euro fehlen noch knapp vier Prozent.
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