Ein Jahrzehnte altes Sorgenkind ist los, und die Kernzahlen ziehen zeitgleich an. Nestlé meldet an einem Donnerstag gleich zwei Nachrichten, die zusammen ein Bild ergeben: Der neue Konzernchef Philipp Navratil räumt das Portfolio auf, während das operative Geschäft wieder Tempo aufnimmt.
Wasser wird ausgegliedert
Nestlé bündelt sein Mineralwassergeschäft mit Marken wie Perrier und San Pellegrino in einem Gemeinschaftsunternehmen namens Peranel. Partner ist die US-Beteiligungsgesellschaft Platinum Equity, Sitz des neuen Unternehmens ist Paris. Der Deal bewertet die Sparte mit 4,9 Milliarden Euro beziehungsweise 4,5 Milliarden Franken, beide Seiten halten je die Hälfte.
Für Nestlé selbst fließen aus dem Teilverkauf 2,8 Milliarden Franken in die Kasse. Überraschend kommt der Schritt nicht: Bereits 2024 hatte der Konzern angekündigt, sich vom Wassergeschäft trennen zu wollen, im vergangenen Jahr folgte die organisatorische Abspaltung. Belastet wurde die Sparte zuletzt auch durch den Skandal um unzulässige Aufbereitungsmethoden bei Mineralwasser in Frankreich – ein Image-Problem, das sich offenbar nur schwer lösen ließ, solange das Geschäft komplett im Konzern verblieb.
Das Wassersegment trug im vergangenen Jahr rund 3,5 Milliarden Franken oder knapp vier Prozent zum Konzernumsatz bei – für einen Konzern von Nestlés Größe eine überschaubare, aber margenschwache und imagebelastete Randgröße. Die Transaktion steht noch unter dem Vorbehalt von Mitarbeiter-Konsultationen und regulatorischen Genehmigungen und soll bis zum ersten Halbjahr 2027 abgeschlossen sein.
Der Verkauf reiht sich in einen breiteren Umbau ein. Navratil will den Konzern auf weniger Geschäftsfelder fokussieren, parallel läuft die Suche nach einem Käufer für Teile des Vitamin- und Nahrungsergänzungsgeschäfts.
Absatzmengen ziehen an
Während das Portfolio schrumpft, läuft das Kerngeschäft rund. Im ersten Halbjahr 2026 gewann Nestlé bei den Absatzmengen an Schwung, getrieben von starkem Wachstum in aufstrebenden Märkten und höherer Nachfrage nach Kaffee und Tierfutter – zwei der margenstärksten Sparten des Konzerns. Für das Gesamtjahr bestätigte das Management die bisherige Wachstumsprognose und präzisierte sie innerhalb der bekannten Spanne.
Die Kombination aus beidem ergibt eine klare Stoßrichtung: Nestlé trennt sich von Geschäften mit strukturellen Problemen und konzentriert Kapital auf jene Bereiche, die bereits jetzt Wachstum liefern. Ob sich dieser Kurs auch bei der für den Vitamin- und Nahrungsergänzungssparte laufenden Käufersuche fortsetzt, dürfte sich in den kommenden Monaten zeigen.
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