Nestlé lässt sich das Russland-Geschäft nicht ohne Gegenwehr entziehen. Nach der von Wladimir Putin per Dekret verfügten Zwangsverwaltung zweier Tochtergesellschaften prüft der Schweizer Nahrungsmittelkonzern nun seine rechtlichen Optionen — und spricht demonstrativ von einer nur „vorübergehenden“ externen Verwaltung.
Kreml begründet Eingriff mit Ukraine-Hilfe
Putin hatte am Freitag das Russland-Geschäft von Nestlé sowie weiterer Unternehmen, darunter die französische Handelskette Auchan, unter Zwangsverwaltung gestellt. Die Führung übernimmt künftig die russische Firma L.E.V. Management.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow begründete den Schritt damit, dass es sich um Firmen aus „unfreundlichen Ländern“ handle, deren Regierungen in die Militärhilfe für Kiew verwickelt seien. Über eine Enteignung der Vermögenswerte sei bislang nicht entschieden, so Peskow — es gehe vorerst ausschließlich um die externe Verwaltung.
Nestlé selbst betonte, man sei „entschlossen, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, um die eigenen Rechte zu wahren und den Betrieb im Interesse der Mitarbeiter fortzuführen. Der Konzern produziert in Russland an sechs Standorten Süßwaren, Babynahrung und Tierfutter.
Vor der russischen Vollinvasion in der Ukraine 2022 trug das Geschäft rund zwei Prozent zum Konzernumsatz von heute gut 89 Milliarden Franken bei. Analysten taxierten den Wert der russischen Aktivitäten zuletzt auf bis zu 1,7 Milliarden Franken.
Operative Folgen laut Analysten verkraftbar
Anders als Danone, Carlsberg und Heineken, die nach ähnlichen Zwangsmaßnahmen ihr Russland-Geschäft verkauften, hatte Nestlé nach Kriegsausbruch 2022 bewusst am Standort festgehalten — mit dem Argument, auch die Bevölkerung in Konfliktregionen brauche Nahrungsmittel.
Diese Position dürfte nun schwerer zu halten sein. Analysten stufen die operativen Auswirkungen des Eingriffs zwar als verkraftbar ein, sehen aber größere Risiken in möglichen Wertberichtigungen und einem erzwungenen Verkauf zu ungünstigen Konditionen.
An der Schweizer Börse belastete die Nestlé-Aktie am Freitag den Leitindex SMI, der wegen der schwergewichtigen Papiere zurückgebunden wurde. Wie es mit der Fremdverwaltung konkret weitergeht, hängt nun davon ab, ob Moskau über die Verwaltung hinaus auch einen Eigentümerwechsel anordnet — eine Entscheidung, die laut Kreml bislang nicht gefallen ist.
Nestle-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nestle-Analyse vom 18. September liefert die Antwort:
Die neusten Nestle-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nestle-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 18. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nestle: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
