Neo Performance Materials hat am Dienstag Zahlen vorgelegt, die in der Rohstoffbranche ihresgleichen suchen — und trotzdem verkauften Anleger die Aktie.
Der Kanadische Spezialist für seltene Erden und Magnetmaterialien steigerte sein bereinigtes EBITDA im zweiten Quartal um 200 Prozent auf 57 Millionen US-Dollar gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte um 80 Prozent auf 205,75 Millionen Dollar, getrieben von Rekordpreisen für Hafnium, Gallium und Tantal.
Das Unternehmen erhöhte zugleich seine Prognose für das Gesamtjahr deutlich: Statt der bisher erwarteten 100 bis 110 Millionen Dollar rechnet das Management nun mit einem bereinigten EBITDA von 140 bis 150 Millionen Dollar.
Als Grund nannte die Führung anhaltend günstige Preise und stabile vertraglich gesicherte Volumina. Der bereinigte Nettogewinn lag bei 23,7 Millionen Dollar beziehungsweise 0,55 Dollar je Aktie und übertraf damit die Konsensschätzung von Zacks Investment Research von 0,50 Dollar.
Rare-Metals-Sparte als Wachstumstreiber
Besonders stark entwickelte sich das Segment Rare Metals mit einem Rekordumsatz von 106 Millionen Dollar und einem Adjusted EBITDA von 44 Millionen Dollar. Auch die Magnequench-Sparte lieferte: Die Auslieferungen gebondeter Magnete stiegen um 35 Prozent im Jahresvergleich. Parallel treibt Neo Performance den Ausbau seiner europäischen Fertigung voran.
Die Permanentmagnet-Anlage in Estland liefert bereits Muster zur Qualifizierung an Kunden aus, die kommerzielle Produktion soll Ende 2026 starten. Zudem befindet sich das Unternehmen laut Medienberichten in Gesprächen mit den indischen Bundesstaaten Tamil Nadu und Telangana über den Aufbau einer neuen Fertigungsbasis für Seltenerdmagnete.
Der Vorstand bestätigte darüber hinaus die laufende Dividendenpolitik: Für das Quartal wurde eine Ausschüttung von 0,10 kanadischen Dollar je Aktie beschlossen, zahlbar am 28. September an Aktionäre, die am 18. September im Register eingetragen sind.
Kursreaktion trotz Rekordzahlen negativ
Trotz der starken operativen Entwicklung reagierte die Börse verhalten bis ablehnend. Bereits am Ausgabetag der Zahlen brach die Aktie um rund 9 Prozent ein, da Investoren die Rekordwerte offenbar gegen die inzwischen hohe Bewertung und konservative Annahmen zur Spot-Nachfrage in der zweiten Jahreshälfte abwogen.
Die Verunsicherung setzte sich fort: Heute verliert das Papier weitere 5,3 Prozent und notiert bei 23,38 Euro, nach einem Schlusskurs von 24,70 Euro am Dienstag. Auf Sicht von 30 Tagen steht damit ein Minus von 10,4 Prozent, während die Aktie seit Jahresbeginn dennoch ein Plus von 141,5 Prozent aufweist.
Die Gewinnmitnahmen nach der Rekordserie überraschen wenig, wenn man die vorangegangene Rally berücksichtigt. Vom 52-Wochen-Tief bei 9,30 Euro Anfang Januar hat sich der Kurs mehr als verdoppelt, bevor die jüngste Korrektur einsetzte.
Ein automatisiertes Analysetool hatte bereits Anfang August trotz eines optimistischen Drei-Monats-Trends von rund 26 Prozent vor kurzfristigen negativen Signalen gewarnt — ein Hinweis, der angesichts der volatilen Kursbewegung der vergangenen Tage nun an Gewicht gewinnt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage widersprüchlich: Operativ liefert Neo Performance so stark wie nie, die Nachfrage nach kritischen Rohstoffen für Magnete und Elektronik treibt Preise und Margen. Gleichzeitig zeigt der Markt, dass ein Teil der Zukunftsfantasie bereits eingepreist war — und Rekordzahlen allein derzeit nicht reichen, um den Kurs zu stützen.
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