mwb research senkt heute das Kursziel für Nemetschek von 89 auf 82 Euro, hält aber an der Kaufempfehlung fest. Im Mittelpunkt steht die Gewinnverwässerung durch die HCSS-Transaktion. Damit rückt eine andere Frage als das kräftige Umsatzwachstum in den Vordergrund: Wie viel vom größeren Geschäft kommt bei den Nemetschek-Aktionären an?
Die Einschätzungen der Analysten setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Während mwb die Folgen der neuen Beteiligungsstruktur betont, verweist JPMorgan auf das besser als erwartet ausgefallene operative Ergebnis. Beide Häuser bleiben positiv zur Aktie eingestellt.
mwb senkt die Gewinnerwartungen
mwb research reduziert seine EBIT-Prognosen für 2026 bis 2028 um rund 10 Prozent. Als Belastungen nennt das Analysehaus HCSS-bedingte Abschreibungen aus der Kaufpreisallokation sowie Minderheitsanteile. Diese Faktoren drückten das ausgewiesene Ergebnis je Aktie.
Entscheidend ist dabei die Unterscheidung zwischen dem operativen Erfolg des kombinierten Geschäfts und dem Ergebnisanteil der Nemetschek-Aktionäre. Mehr Umsatz und ein höheres operatives Ergebnis bedeuten nicht automatisch einen entsprechend höheren zurechenbaren Gewinn.
Thoma Bravo hält nach der Transaktion 28 Prozent am kombinierten Build-Geschäft. mwb sieht darin eine strukturelle Verwässerung. Die Kritik reicht somit über einmalige Bilanzierungseffekte hinaus und betrifft auch die künftige Verteilung der Ergebnisse.
Die Kaufempfehlung bleibt dennoch bestehen. mwb bewertet Nemetschek also nicht grundsätzlich neu, setzt aber einen niedrigeren Wert für die Aktie an. Für Anleger ist diese Kombination wichtig: Eine positive Anlageeinschätzung schließt sinkende Gewinnerwartungen nicht aus.
Berichteter und bereinigter Gewinn laufen auseinander
Wie stark die Ergebnisabgrenzung ins Gewicht fällt, zeigen die heute veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026. Das ausgewiesene Ergebnis je Aktie betrug 0,40 Euro. Das bereinigte Ergebnis je Aktie stieg dagegen um 20 Prozent auf 0,66 Euro.
Die unterschiedliche Entwicklung erklärt, weshalb sich die Quartalsbilanz nicht auf eine einzige Gewinnkennzahl reduzieren lässt. Das bereinigte Ergebnis zeigt Wachstum, während Abschreibungen und Minderheitsanteile das berichtete Ergebnis belasten. Genau an dieser Stelle setzt die vorsichtigere Bewertung von mwb an.
JPMorgan gewichtet die operative Entwicklung stärker. Analyst Joseph George zufolge entsprach der Umsatz den Erwartungen; das EBITDA übertraf den Konsens um 2 Prozent. Das Haus bestätigt seine übergewichtete Empfehlung und das Kursziel von 110 Euro.
Der Unterschied zwischen den Analysten liegt damit weniger in ihrer grundsätzlichen Haltung zur Aktie als in der Bewertung der Ergebnisqualität und der Transaktionsfolgen.
Wachstum allein beantwortet die Bewertungsfrage nicht
Nemetschek steigerte den Quartalsumsatz einschließlich HCSS um 26,6 Prozent auf 371,1 Millionen Euro. Ohne den Zukauf betrug das organische Wachstum 13,7 Prozent. Das Geschäft wächst somit auch unabhängig von der Übernahme.
Für die Bewertung bleibt jedoch maßgeblich, wie sich dieses Wachstum in zurechenbare Gewinne übersetzt. Die bestätigte Jahresprognose schafft Kontinuität beim operativen Ausblick. Die niedrigeren Schätzungen von mwb zeigen zugleich, dass Anleger die Beteiligungsstruktur und die ausgewiesene Gewinnentwicklung getrennt vom Umsatzwachstum beurteilen müssen.
Stand heute, 5. November: Nemetschek – Kaufen, halten oder verkaufen?
Wer in Nemetschek investiert ist oder einen Einstieg prüft, sollte die Lage jetzt neu bewerten. Die Gratis-Analyse vom 5. November gibt die klare Antwort – und zeigt, warum Abwarten gerade jetzt riskanter sein kann, als es wirkt.
