Starke Zahlen, schwacher Kurs. Bei Nemetschek klaffen operatives Geschäft und Börsenbewertung extrem weit auseinander. Der Bausoftware-Spezialist wächst zweistellig und bestätigt seine Ziele. Die Aktie stürzt parallel dazu auf ein neues Jahrestief ab.
Der Absturz in Zahlen
Am Freitag schloss das Papier bei 53,55 Euro. Damit notiert der Titel nur hauchdünn über dem am Vortag markierten 52-Wochen-Tief von 52,90 Euro.
Die jüngste Bilanz fällt tiefrot aus. Auf Wochensicht verlor der Wert 5,47 Prozent. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus sogar auf rund 41 Prozent.
Ein krasser Kontrast: MDAX und TecDAX legten im vergangenen Monat um mehr als vier Prozent zu. Nemetschek büßte im gleichen Zeitraum fast 19 Prozent ein.
Operative Stärke trifft auf Sektorschwäche
Die Fundamentaldaten zeichnen ein völlig anderes Bild. Im ersten Quartal 2026 kletterte der währungsbereinigte Umsatz um 17 Prozent auf 313,1 Millionen Euro. Das operative Ergebnis legte sogar um knapp 30 Prozent zu.
Besonders die wiederkehrenden Erlöse treiben das Wachstum. Sie stiegen um 21 Prozent auf rund 1,19 Milliarden Euro. Der Vorstand hält folglich an seiner Jahresprognose fest.
Der Kursverfall hat externe Gründe. Investoren bewerten europäische Softwarewerte derzeit branchenweit neu. Den Auslöser lieferte der US-Konzern Oracle.
Oracle meldete zwar Rekordumsätze im Cloud-Geschäft. Massive Ausgaben für die KI-Infrastruktur schreckten den Markt jedoch auf. Die Sorge vor schrumpfenden Cashflows reißt nun auch europäische Player wie SAP und Nemetschek mit nach unten.
Analysten bleiben optimistisch
Marktbeobachter ignorieren die aktuelle Kursschwäche weitgehend. Das durchschnittliche Kursziel aus neun Studien liegt bei 93,38 Euro.
Goldman Sachs senkte das Ziel kürzlich von 110 auf 100 Euro. Die Investmentbank stuft die Aktie aber weiterhin als Kauf ein. Die Experten loben vor allem das starke Bausegment.
Der nächste Termin für Nemetschek steht fest. Am 30. Juli 2026 öffnet der Konzern seine Bücher für das erste Halbjahr. Bestätigen die Zahlen das hohe Wachstum bei den Abonnements, könnte das den massiven Abwärtsdruck auf die Aktie abmildern.
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