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Nel ASA vor der Nachfolgefrage: Entscheidet der Auftragseingang über den nächsten CEO-Kurs?

Nel ASA verzeichnete im zweiten Quartal sinkende Erlöse und ein schwächeres EBITDA, während der Auftragseingang deutlich anzog.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Volldal kündigte Rückzug im Juni an
  • Quartalsumsatz sank auf 153 Millionen Kronen
  • Auftragseingang stieg um 171 Prozent
  • Q3-Bericht folgt am 21. Oktober

Ausgangslage

Nel ASA steckt in einer Übergangsphase, die selten war für einen Wasserstoff-Ausrüster: Der Vorstandschef Håkon Volldal kündigte im Juni seinen Rückzug an, bleibt aber während einer sechsmonatigen Kündigungsfrist im Amt, solange die Suche nach einem Nachfolger läuft.

Zugleich hat das Unternehmen im Juli Zahlen vorgelegt, die zeigen: Der Umsatz schrumpft weiter, während der Auftragseingang zulegt. Diese Gemengelage macht den Zeitpunkt kritisch – wer auch immer die Nel-Spitze übernimmt, erbt eine Firma im Spagat zwischen schwachem laufendem Geschäft und wachsendem Bestellbuch.

Im zweiten Quartal 2026 sanken die Umsatzerlöse aus Kundenverträgen auf 153 Millionen norwegische Kronen, ein Rückgang von 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das EBITDA fiel auf minus 155 Millionen Kronen, deutlich schlechter als die minus 100 Millionen im ersten Quartal und die minus 86 Millionen im Vorjahresquartal.

Ein Teil der Verschlechterung – 70 Millionen Kronen – geht auf die im Juni verkündete Einigung mit Iwatani Corporation of America zurück, mit der Nel für 7,5 Millionen US-Dollar einen Rechtsstreit in den USA beilegte.

Die entscheidende Frage

Für Anleger läuft momentan alles auf eine Kennzahl zu: den Auftragseingang, insbesondere im PEM-Segment. Im zweiten Quartal stieg der gesamte Auftragseingang auf 230 Millionen Kronen, ein Plus von 171 Prozent gegenüber dem Vorquartal und 224 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.

PEM-Elektrolyseure machten 96 Prozent davon aus und ließen den PEM-Auftragsbestand um 147 Millionen auf 990 Millionen Kronen anwachsen. Der gesamte Orderbestand lag zum Quartalsende bei 1.213 Millionen Kronen, ein Plus von 9 Prozent zum Vorquartal und nur 3 Prozent unter dem Vorjahreswert.

Die Frage, die den weiteren Kursverlauf bestimmt, lautet: Setzt sich dieser Trend im dritten Quartal fort, oder war der Sprung ein Einmaleffekt aus wenigen Großaufträgen?

Zwei Bestellungen aus den USA im April – jeweils rund 7 Millionen US-Dollar von einem öffentlichen Versorger und von Mesure Process, einer Tochter von Synqo Energies – deuten auf eine gewisse Verstetigung der Nachfrage hin. Ob daraus ein tragfähiger Trend wird, muss der nächste Zahlenausweis zeigen.

Bullisches Szenario

Setzt sich die Erholung bei den Bestellungen fort, könnte Nel den Umsatzrückgang in den kommenden Quartalen stoppen, ohne dass der Personalabbau – die Belegschaft wurde bereits um 13 Prozent reduziert – weitergehen muss.

Der im Mai vorgestellte Pressurized-Alkaline-Platform PA-Series, für den Nel einen Turnkey-Vollkostenpreis von unter 1.450 US-Dollar je Kilowatt bei einer 25-Megawatt-Anlage in Aussicht stellt, könnte zusätzliche Aufträge auslösen, sobald Kunden die neue Technologie in größerem Maßstab bestellen.

Der im Dezember 2025 beschlossene Bau von bis zu einem Gigawatt Fertigungskapazität am Standort Herøya, unterstützt durch den EU-Innovationsfonds, liefert dafür bereits die industrielle Basis.

Auch der Kauf von 100.000 Nel-Aktien durch Verwaltungsratschef Arvid Moss im April zu einem Durchschnittskurs von 2,2547 norwegischen Kronen kann als Vertrauenssignal gelesen werden, wenngleich ein einzelner Insiderkauf keine Trendwende garantiert.

Bärisches Risiko

Dagegen steht das anhaltend negative operative Ergebnis: Ein EBITDA von minus 155 Millionen Kronen bei einem Auftragsbestand, der noch immer unter dem Vorjahreswert liegt, zeigt, dass Bestellungen nicht automatisch in profitables Geschäft münden.

Die Personalfrage an der Spitze verschärft die Unsicherheit zusätzlich: Solange kein Nachfolger für Volldal feststeht, bleibt offen, ob die künftige Führung am eingeschlagenen Kurs – Fokus auf PEM und die neue Alkaline-Plattform – festhält oder strategisch nachjustiert.

Der Kurs selbst spiegelt diese Vorsicht: Er notiert rund 4,4 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und damit im Bereich, der auf anhaltend schwache Marktstimmung hindeutet.

Ausblick

Solange der Auftragseingang im PEM-Bereich hoch bleibt und die Herøya-Kapazitäten wie geplant hochlaufen, bietet sich ein Pfad zu stabileren Umsätzen ab dem laufenden Jahr. Bricht der Bestelltrend dagegen wieder ein oder zieht sich die CEO-Suche über die sechsmonatige Frist hinaus ohne klare Nachfolgelösung, dürfte die Unsicherheit an der Börse anhalten.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der für den 21. Oktober angesetzte Q3-Bericht, der zeigen muss, ob aus dem Auftragsschub des zweiten Quartals ein nachhaltiger Trend wird.

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