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Nel ASA verdoppelt sich seit März, Ceres Power knackt 52-Wochen-Hoch — Drei-Klassen-Gesellschaft im H2-Sektor

Ceres Power und ITM Power führen mit dreistelligen Kursgewinnen, während Nel ASA mit einer günstigen Elektrolyseur-Plattform überrascht.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Ceres Power verzehnfacht sich binnen Jahresfrist
  • Nel ASA präsentiert revolutionäre Kostenstruktur
  • ITM Power profitiert von Rekordumsätzen
  • HydrogenPro kämpft mit sinkenden Barreserven

Während Ceres Power und ITM Power mit dreistelligen Jahresgewinnen davonziehen, stellt Nel ASA mit einer neuen Elektrolyseur-Plattform die Kostenrechnung der Branche auf den Kopf. HydrogenPro kämpft derweil mit schwindendem Kassenbestand, und PowerCell Sweden sucht im Rechenzentrumsmarkt nach neuem Schwung. Ein Sektor, fünf Geschwindigkeiten.

Nel ASA: Technologiesprung mit 1.450 Dollar pro Kilowatt

Nel ASA hat heute ein neues 52-Wochen-Hoch bei 0,36 Euro markiert — ein Kursanstieg von rund 62 % allein im letzten Monat. Die Rallye fußt auf einem konkreten Produktversprechen: Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller hat nach über acht Jahren Entwicklung eine Druckalkalin-Plattform kommerziell eingeführt, die bei einem 25-MW-Projekt schlüsselfertige Gesamtkosten unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt ermöglichen soll.

Das ist weniger als die Hälfte des branchenüblichen Niveaus von rund 3.000 Dollar. Die System-Investitionskosten sollen gegenüber heutigen Lösungen um 40 bis 60 % sinken, Projektlaufzeiten verkürzen sich, das Ausführungsrisiko fällt. Die Plattform nutzt patentierte Produktionsverfahren, die es in der Elektrolyseur-Industrie bisher nicht gab.

Die Industrialisierung läuft bereits: Nach einer finalen Investitionsentscheidung im Dezember 2025 baut Nel die Fertigungskapazität am Standort Herøya auf bis zu 1 GW pro Jahr aus — mit einer Roadmap auf 4 GW. Die EU steuert über den Innovationsfonds bis zu 135 Millionen Euro bei.

Trotz der technologischen Euphorie bleibt die Analystengemeinde reserviert. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei umgerechnet rund 0,22 Euro — deutlich unter dem aktuellen Kurs. Kein einziger Analyst empfiehlt den Kauf, sieben raten zum Verkauf. Die EBITDA-Marge steht bei minus 28,5 %. Die entscheidende Frage lautet nun, ob die Plattform tatsächlich Aufträge generiert — oder ob Nel ein brillantes Produkt ohne Abnehmer gebaut hat.

ITM Power: Rekorderlöse und MSCI-Aufnahme als Doppelkatalysator

ITM Power hat sich über zwölf Monate um 265 % verteuert. Anders als beim Hype-Zyklus von 2021 stehen diesmal harte Zahlen hinter der Bewegung: 18 Millionen Pfund Umsatz im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2026 — ein Rekord. Die Jahresprognose wurde auf 40 bis 43 Millionen Pfund angehoben, ein Plus von rund 35 % gegenüber dem Vorjahr.

Auch die Verluste schrumpfen. Der bereinigte EBITDA-Verlust halbierte sich nahezu auf 11,9 Millionen Pfund. Mit knapp 198 Millionen Pfund Cash verfügt das Unternehmen über einen soliden Puffer für die anstehende Skalierung.

Kern der Wachstumsstory ist die Chronos-Fertigungslinie: Eine automatisierte Produktionsanlage mit 1 GW Kapazität, finanziert durch ein 86,5 Millionen Pfund schweres Paket aus staatlichem Eigenkapital und Fördermitteln. Great British Energy beteiligt sich mit 40 Millionen Pfund direkt am Unternehmen.

Morgan Stanley hat die Aktie kürzlich auf „Overweight“ hochgestuft und ein Kursziel von 170 Pence gesetzt — weit über dem Konsens von rund 101 Pence. Operative Gewinne erwartet die Bank allerdings erst ab 2028. Ein kurzfristiger Katalysator steht unmittelbar bevor: die Aufnahme in den MSCI UK Small Cap Index, die passiven Kapitalzufluss auslösen dürfte.

HydrogenPro: Milliarden-Pipeline trifft auf schmelzende Kasse

HydrogenPro bildet den schärfsten Kontrast im Sektor. Die Aktie notiert bei rund 1,51 NOK — meilenweit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 4,25 NOK. Die Marktkapitalisierung ist auf rund 264 Millionen NOK geschrumpft.

Die Q1-Zahlen 2026 zeichnen das Bild eines Unternehmens im Übergang:

  • Umsatz: 16 Millionen NOK, leicht unter dem Vorquartal
  • Nettoverlust: 41 Millionen NOK
  • Kassenbestand: Von 102 auf 56 Millionen NOK gefallen — ein Schwund von 45 % in nur drei Monaten

Operativ gibt es durchaus Lichtblicke. Eine strategische OEM-Partnerschaft mit LONGi verschafft HydrogenPro Zugang zu 1 GW Fertigungskapazität für Elektrolyseur-Komponenten. Alle 40 Elektrolyseure für das ACES-Projekt in Utah — eine der weltweit größten Druckalkalin-Installationen — sind in Betrieb, gesichert durch einen zehnjährigen Servicevertrag.

Die Pipeline von rund 1 Milliarde NOK an Projekten, die 2026/27 finale Investitionsentscheidungen erreichen sollen, ist das zentrale Argument für geduldige Investoren. Verhandlungen laufen in Europa, Indien und der MENA-Region. Gleichzeitig fährt das Unternehmen die Kosten herunter: Das China-Geschäft wird verkleinert, in Europa gibt es Kurzarbeit. Der Analystenkonsens lautet „Halten“ — mit einem Kursziel von 50 NOK, das die binäre Natur der Lage widerspiegelt.

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Ceres Power: Doosan-Fantasie treibt Kurs um 970 % in zwölf Monaten

Ceres Power ist der spektakulärste Performer unter den fünf Titeln. Die Aktie hat sich seit Mai 2025 verzehnfacht und erreichte heute 807,50 Pence — ein Plus von über 21 % an einem einzigen Tag. Die Marktkapitalisierung liegt bei 1,58 Milliarden Pfund. Zur Erinnerung: Nach dem Ausstieg von Partner Bosch Ende 2024 notierte der Kurs unter 60 Pence.

Der jüngste Schub kam am 22. Mai, als die Aktie ohne offizielle Unternehmensmeldung um 15 % sprang. In Foren wurde auf ein angebliches UBS-Kursziel von 970 Pence verwiesen — bisher unbestätigt. Jefferies hatte bereits zuvor das Ziel von 480 auf 920 Pence angehoben und eine Kaufempfehlung ausgesprochen. Goldman Sachs erhöhte Ende April auf 670 Pence, was damals einen Kurssprung von 23 % auslöste.

Der fundamentale Treiber hinter der Neubewertung: Doosan Fuel Cell, der südkoreanische Lizenzpartner, hat die Massenproduktion von Brennstoffzellen-Stacks auf Basis der Ceres-Festoxid-Technologie aufgenommen. Die Fabrik in Südkorea kann 50 MW elektrische Leistung pro Jahr produzieren. Doosan ist damit der erste Lizenzpartner, der den Sprung von der Pilotphase in die Serienproduktion geschafft hat.

Die Umsätze lagen 2025 bei 32,6 Millionen Pfund — ein Rückgang von 37 % gegenüber dem Vorjahr. Für 2026 sind bereits rund 45 Millionen Pfund an vertraglich gesicherten Erlösen eingebucht. Erste Lizenzgebühren fließen, die Skalierung wird ab 2027 erwartet. Das Lizenzmodell verspricht hohe Margen bei geringem Kapitaleinsatz — falls die Partner liefern.

PowerCell Sweden: Rechenzentrums-Wette noch ohne Kurseffekt

PowerCell Sweden notiert heute bei 2,90 Euro — ein Tagesplus von rund 7,7 %. Die Monatsperformance von knapp 35 % klingt ordentlich, relativiert sich aber im Sektorvergleich. Vom 52-Wochen-Hoch bei 4,37 Euro trennen den Kurs noch über 33 %.

Die strategische Stoßrichtung ist klar: Rechenzentren und maritime Anwendungen. PowerCell hat eine Vereinbarung mit einem führenden US-Anbieter von wasserstoffbetriebenen Rechenzentren geschlossen, um zwei PS190-Brennstoffzellensysteme im Feldtest zu validieren. Der Bedarf ist real — Netzengpässe und wachsender Strombedarf der KI-Infrastruktur machen alternative Energiequellen attraktiv.

Im Bereich Schifffahrt beteiligt sich PowerCell am EU-geförderten MiNaMi-Projekt zur Entwicklung langlebiger Megawatt-Brennstoffzellen für den Seeverkehr. Verschärfte Dekarbonisierungsvorschriften könnten hier langfristig für wiederkehrende Erlöse sorgen.

Finanziell steht PowerCell solide da: Die Bruttomarge liegt bei 45 %, der Q1-Umsatz 2025 wuchs um 42 % gegenüber dem Vorjahr. Der Analystenkonsens bleibt bei „Halten“ mit einem Kursziel von 33 SEK — ein Aufwärtspotenzial von rund 26 %. Die Erwartung: frühe EBITDA-Wende durch Kostendisziplin und Skaleneffekte.

Drei Geschwindigkeiten, eine Branche

Der Wasserstoffsektor im Mai 2026 lässt sich in drei Klassen einteilen:

  • Spitzengruppe (Ceres Power, ITM Power): Strukturelle Katalysatoren — Lizenz-Massenproduktion bei Ceres, staatlich finanzierte Skalierung bei ITM. Dreistellige Jahresgewinne, gestützt durch Analysten-Upgrades und sich bessernde Kennzahlen.
  • Mittelfeld (Nel ASA): Echte Technologie-Innovation mit Potenzial, die Branchenökonomie zu verändern — aber skeptische Analysten und fehlende Auftragsbestätigungen. Die Diskrepanz zwischen Produkt und Bewertung könnte sich in beide Richtungen auflösen.
  • Nachzügler (HydrogenPro, PowerCell Sweden): Glaubwürdige Technologien in konkreten Nischen, aber mit unmittelbarem Cash- und Ausführungsdruck. HydrogenPros Pipeline-Konvertierung und PowerCells Rechenzentrumsvalidierung sind binäre Ereignisse.

Entscheidende Wochen für den H2-Sektor

Die nächsten 90 Tage werden mehrere offene Fragen beantworten. ITM Powers MSCI-Aufnahme steht unmittelbar bevor, die Jahreszahlen für das im April endende Geschäftsjahr müssen die angehobene Prognose bestätigen. Bei Ceres Power wartet der Markt auf eine formelle Bestätigung der kolportierten UBS-Einschätzung — und darauf, ob die Doosan-Skalierung planmäßig verläuft.

Nel ASA muss zeigen, dass die revolutionäre Kostenstruktur seiner Plattform in reale Aufträge mündet. Die EU fördert grünen Wasserstoff weiterhin über den Innovationsfonds und die Wasserstoffbank, gleichzeitig bremsen hohe Produktionskosten und ein schleppender Infrastrukturausbau das Marktwachstum.

HydrogenPros FID-Pipeline und PowerCells Rechenzentrumspartnerschaft sind Alles-oder-nichts-Szenarien: Erfolg würde eine materielle Neubewertung auslösen, weitere Verzögerungen die Bilanzen belasten. Über allen fünf Titeln schwebt die zentrale Frage des Sektors: Wann erreicht die kommerzielle Skalierung die kritische Masse?

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Diskussion zu Nel ASA

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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