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Nel ASA Aktie: Kurs 45 Prozent über Analystenziel

Nel-Aktie steigt stark, obwohl Analysten mehrheitlich zum Verkauf raten. Schwaches Auftragsbuch und hohe Bewertung stehen im Fokus.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Kein Analyst empfiehlt den Kauf
  • Aktie legt seit Jahresbeginn 83% zu
  • Neue Elektrolyseur-Technologie vorgestellt
  • Auftragseingang bricht um 73% ein

Nel ASA startet in eine ungewöhnliche Woche. Der Kurs notiert knapp unter dem 52-Wochen-Hoch — und kein einziger der 13 abdeckenden Analysten empfiehlt die Aktie zum Kauf. Sieben raten zum Verkauf, sechs zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei umgerechnet rund 0,20 Euro, fast 45 Prozent unter dem aktuellen Kurs von 0,35 Euro.

Der Kursanstieg ist bemerkenswert. Seit Jahresbeginn hat die Aktie rund 83 Prozent zugelegt, allein in den vergangenen 30 Tagen waren es fast 50 Prozent. Das 52-Wochen-Tief lag noch im März bei 0,18 Euro.

Neue Technologie, schwaches Auftragsbuch

Auslöser der Rallye ist eine Produktankündigung. Nel präsentierte im Mai eine neue Generation seines druckbeaufschlagten alkalischen Elektrolyseurs — nach mehr als acht Jahren Entwicklung und erfolgreichen Tests am Standort Herøya in Norwegen. Das System soll schlüsselfertig unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt kosten, während viele Wettbewerber bei Gesamtkosten von 3.000 Dollar pro Kilowatt oder mehr landen. Für eine Anlage mit 25 MW ist dieser Wert kalkuliert; größere Anlagen sollen weitere Kostenvorteile bringen.

Die Industrialisierung läuft: Eine finale Investitionsentscheidung fiel im Dezember 2025, die Produktionskapazität in Herøya soll auf bis zu 1 GW pro Jahr steigen — mit einem Fahrplan bis auf 4 GW. Die EU unterstützt das mit einem Zuschuss von bis zu 135 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds, der bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten abdeckt.

Das Kernproblem bleibt allerdings das Auftragsbuch. Im ersten Quartal 2026 lag der Auftragseingang bei 85 Millionen Norwegischen Kronen — ein Rückgang von 73 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand sank auf 1,1 Milliarden Kronen, 24 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das Management räumte ein, dass die aktuelle Pipeline für eine nennenswerte Kapazitätsauslastung im Jahr 2027 nicht ausreicht.

CEO Håkon Volldal zeigte sich für die PEM-Sparte vorsichtig optimistisch: Im zweiten Quartal sei bereits ein Auftrag unterzeichnet worden, weitere seien bis Mitte des Jahres in Aussicht.

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Kurzfristige Katalysatoren und Risiken

Zwei konkrete Ereignisse könnten die Stimmung in den kommenden Wochen beeinflussen. Nel erwartet im zweiten Quartal die erste Tranche des EU-Zuschusses in Höhe von 11 Millionen Euro — eine Bestätigung steht noch aus. Kein Wunder, dass Anleger diesen Eingang genau verfolgen: Er wäre sowohl Liquiditätspuffer als auch Projektsignal.

Auf der Risikoseite prüft Nel derzeit den Buchwert zweier stillgelegter Produktionslinien in Herøya, die ursprünglich für atmosphärische alkalische Elektrolyseure gebaut wurden. Eine Abschreibung ist möglich — nach bereits 799 Millionen Kronen an Wertberichtigungen im Geschäftsjahr 2025 wäre das eine weitere Belastung.

Das breitere Umfeld bleibt gespalten. Die europäische Wasserstoffpolitik schreitet voran, doch die strengen RFNBO-Regeln der EU — die Vorschriften für erneuerbare Kraftstoffe nicht-biologischen Ursprungs — gelten als Hemmschuh. Zusatzkosten von schätzungsweise 1,0 bis 2,0 US-Dollar pro Kilogramm bremsen die Projektentwicklung spürbar.

Halbjahreszahlen als Bewährungsprobe

Der entscheidende Termin ist der 15. Juli, wenn Nel die Halbjahreszahlen vorlegt. Bis dahin wird der Markt vor allem auf neue Auftragsankündigungen für die PEM-Sparte achten. Die standardisierten, containerisierten Systeme für Projekte zwischen 2,5 und 50 MW lassen sich in unter zwölf Monaten liefern — das ermöglicht schnellere Umsatzrealisierung als bei größeren Individualprojekten und macht jeden neuen Auftrag besonders sichtbar.

Zeigt das Auftragsbuch am 15. Juli keine klare Erholung, dürfte der Abstand zwischen Kursniveau und Analystenkonsens schwer zu rechtfertigen sein.

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