Nach einem beeindruckenden Lauf stößt Nel ASA an seine Grenzen. Die Aktie des norwegischen Elektrolyseur-Herstellers kletterte Ende Mai auf ein 52-Wochen-Hoch von 0,36 Euro — und gab danach sofort nach. Seither notiert der Kurs rund zwei Prozent darunter. Das Muster ist vertraut: starke Rally, schwache Fundamentaldaten, nervöse Anleger.
Kurs weit voraus, Analysten skeptisch
Der Jahresgewinn von rund 83 Prozent klingt beeindruckend. Der 30-Tage-Anstieg von fast 50 Prozent noch mehr. Allerdings liegt der aktuelle Kurs von 0,35 Euro weit über dem, was Analysten für gerechtfertigt halten.
Der durchschnittliche Kursziel-Konsens der sieben abdeckenden Analysten liegt bei umgerechnet rund 2,12 Norwegischen Kronen — deutlich unter dem aktuellen Kursniveau. Kein einziger Analyst empfiehlt die Aktie zum Kauf. Das ist kein Warnzeichen am Rande, sondern ein klarer Dissens zwischen Markt und Fundamentaldaten.
Quartalszahlen: Verluste, aber Stabilisierung
Nel hat im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 148 Millionen Norwegischen Kronen erzielt. Das sind fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Der EBITDA-Verlust verbesserte sich auf minus 100 Millionen Kronen — immerhin 15 Millionen besser als ein Jahr zuvor.
Die Liquidität beläuft sich auf 1,4 Milliarden Kronen. Das reicht nach eigenen Angaben bis Ende 2026. Nel hat seine Belegschaft gegenüber dem Höchststand um 26 Prozent reduziert. Das Unternehmen schrumpft sich gesund — noch.
Innerhalb des Konzerns laufen die Divisionen auseinander. Die Alkaline-Sparte steigerte den Umsatz um sechs Prozent und verbesserte das EBITDA um 35 Millionen Kronen. Die PEM-Sparte hingegen verlor 14 Prozent Umsatz. Hauptgrund: verzögerte oder gestrichene Förderprogramme in den USA.
Neuer Elektrolyseur als Wendepunkt?
Im Mai 2026 hat Nel seine neue Generation druckbasierter alkalischer Elektrolyseure kommerziell eingeführt. Das System entstand nach mehr als acht Jahren Entwicklung und wurde am Standort Herøya in Norwegen erfolgreich getestet.
Die Zahlen klingen ambitioniert. Für eine 25-MW-Anlage peilt Nel Gesamtkosten unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt an. Gegenüber bestehenden Lösungen soll das die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent senken. Die Produktionskapazität in Herøya soll zunächst auf ein Gigawatt pro Jahr steigen — mit einem Fahrplan bis auf vier Gigawatt. Hinzu kommt eine EU-Fördertranche von elf Millionen Euro, die Nel im zweiten Quartal 2026 erwartet.
CEO Håkon Volldal führt nach eigenen Angaben aktive Gespräche mit mehreren potenziellen Kunden über Projekte zwischen 50 und 150 Megawatt in Europa und Nordamerika.
Juli wird zur Bewährungsprobe
Die Halbjahreszahlen im Juli sind der nächste harte Test. Bis dahin muss der Produktlaunch konkrete Aufträge erzeugen. Gelingt das nicht, wird die Lücke zwischen Aktienkurs und Geschäftsentwicklung schwerer zu erklären — nicht nur für Analysten, sondern auch für Investoren, die seit Jahresbeginn auf eine Trendwende gesetzt haben.
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