Nel ASA steht vor einer entscheidenden Woche. Die Aktie des norwegischen Wasserstoff-Spezialisten schloss am Freitag bei 0,1944 Euro, ein Minus von 1,12 Prozent. Nun rückt ein Termin in Brüssel in den Blick, der über den Auftragsbestand der kommenden Monate mitentscheiden könnte.
EU-Förderprogramm als möglicher Kurstreiber
Die EU will zu Beginn des August 2026 die Ergebnisse ihrer Förderausschreibung „HORIZON-JU-CLEANH2-2026“ bekanntgeben. Auf diesen Aufruf im Rahmen des „Horizon Europe“-Programms hatten sich bis zur Bewerbungsfrist im April 170 Projekte beworben. Gefördert werden unter anderem Produktion und Speicherung von grünem Wasserstoff.
Taucht Nel-Technologie oder ein Partnerunternehmen unter den geförderten Projekten auf, wäre das ein Signal für den Auftragsbestand. Der hatte zuletzt erste Erholungszeichen gezeigt.
Iwatani-Vergleich belastet Quartalszahlen
Die Zahlen zum zweiten Quartal 2026 aus Mitte Juli wirken noch nach. Der Auftragseingang stieg auf 230 Millionen norwegische Kronen, getrieben vom PEM-Segment. Unter dem Strich drückte allerdings ein Einmaleffekt: eine Vergleichszahlung von 70 Millionen norwegische Kronen an die Iwatani Corporation of America.
Diese Sonderbelastung riss das EBITDA des Quartals auf minus 155 Millionen norwegische Kronen. Das Management verweist jedoch auf eine Kassenposition von rund 1,3 Milliarden norwegische Kronen. Diese Liquidität soll den laufenden Betrieb und die Technologieentwicklung absichern — akute Sorgen um frisches Kapital dürften damit erst einmal vom Tisch sein.
Charttechnik zeigt Schwäche
Der aktuelle Kurs liegt 17,59 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2359 Euro. Zudem ist die Aktie zuletzt unter den 200-Tage-Durchschnitt von 0,2142 Euro gerutscht. Der 14-Tage-RSI notiert bei 37,8 — die Aktie nähert sich überverkauftem Terrain, hat die klassische Kaufmarke von 30 aber noch nicht erreicht.
Das 52-Wochen-Tief von 0,1731 Euro aus Ende Februar bildet die nächste wichtige Marke nach unten. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 29,45 Prozent. Das spiegelt die anhaltende Nervosität der Branche gegenüber politischen Weichenstellungen und Makrodaten.
Nüchterne Branchenphase, offene CEO-Frage
Die Wasserstoffbranche befindet sich 2026 in einer nüchternen Phase. Der anfängliche Hype ist verflogen, im Fokus stehen jetzt konkrete Investitionsentscheidungen und der Ausbau von Infrastruktur. Nel ASA durchläuft diesen Übergang derzeit ohne festen Kapitän an der Spitze: CEO Håkon Volldal hatte im Juni seinen Rücktritt erklärt und befindet sich noch in seiner sechsmonatigen Kündigungsfrist.
Priorität hat für das Unternehmen der kommerzielle Rollout seiner neuen Druck-Alkali-Plattform. Diese Technologie soll den Platzbedarf um 80 Prozent reduzieren. Erste nennenswerte Aufträge dafür erwartet das Management in den kommenden Monaten — ein möglicher fundamentaler Gegenpol zur jüngsten Kursschwäche.
Zwei Termine bestimmen damit die nächsten Wochen: die EU-Förderentscheidung Anfang August und die Frage, wann die neue Alkali-Plattform erste Bestellungen einbringt. Bis dahin bleibt die Aktie zwischen technischer Schwäche und operativen Hoffnungsschimmern gefangen.
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