Der norwegische Wasserstoff-Spezialist Nel ASA hat das Jahr 2025 mit dem höchsten Verlust seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Gleichzeitig verzeichnet der Elektrolyseur-Hersteller einen beispiellosen Anstieg bei den Neubestellungen. Diese extremen Gegensätze in der jüngsten Jahresbilanz spiegeln einen tiefgreifenden technologischen Umbruch wider.
Rote Zahlen durch Technologie-Wechsel
Auf den ersten Blick lesen sich die Zahlen für das abgelaufene Jahr ernüchternd. Der Jahresumsatz schrumpfte um 31 Prozent auf 963 Millionen Norwegische Kronen (NOK). Noch schwerer wiegt der massive Fehlbetrag: Allein im vierten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 870 Millionen NOK.
Verantwortlich für dieses Minus sind primär hohe nicht-zahlungswirksame Abschreibungen. Nel wertete alte Produktionsanlagen und immaterielle Technologiewerte um fast 800 Millionen NOK ab. Das Management trennt sich damit bilanziell von der ersten Generation der Alkali-Technologie, um sich vollständig auf die nächste Entwicklungsstufe zu konzentrieren. Für das Gesamtjahr summierte sich der Verlust dadurch auf 1,26 Milliarden NOK.
Volle Auftragsbücher und EU-Millionen
Während die strategische Neuausrichtung die Bilanz belastet, zeigt das operative Neugeschäft eine hohe Dynamik. Im Schlussquartal 2025 sprang der Auftragseingang um beachtliche 364 Prozent auf 686 Millionen NOK nach oben. Ein wesentlicher Treiber war ein Großauftrag über 50 Millionen US-Dollar für norwegische Wasserstoffprojekte im November, der das Orderbuch zum Jahresende auf über 1,3 Milliarden NOK anwachsen ließ.
Die Zukunft des Unternehmens ruht nun auf der neuen Druckalkali-Plattform im Werk Herøya. Für die Industrialisierung dieser Technologie nimmt Nel rund 300 Millionen NOK in die Hand. Finanzielle Rückendeckung kommt dabei aus Brüssel: Der EU-Innovationsfonds übernimmt bis zu 60 Prozent der förderfähigen Kosten. Die Markteinführung der neuen Anlagen ist für das erste Halbjahr 2026 angesetzt.
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Solides Polster für den Übergang
Trotz der hohen buchhalterischen Verluste ist die Kriegskasse des Unternehmens gut gefüllt. Mit liquiden Mitteln von rund 1,6 Milliarden NOK verfügt Nel über ausreichend Spielraum für den laufenden Umbau. An der Börse sorgte die Übergangsphase zuletzt dennoch für Zurückhaltung. Die Aktie notierte Mitte März bei 2,09 NOK und verlor damit auf Jahressicht rund ein Viertel ihres Wertes.
Der gesamte Wasserstoffsektor wandelt sich derzeit vom reinen Spekulationsobjekt hin zu einem industriellen Markt. Dabei kämpfen die Hersteller branchenweit mit hohen Strompreisen und Verzögerungen bei der Auszahlung staatlicher Fördergelder.
Die nächsten Wochen bringen nun konkrete Termine für Investoren, die Aufschluss über den operativen Start der neuen Produktgeneration geben werden:
- April 2026: Ordentliche Hauptversammlung
- April 2026: Veröffentlichung der Zahlen zum ersten Quartal 2026
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