Bei Nel ASA kommt es darauf an, den gewachsenen Auftragsbestand in Geschäft umzusetzen. Mehr Bestellungen stehen einem stark geschrumpften Umsatz gegenüber. Der angekündigte Führungswechsel schafft dafür einen organisatorischen Übergang, löst aber nicht die operative Aufgabe. Für Anleger zählt deshalb weniger die Zahl neuer Ankündigungen als deren Umsetzung.
Bestellungen und Umsatz laufen auseinander
Die vor rund zwei Wochen veröffentlichten Zahlen für das dritte Quartal 2026 zeigen das Spannungsfeld: Der Umsatz aus Kundenverträgen sank um 63% auf NOK 112 Millionen.
Besonders ausgeprägt war die Schwäche im alkalischen Geschäft. Damit betrifft die Herausforderung nicht nur das Umsatzniveau des Konzerns, sondern auch die Entwicklung eines einzelnen Geschäftsbereichs. Ein höherer Auftragseingang ist in dieser Lage ein Gegengewicht, aber noch kein Beleg für eine Erholung der Erlöse.
Der Auftragseingang stieg im Berichtsquartal um 339% auf NOK 253 Millionen. Zum Quartalsende umfasste der Auftragsbestand NOK 1.314 Millionen.
Für die Einordnung ist die Unterscheidung entscheidend: Bestellungen zeigen künftiges Geschäftspotenzial, während der ausgewiesene Umsatz bereits realisiertes Geschäft abbildet. Aus dem gestiegenen Auftragseingang allein lässt sich daher keine abgeschlossene Trendwende ableiten. Ebenso wenig beseitigt er die Belastung durch die schwache Umsatzentwicklung.
Im alkalischen Geschäft fielen die Erlöse um 91% auf NOK 23 Millionen. Das EBITDA des Konzerns lag bei NOK -93 Millionen.
Übergangsführung mit operativer Aufgabe
Der vor gut einer Woche angekündigte Wechsel an der Spitze fällt somit in eine Phase schwacher Erlöse und negativer Ergebnisse. Morten Holum wurde zum Nachfolger von Håkon Volldal ernannt. Er soll seine Tätigkeit spätestens am 1. Mai 2027 aufnehmen.
Bis dahin übernimmt CFO Kjell Christian Bjørnsen ab dem 1. November 2026 die Rolle des Interims-CEO. Torbjørn Berg wird Interims-CFO. Damit sieht die Übergangsregelung vorübergehende Besetzungen sowohl an der Unternehmensspitze als auch im Finanzressort vor.
Die Personalentscheidung und die Geschäftsentwicklung sollten Anleger getrennt bewerten. Die Ernennung regelt die künftige Führung. Ob sich das operative Geschäft verbessert, muss sich dagegen in der weiteren Umsatz- und Ergebnisentwicklung zeigen.
Auftrag und Kooperation unterschiedlich gewichten
Zusätzliche Perspektiven liefern die bereits vor gut drei Wochen gemeldeten Vereinbarungen. Nel Hydrogen US erhielt einen Auftrag über rund USD 12 Millionen für mehrere containerisierte PEM-Elektrolyseure und zugehörige Dienstleistungen. Die Lieferung wird für 2027 erwartet.
Anders ist die Absichtserklärung mit Rheinmetall einzuordnen. Beide Unternehmen wollen dezentrale Lösungen zur Herstellung erneuerbarer synthetischer Kraftstoffe prüfen. Nels Elektrolyseurtechnologie soll dabei mit Rheinmetalls Giga-PtX-Konzept verbunden werden.
Der Unterschied ist für die Bewertung wesentlich: Der US-Auftrag ist eine Bestellung, die Zusammenarbeit mit Rheinmetall zunächst eine Prüfung möglicher Lösungen. Nels operative Bewährungsprobe besteht darin, bestätigte Nachfrage in Erlöse zu überführen. Kooperationspläne ersetzen diesen Nachweis nicht.
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