Starke Kursfantasie, schwache Aufträge— bei Nel ASA klaffen Story und Geschäftsentwicklung auseinander. Die Aktie profitiert von Hoffnungen auf Wasserstoff, Energiesicherheit und neue Verteidigungsanwendungen. Der Markt testet nun, wie viel davon schon belastbar ist.
Am Freitag notierte die Aktie bei 0,30 Euro und lag damit 6,35 Prozent im Plus. Zum jüngsten Jahreshoch fehlt nur noch ein Abstand von 4,29 Prozent.
Über einen Monat steht ein Kursgewinn von 42,55 Prozent. Seit Jahresanfang summiert sich das Plus auf 57,28 Prozent.
Neue Märkte, alte Beweislast
Nel schiebt derzeit eine neue Erzählung nach vorn: Wasserstoff nicht nur für Industrie und Mobilität, sondern auch für Energieversorgung, Infrastrukturresilienz und verteidigungsnahe Anwendungen. Chief Commercial Officer Todd Cartwright spricht von wachsendem Interesse über industrielle und infrastrukturelle Anwendungen hinweg, darunter energie- und sicherheitsgetriebene Einsatzfelder.
Das passt in ein Umfeld, in dem dezentrale Energieversorgung politisch wichtiger wird. Flexible Wasserstofflösungen könnten dort punkten, wo lokale Produktion und Versorgungssicherheit zählen. Für Nel wäre das ein zusätzlicher Absatzkanal neben dem klassischen Elektrolyseurgeschäft.
Rückenwind kommt auch aus Brüssel. Die EU will mehr als 1 Milliarde Euro in neun Wasserstoffprojekte lenken. Damit soll der Aufbau von Elektrolysekapazitäten im Europäischen Wirtschaftsraum beschleunigt werden.
Nel industrialisiert parallel seine neue druckalkalische Plattform in Herøya. Die Anlage soll eine Kapazität von bis zu 1 GW pro Jahr erreichen. Unterstützt wird das Projekt durch einen Zuschuss von bis zu 135 Millionen Euro aus dem EU-Innovationsfonds.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Nel ASA?
Analysten bleiben vorsichtig
Die Börse preist bereits viel Hoffnung ein. Die Analystenseite zieht allerdings nicht mit. Berenberg bleibt bei einer neutralen Einschätzung und senkte das Kursziel auf 2,30 norwegische Kronen, Citigroup kürzte auf 2,40 Kronen; der Konsens liegt bei 2,14 Kronen.
Der Grund liegt in den Zahlen. Im ersten Quartal brach der Auftragseingang um 73 Prozent auf 85 Millionen norwegische Kronen ein. Der Auftragsbestand schrumpfte um knapp ein Viertel auf rund 1,1 Milliarden Kronen.
Auch der Umsatz aus Kundenverträgen gab nach und lag bei 148 Millionen Kronen. Der bereinigte operative Verlust verbesserte sich auf minus 100 Millionen Kronen, der Nettoverlust verringerte sich auf 144 Millionen Kronen.
Immerhin verschafft die Bilanz Zeit. Nel hat die Belegschaft vom Hochpunkt aus um 26 Prozent reduziert und verfügt über liquide Mittel von 1,4 Milliarden Kronen. Das Management sieht damit die Finanzierung des laufenden Betriebs bis Ende 2026 abgedeckt.
Juli wird zum Praxistest
Operativ muss Nel nun zeigen, dass aus Gesprächen Aufträge werden. Konzernchef Håkon Volldal verweist auf aktive Verhandlungen mit mehreren potenziellen Kunden in Europa und Nordamerika. Die Projektgrößen liegen nach seinen Angaben zwischen 50 und 150 MW.
Am 15. Juli legt Nel die nächsten Quartalszahlen vor. Dann rückt vor allem der Auftragseingang in den Vordergrund: Steigt er wieder sichtbar, bekommt die neue Sicherheits- und Infrastrukturstory Substanz. Bleibt der Zuwachs aus, wirkt der jüngste Kurssprung zunehmend schwer zu rechtfertigen.
Nel ASA-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Nel ASA-Analyse vom 15. Mai liefert die Antwort:
Die neusten Nel ASA-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Nel ASA-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 15. Mai erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Nel ASA: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
