Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller Nel ASA steckt mitten im Umbau: Ein rückläufiger Umsatz, ein tieferer Verlust und die laufende Suche nach einem neuen Vorstandschef prägen das Bild. Positive Signale kommen dagegen vom Auftragseingang und von einer neuen Elektrolyseur-Generation, die im Frühjahr an den Markt ging.
Umsatz sinkt, Verlust wächst
Am 15. Juli legte Nel Zahlen zum zweiten Quartal 2026 vor, die den Druck auf das Geschäft offenlegten. Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel auf 153 Millionen norwegische Kronen und damit um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Die Gesamterträge summierten sich auf 182 Millionen Kronen, nach 215 Millionen ein Jahr zuvor. Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 189 Millionen Kronen, nach einem Minus von 131 Millionen Kronen im Vorjahresquartal – getrieben von einem operativen Verlust von 205 Millionen Kronen.
Ein Teil der Ergebnisbelastung geht auf einen Einmaleffekt zurück: Eine Vergleichszahlung mit dem japanischen Partner Iwatani in Höhe von 70 Millionen Kronen drückte auf das EBITDA. Rechnet man diesen Posten heraus, blieb das bereinigte EBITDA gegenüber dem Vorjahr stabil.
Deutlich positiver entwickelte sich die Auftragslage. Der Auftragseingang kletterte im zweiten Quartal auf 230 Millionen Kronen, ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Auftragsbestand wuchs zum Quartalsende auf 1.213 Millionen Kronen, ein Zuwachs von 9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Die Kassenposition lag bei 1.328 Millionen Kronen – ein Puffer, der dem Unternehmen in der laufenden Übergangsphase Spielraum verschafft.
Führungswechsel an der Spitze läuft
Bereits am 15. Juni hatte Nel mitgeteilt, dass Håkon Volldal sein Amt als President & Chief Executive Officer aufgibt, um sich einer anderen beruflichen Aufgabe außerhalb des Wasserstoffgeschäfts zu widmen. Volldal hat eine sechsmonatige Kündigungsfrist und bleibt bis zum Antritt eines Nachfolgers im Amt. Der Verwaltungsrat hat den Rekrutierungsprozess für eine neue Führungsspitze eingeleitet und betont, dass sich an der strategischen Ausrichtung und den Prioritäten des Unternehmens nichts ändere. Für Anleger bleibt der Führungswechsel dennoch ein Unsicherheitsfaktor, solange kein Nachfolger feststeht.
Neue Technologie und Partnerschaft mit Reliance
Technologisch setzt Nel auf eine neue Generation seiner druckbeaufschlagten alkalischen Elektrolyseure. Die Plattform wurde am 6. Mai gemeinsam mit wichtigen Partnern und Kunden kommerziell eingeführt. Erste Testergebnisse fielen laut Unternehmensangaben ermutigend aus. Das Management verweist darauf, dass die neue Plattform den Flächenbedarf um 80 Prozent und die Investitionskosten um 40 bis 60 Prozent senkt. Erste Bestellungen werden in den kommenden Monaten erwartet.
Parallel dazu treibt Nel seine strategische Zusammenarbeit mit Reliance in Indien voran. Reliance Industries baut in Jamnagar eine eigene Elektrolyseur-Gigafabrik im Rahmen einer Technologielizenz mit Nel – ein Projekt, das dem norwegischen Unternehmen zusätzliche Reichweite auf dem indischen Markt verschaffen soll, ohne dass Nel selbst Betreiber der Anlage ist.
Kursbild bleibt angeschlagen
An der Börse spiegelt sich die durchwachsene Nachrichtenlage in einem gedämpften Kursverlauf wider. Die Aktie schloss zuletzt bei 0,1962 Euro und liegt damit rund 46,32 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 0,3655 Euro, das im Mai markiert wurde. Auf Sicht von 30 Tagen verlor das Papier 5,45 Prozent, was den anhaltend schwachen Trend seit den Quartalszahlen unterstreicht. Die nächsten konkreten Impulse dürften von der Berichtssaison ausgehen: Nel hat den nächsten Quartalsbericht für den 21. Oktober 2026 angekündigt, bis dahin bleibt die Personalie an der Unternehmensspitze das zentrale offene Thema für Anleger.
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