Vom 52-Wochen-Hoch auf ein Sechs-Wochen-Tief — in nur zwei Wochen. Nel ASA hat in sieben Handelstagen rund 26 Prozent verloren. Der norwegische Elektrolyseur-Hersteller notiert nach dem Freitagseinbruch von fast 13 Prozent bei 0,26 Euro.
Das ist ernüchternd, wenn man bedenkt, was den Kurs noch am 25. Mai auf 0,37 Euro getrieben hatte: Nel stellte auf dem World Hydrogen Summit in Rotterdam seine neue pressurized-alkaline-Plattform CompassH2-A+ vor. Das System soll deutlich niedrigere Investitionskosten pro Megawatt bieten. Das Ziel: 500 MW installierte Produktionskapazität bis Ende 2026. Der Markt reagierte euphorisch — und korrigiert seitdem.
Schwache Auftragslage belastet
Hinter der Kurskorrektur steckt mehr als Gewinnmitnahmen. Die Fundamentaldaten aus dem ersten Quartal 2026 sind durchwachsen. Der Auftragseingang brach um 73 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal ein und lag bei nur 85 Millionen Norwegischen Kronen. Der Auftragsbestand schrumpfte auf 1,1 Milliarden Kronen — ein Rückgang von 24 Prozent gegenüber Q1 2025.
Die Umsätze sanken auf 152 Millionen Kronen, das EBITDA blieb mit minus 100 Millionen Kronen tief im Minus. Immerhin: Das Nettominus verbesserte sich von minus 179 auf minus 144 Millionen Kronen.
Nel hat im zweiten Quartal bereits einen Auftrag über rund 70 Millionen Kronen gebucht. Im April kam eine PEM-Bestellung über 7 Millionen Dollar hinzu. CEO Håkon Volldal zeigte sich auf dem Q1-Call zuversichtlich: „Die Dynamik im PEM-Bereich hält an — wir haben einen guten Auftrag im zweiten Quartal unterzeichnet und erwarten noch ein paar weitere bis zum Halbjahresende.“
Samsung und EU-Förderung als Rückhalt
Nel ist nicht allein. Samsung E&A, der südkoreanische Ingenieurskonzern, hält eine bedeutende Beteiligung und sitzt im Aufsichtsrat. Die Allianz geht über eine reine Produktkooperation hinaus.
Nel schloss das erste Quartal mit einer Kassenposition von 1,4 Milliarden Kronen ab. Eine EU-Förderung von 11 Millionen Euro für die Industrialisierung der pressurized-alkaline-Technologie soll im zweiten Quartal eingehen. Wasserstoff-ETFs stützen die Aktie strukturell: Der Global X Hydrogen ETF hält Nel mit rund 5 Prozent Portfoliogewicht, sein europäisches Pendant mit nahezu identischer Gewichtung. Beide Fonds zusammen halten mehr als 30 Millionen Nel-Aktien.
Der RSI liegt bei 40,5 — die Aktie nähert sich überverkauftem Terrain, hat es aber noch nicht erreicht. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von rund 105 Prozent zeigt, wie heftig die Ausschläge in beide Richtungen ausfallen können.
Der 15. Juli entscheidet
Am 15. Juli veröffentlicht Nel seinen Halbjahresbericht. Dann wird sich zeigen, ob die CompassH2-A+-Plattform echte Aufträge anzieht — oder ob der Kursanstieg im Mai eine reine Produktankündigung ohne Substanz war. Volldals Versprechen steht: Wer die H1-Zahlen liest, wird wissen, ob die Erholung 2026 auf einem soliden Fundament steht.
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