Starke Technologiegeschichte, schwaches Orderbuch: Bei Nel ASA prallen gerade zwei Realitäten aufeinander. Die neue Plattform mit Samsung E&A soll Wasserstoffprojekte bankfähiger machen. An der Börse reichte das nach dem jüngsten Höhenflug nicht mehr aus.
Die Aktie schloss am Freitag bei 0,26 Euro und verlor 12,79 Prozent. Auf Wochensicht summiert sich das Minus auf 26,00 Prozent. Nur wenige Tage zuvor hatte der Kurs noch ein neues Jahreshoch markiert.
Trotz des Rückschlags bleibt seit Jahresanfang ein Plus von 35,11 Prozent. Der Kurs liegt außerdem 22,50 Prozent über der 200-Tage-Linie. Das zeigt: Die Korrektur trifft auf eine Aktie, die zuvor stark vorgelaufen war.
Samsung liefert den starken Teil der Story
Der wichtigste operative Impuls kommt aus Rotterdam. Nel und Samsung E&A stellten auf dem World Hydrogen Summit CompassH2-A+ vor, eine industrielle Lösung für druckbasierte alkalische Elektrolyse.
Das System ist auf 100 Megawatt ausgelegt und nutzt containerisierte Stack-Module mit 25 Megawatt. Der Wasserstoff entsteht mit 15 barg; die Anlagenfläche soll gegenüber Alternativen am Markt um 50 Prozent sinken.
Für Projektentwickler ist neben der Technik die Garantie-Struktur zentral. Samsung E&A bündelt Elektrolyseur-Stacks, Nebenanlagen und Utilities unter einer Leistungszusage mit einem einzigen Vertragspartner. Das adressiert ein altes Problem der Branche: Zersplitterte Garantien erschweren Finanzierungen.
Ein langfristiger Servicevertrag soll Betrieb, planmäßigen Stack-Tausch und Echtzeitüberwachung abdecken. Die vorgeplante Plattform kann außerdem die Phase vor der finalen Investitionsentscheidung verkürzen, weil frühe Engineering-Arbeiten wegfallen.
Die Partnerschaft ist eng. Samsung E&A hält 9,1 Prozent an Nel und ist damit der größte Einzelaktionär. Der südkoreanische Engineering-Konzern sitzt inzwischen auch im Aufsichtsrat.
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Orderbuch bremst die Euphorie
Die Börse reagiert dennoch empfindlich, weil der kommerzielle Beweis fehlt. Im ersten Quartal lag der Auftragseingang bei 85 Millionen norwegischen Kronen, ein Rückgang um 73 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragsbestand sank auf 1,113 Milliarden Kronen und damit um 24 Prozent.
Das Management räumt ein, dass der aktuelle Bestand nicht ausreicht, um die Fabrik im Jahr 2027 ordentlich auszulasten. Das ist der wunde Punkt in der Investmentstory. Nel hat eine bessere Plattform, einen finanzstarken Partner und Referenzprojekte — was fehlt, sind ausreichend große Bestellungen.
Der Umsatz aus Kundenverträgen fiel im ersten Quartal um 5 Prozent auf 148 Millionen Kronen. Das gesamte Umsatz- und Ertragsvolumen lag bei 152 Millionen Kronen. Das EBITDA betrug minus 100 Millionen Kronen, immerhin eine Verbesserung um 15 Millionen Kronen zum Vorjahr.
Es gibt auch operative Lichtblicke. Im März nahm Nel in Korea eine netzunabhängige Anlage für grünen Wasserstoff in Betrieb, die als Referenz für die alkalische Plattform dienen kann. Kurz darauf kam ein Folgeauftrag über 7 Millionen US-Dollar für containerisierte PEM-Einheiten hinzu; für das laufende Quartal ist bereits ein Auftrag von rund 70 Millionen Kronen verbucht.
Finanziell hat Nel Zeit. Zum Quartalsende standen rund 1,4 Milliarden Kronen an liquiden Mitteln in der Bilanz.
ETF-Nachfrage und Juli-Termin
Zwei Wasserstoff-ETFs von Global X halten zusammen mehr als 30 Millionen Nel-Aktien. Der US-Fonds gewichtete Nel am 29. Mai mit 5,12 Prozent. Das europäische Pendant lag nahezu gleichauf bei 5,13 Prozent.
Das ist keine Garantie gegen weitere Verluste. Thematische Fonds schaffen aber eine strukturelle Nachfrage, die weniger stark von einzelnen Unternehmensmeldungen abhängt.
Der nächste harte Test kommt am 15. Juli 2026 mit dem Halbjahresbericht. Ab Anfang Juli beginnt die zweiwöchige Blackout-Phase, dann dürfte das Management kommunikativ leiser werden. Bis dahin bleibt der Konflikt klar: CompassH2-A+ verbessert die Bankability der Projekte, das Orderbuch muss nachziehen. Kommen aus der Samsung-Plattform konkrete Kaufaufträge, gewinnt die Rally ein Fundament; bleibt der Auftragseingang schwach, wirkt der jüngste Ausverkauf weniger wie eine Überreaktion als wie eine Neubewertung der Erwartungen.
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