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Nel ASA Aktie: 70-Millionen-Vergleich mit Iwatani drückt Q2

Nel ASA verzeichnet einen Auftragsboom von 224 Prozent, leidet aber unter Verlusten durch einen Rechtsvergleich und schrumpfende Umsätze.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Auftragseingang steigt um 224 Prozent
  • EBITDA durch Iwatani-Vergleich belastet
  • Neue Alkali-Technologie als Hoffnungsträger
  • Aktie testet wichtige 0,20-Euro-Marke

Ein Auftragsplus von 224 Prozent trifft auf einen Aktienkurs nahe des 52-Wochen-Tiefs. Bei Nel ASA klafft die operative Realität gerade weit auseinander vom Bild an der Börse. Der norwegische Wasserstoff-Spezialist zeigt in seinen jüngsten Quartalszahlen genau dieses Spannungsfeld: explodierende Bestellungen, aber ein negatives EBITDA und schrumpfende Umsätze.

Die Nel-Aktie notiert aktuell bei 0,2010 Euro und verliert am Donnerstag weitere 0,99 Prozent. Damit liegt der Titel 19,05 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 0,2483 Euro. Vom 52-Wochen-Hoch aus dem Mai bei 0,3655 Euro trennen die Aktie mittlerweile 45 Prozent.

Der Iwatani-Vergleich drückt aufs Ergebnis

Ein wesentlicher Belastungsfaktor im zweiten Quartal 2026 war die juristische Einigung mit der Iwatani Corporation of America. Der Streit drehte sich um Wasserstoff-Tankausrüstung in den USA und beschäftigte Nel bereits seit Anfang 2024. Die Einigung kostete das Unternehmen rund 70 Millionen Norwegische Kronen, umgerechnet etwa 6,44 Millionen Euro.

Das drückte das Quartals-EBITDA auf minus 155 Millionen Kronen. Ohne die Einmalzahlung wäre der Verlust deutlich kleiner ausgefallen. Der Vergleich beseitigt allerdings ein Rechtsrisiko, das lange über dem Unternehmen schwebte.

Auftragsboom in der PEM-Sparte

Während die Bilanz belastet blieb, lief das operative Neugeschäft überraschend gut. Nel meldete einen Auftragseingang von 230 Millionen Kronen im zweiten Quartal. Das entspricht einem Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Fast das gesamte Wachstum kam aus einer einzigen Sparte. Rund 96 Prozent der neuen Aufträge entfielen auf die PEM-Technologie (Proton Exchange Membrane). Der Quartalsumsatz sank dagegen um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen.

Das Management erklärt den Rückgang mit dem Timing der Projektauslieferungen, besonders im PEM-Segment. Aufträge kommen herein, Rechnungen gehen aber erst später raus. Genau diese Verzögerung zwischen Bestellung und Umsatzrealisierung sorgt für Unsicherheit am Markt.

Neue Technologie als Hoffnungsträger

Um den Weg zur Profitabilität zu verkürzen, setzt Nel verstärkt auf eine neue Plattform: die druckbeaufschlagte Alkali-Elektrolyse. Laut Unternehmensangaben senkt diese Technik die Investitionskosten für Wasserstoffproduktion um 40 bis 60 Prozent gegenüber älteren Systemen. Der Platzbedarf der Anlagen schrumpft dabei um 80 Prozent.

Die Europäische Union unterstützt den Technologiewechsel mit 135 Millionen Euro Fördergeld für die neuen „PA-Series“-Produktionslinien. Das Management nennt konkrete Bedingungen für den Break-even: Die Alkali-Kapazität muss auf mehrere hundert Megawatt jährlich wachsen. Parallel braucht die PEM-Sparte eine Auslastung von mindestens 20 bis 24 Prozent.

Charttechnik am Widerstand 0,20 Euro

Aktuell testet die Aktie die psychologisch wichtige Marke von 0,20 Euro. Der 14-Tage-RSI liegt bei 38,9 – nahe der überverkauften Zone, aber noch nicht dort, wo Kursanalysten typischerweise eine technische Gegenbewegung erwarten.

Mit einer Kassenposition von 1.328 Millionen Kronen verfügt Nel über einen Liquiditätspuffer für die laufende Expansion. Die Marktvorsicht bleibt trotzdem bestehen. Ein Grund dafür ist der angekündigte Rücktritt von CEO Håkon Volldal, dessen Nachfolge noch offen ist.

Die kommenden Quartale werden zeigen, ob sich der Auftragsboom in der PEM-Sparte tatsächlich in Umsatz übersetzen lässt. Bis dahin bleibt die Diskrepanz zwischen operativem Wachstum und Kursentwicklung das prägende Thema für Nel-Aktionäre.

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Diskussion zu Nel ASA

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.