Nel ASA sucht einen neuen Chef. Zeitgleich rücken große Energiekonzerne von grünem Wasserstoff ab. Für den norwegischen Elektrolyseur-Spezialisten ist das eine unbequeme Kombination.
Die Aktie notiert bei 0,1962 Euro und damit rund 46 Prozent unter ihrem Jahreshoch von 0,3655 Euro aus dem Mai. Der Rückgang zeigt, wie stark sich die Stimmung für Wasserstoff-Werte innerhalb weniger Monate gedreht hat. Gleichzeitig liegt der Kurs noch über dem Jahrestief von 0,1731 Euro aus dem Februar — ein Hinweis darauf, dass sich der Abverkauf zuletzt verlangsamt hat.
Der Sektor macht eine Kehrtwende
Große Energiekonzerne bauen ihre Wasserstoff-Ambitionen zurück. Berichten zufolge hat etwa BP zuletzt mehrere Projekte im Bereich grüner Wasserstoff gestrichen oder verschoben. Der Konzern konzentriert sich wieder stärker auf sein Kerngeschäft.
Für reine Technologieanbieter wie Nel ist das ein Warnsignal. Ihr Geschäftsmodell hängt direkt davon ab, dass Energieversorger und Industriekunden in Elektrolyseure investieren. Ziehen sich die großen Player zurück, schrumpft die Nachfragebasis für die gesamte Branche.
Nel sucht einen Nachfolger
Håkon Volldal trat im Juni von seinem Posten als CEO zurück. Seitdem führt der Vorstand das Unternehmen kommissarisch und sucht parallel nach einem Nachfolger. Bis eine neue Führungskraft feststeht, arbeitet Nel nach der bestehenden Strategie weiter.
Diese Strategie ist inzwischen klar fokussiert. Nach der Abspaltung der Betankungssparte konzentriert sich Nel ausschließlich auf Elektrolyseur-Technologie. Das Unternehmen will die Fertigungskapazität bis Ende 2026 auf 500 Megawatt steigern und 2027 den Sprung Richtung Gigawatt-Skala schaffen.
Kapitalpuffer soll Zeit verschaffen
Um diese Ausbaupläne zu finanzieren, braucht Nel Liquidität. Das Unternehmen weist laut den jüngsten Finanzberichten eine Kassenposition von 1,328 Milliarden norwegischen Kronen aus. Dieser Puffer soll die Forschungsarbeit und den Produktionshochlauf absichern, während der Wasserstoff-Sektor insgesamt an Schwung verliert.
Die Kombination aus fehlendem CEO und schwächelnder Branchennachfrage bleibt für Anleger die zentrale Unsicherheit. Bis der Vorstand einen Nachfolger für Volldal präsentiert, dürfte die Aktie in erster Linie von der Entwicklung des gesamten Wasserstoff-Sektors abhängen — und weniger von unternehmenseigenen Impulsen.
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