Nel ASA legte am Dienstag im Tradegate-Handel zeitweise um rund drei Prozent zu. Der Anstieg fällt in eine Phase, in der Anleger zunehmend danach fragen, was den kräftigen Auftragsschub aus dem zweiten Quartal tatsächlich trägt.
Vor rund einem Monat hatte der Wasserstoff-Spezialist Zahlen vorgelegt und den Wechsel an der Unternehmensspitze bekanntgegeben. Seither hat sich die Aktie um 2,5 Prozent verbessert. Wer aber genauer hinschaut, findet die eigentliche Erklärung für die Kursbewegung nicht im Rückblick auf das Quartal, sondern in einer Produktentscheidung, die bereits im Mai fiel und deren Wirkung sich erst jetzt in den Auftragsbüchern zeigt.
Die druckbeaufschlagte Alkaline-Serie als Treiber
Im Mai brachte Nel eine druckbeaufschlagte Alkaline-Elektrolyseur-Serie auf den Markt. Medienberichten zufolge lässt sich der starke Zuwachs beim Auftragseingang im zweiten Quartal zumindest teilweise auf diesen Produktstart zurückführen.
Der Auftragseingang war im Zuge der Quartalszahlen auf 230 Millionen norwegische Kronen gesprungen, ein Plus von 224 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hinzu kamen PEM-Aufträge in Höhe von 221 Millionen Kronen.
Diese Kombination aus zwei Technologielinien – der klassischen Alkaline-Technik in neuer, druckbeaufschlagter Ausführung und der PEM-Elektrolyse – verschafft Nel offenbar eine breitere Angebotspalette, mit der sich unterschiedliche Kundenprojekte adressieren lassen.
Für ein Unternehmen, dessen Umsatz aus Kundenverträgen im selben Quartal um 12 Prozent auf 153 Millionen Kronen zurückging, ist ein solcher Auftragsschub ein wichtiges Signal: Die Auftragslage entwickelt sich deutlich positiver als der laufende Umsatz.
Verlust bleibt hoch, Markt reagiert verhalten optimistisch
Der Nettoverlust lag im zweiten Quartal bei 189 Millionen Kronen, nach 131 Millionen Kronen im Vorjahresquartal. Die Diskrepanz zwischen steigenden Aufträgen und wachsendem Verlust zeigt, dass Nel derzeit stärker in Kapazität und Markteinführung investiert, als es über laufende Umsätze wieder einspielt. Das ist bei einem Unternehmen in dieser Wachstumsphase nicht ungewöhnlich, bleibt aber ein Risiko, falls sich die neuen Aufträge nicht zügig in Umsatz übersetzen.
Der jüngste Kursanstieg am Dienstag wirkt vor diesem Hintergrund wie ein vorsichtiges Signal, dass der Markt der neuen Produktlinie und dem daraus resultierenden Auftragswachstum mehr Gewicht gibt als dem enttäuschenden Umsatzrückgang. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt derzeit bei rund 361,56 Millionen Euro – ein Wert, der die Skepsis vieler Investoren gegenüber der Wasserstoffbranche insgesamt widerspiegelt.
Führungswechsel als weiterer Unsicherheitsfaktor
Zur bereits bekannten Nachrichtenlage gehört auch, dass CEO Håkon Volldal das Unternehmen verlässt und zu Elopak wechselt. Dieser Wechsel fällt in eine Phase, in der Nel gerade eine neue Produktlinie einführt und versucht, den Auftragsschub in nachhaltiges Wachstum zu verwandeln.
Für Anleger bleibt entscheidend, ob die neue Führung den mit der Alkaline-Serie eingeschlagenen Kurs fortsetzt und ob sich die PEM- und Alkaline-Aufträge tatsächlich in steigende Umsätze übersetzen lassen. Die kommenden Quartale werden zeigen, ob der Auftragssprung vom zweiten Quartal ein einmaliger Effekt war oder der Beginn eines stabileren Wachstumspfads.
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