Der Rechtsstreit ist beigelegt. Die Aktie fällt trotzdem. Bei Nel ASA klafft gerade eine auffällige Lücke zwischen juristischer Entlastung und Kursreaktion.
Am Donnerstag verliert die Aktie des norwegischen Elektrolyseur-Herstellers weitere 2,05 Prozent auf 0,24 Euro. Das ist der nächste Rückschlag in einer Serie: Über sieben Tage summiert sich das Minus auf fast 20 Prozent.
Einigung ohne Kurswirkung
Anfang der Woche hatte Nel ASA eine Einigung im Streit mit Iwatani Corporation of America bekanntgegeben. Gemeinsam mit Cavendish Hydrogen löste das Unternehmen einen Rechtsstreit rund um Wasserstoff-Tankstellen in Kalifornien. Nel zahlt 7,5 Millionen US-Dollar. Dafür entfallen weitere Prozesskosten und das US-Klagerisiko.
Das klingt nach einer Entlastung. Der Markt sieht das anders. Die Aktie notiert mit 0,24 Euro rund 34 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch vom Mai. Außerdem hat sie den 50-Tage-Durchschnitt von 0,26 Euro nach unten durchbrochen — ein technisches Warnsignal.
Schwacher Auftragseingang belastet
Das eigentliche Problem liegt tiefer. Im ersten Quartal 2026 meldete Nel ASA einen Umsatz von 148 Millionen Norwegischen Kronen — fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Der Auftragseingang lag bei 85 Millionen Kronen. Das Management selbst bezeichnete das als „eher ruhig“.
Der Auftragsbestand von rund 1,1 Milliarden Kronen gibt zwar eine gewisse Grundlage. Aber die Wasserstoffbranche lebt von neuen Industrieaufträgen. Solange die ausbleiben, bleibt die Aktie unter Druck — unabhängig von juristischen Fortschritten.
Nel hat im Mai eine neue Plattform für druckbasierte alkalische Elektrolyseure vorgestellt. Für eine 25-MW-Anlage nennt das Unternehmen einen Richtwert von unter 1.450 US-Dollar pro Kilowatt. Ob das neue Aufträge anzieht, ist offen.
Zerrissenes Chartbild
Langfristig sieht die Bilanz weniger düster aus. Seit Jahresbeginn liegt die Aktie noch 25 Prozent im Plus. Über zwölf Monate steht ein Plus von rund acht Prozent. Das zeigt: Der kurzfristige Verkaufsdruck überlagert gerade eine im Jahresvergleich solide Entwicklung.
Mit einem RSI von 37,9 nähert sich die Aktie dem überverkauften Bereich. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei knapp 97 Prozent. Nel ASA reagiert damit extrem sensibel auf Sektornachrichten. Konkrete Auftragsmeldungen — etwa aus dem PEM-Bereich, wo nach dem Quartal ein Kaufauftrag über sieben Millionen US-Dollar unterzeichnet wurde — könnten die Stimmung schnell drehen. Fehlen sie, bleibt der Abwärtsdruck bestehen.
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