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Nebius im Sturzflug, FS KKR Capital mit starkem Comeback

KI-Infrastrukturwerte und Beteiligungsfonds zeigen extreme Kursausschläge. Während Nebius verliert, feiert FS KKR Capital ein starkes Tagesplus.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nebius verliert nach Rekordjagd deutlich
  • FS KKR Capital mit starkem Comeback
  • SoftBank Gewinn bricht trotz Umsatzplus ein
  • 3i Group profitiert von Action-Wachstum

Fünf Namen, fünf völlig unterschiedliche Geschichten: Diese Woche zeigt, wie weit die Handelsspannen zwischen wachstumsstarken Tech-Wetten und etablierten Beteiligungsvehikeln auseinanderklaffen können. Während ein KI-Infrastrukturanbieter herbe Verluste hinnehmen musste, feierte ein US-Kreditfonds sein bislang bestes Tagesplus seit Monaten. Dazwischen kämpfen ein Optik-Spezialist, ein japanischer Tech-Investor und eine britische Beteiligungsgesellschaft mit ganz eigenen Herausforderungen.

Nebius: Der Absturz nach der Rekordjagd

Kaum eine Aktie hat Anleger im Sektor zuletzt so durchgeschüttelt wie Nebius. Gestern ging es um 12,98 Prozent nach unten, der Schlusskurs landete bei 165,02 Euro. Der Rückgang reiht sich in eine ohnehin nervöse Sommerphase ein, in der das Papier bereits mehrfach zwischen Rally und Korrektur hin- und hergerissen wurde.

Auslöser waren Spekulationen rund um die Expansionspläne des Unternehmens im Bereich Rechenzentren. Trotz des Rücksetzers bleibt Nebius ein Ausnahmefall im Sektor: Seit Jahresbeginn steht noch immer ein Plus von 124,52 Prozent zu Buche, auch wenn der Kurs mittlerweile spürbar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 196,36 Euro notiert.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 261,00 Euro, das erst im Juni erreicht wurde, trennen die Aktie inzwischen 36,77 Prozent. Anleger richten den Blick nun nach vorn: Am 12. August legt Nebius die Zahlen zum zweiten Quartal vor. Analysten rechnen mit Umsätzen von rund 578 Millionen US-Dollar, während die Jahresprognose weiterhin bei 3,0 bis 3,4 Milliarden US-Dollar liegt.

Fundamental spricht einiges für das Unternehmen. Großabnehmer wie Meta und Microsoft sowie eine milliardenschwere Beteiligung von Nvidia stützen die Wachstumsstory. Analysten bleiben trotz der jüngsten Talfahrt mehrheitlich zuversichtlich, die Kursziele reichen von 120 bis 410 US-Dollar.

POET Technologies: Erste Anzeichen einer Stabilisierung

Nach Monaten heftiger Kursverluste zeigt POET Technologies zumindest kurzfristig Lebenszeichen. Gestern ging es um 4,71 Prozent nach oben auf 7,34 Euro, auf Wochensicht steht sogar ein Plus von 21,12 Prozent zu Buche. Der RSI von 50,9 deutet auf eine ausgeglichene Marktlage hin, weder überkauft noch überverkauft.

Die vorangegangene Talfahrt hatte handfeste Gründe. Eine Sammelklage wirft dem Unternehmen fragwürdige Steuerangaben und eine Verletzung von Vertraulichkeitsvereinbarungen vor – Vorwürfe, die offenbar dazu führten, dass die Celestial-AI-Sparte von Marvell sämtliche Bestellungen stornierte. Vom Zwischenhoch aus verlor die Aktie in der Spitze rund 60 Prozent, obwohl POET zwischenzeitlich mehrere hundert Millionen Dollar frisches Kapital einsammelte und den geplanten Produktionshochlauf für die zweite Jahreshälfte bestätigte.

Das Management verschiebt die Erzählung mittlerweile von reiner Technologievalidierung hin zur industriellen Fertigung. Neue Vereinbarungen, darunter ein Abkommen zu externen Lichtquellen sowie mehr als zehn aktive Kundengespräche, sollen die Umsatzbasis verbreitern. Finanziell steht das Unternehmen aber noch ganz am Anfang der Kommerzialisierung, die Verluste nahmen zuletzt weiter zu. Der nächste Quartalsbericht ist offiziell noch nicht terminiert, Schätzungen gehen von Mitte bis Ende August aus.

SoftBank Group: Gute Story, schwacher Gewinn

SoftBank lieferte diese Woche ein Ergebnis, das Anleger zwiespältig aufnahmen. Der Quartalsgewinn brach um 18 Prozent ein und lag bei umgerechnet rund 2,2 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig legte der Umsatz um knapp 11 Prozent zu – höhere Kosten fraßen die operativen Fortschritte allerdings auf.

Finanzvorstand Yoshimitsu Goto zeigte sich dennoch zuversichtlich. Das Geschäft mit Arm laufe gut, zudem habe SoftBank weitere 20 Milliarden Dollar in OpenAI investiert, mit Aussicht auf zusätzliches Kapital im laufenden Geschäftsjahr. Die PayPay-Sparte belastete das Ergebnis dagegen spürbar und lieferte nur noch einen Bruchteil des Vorjahresgewinns.

Der Markt reagierte verschnupft. Die Aktie schloss in Tokio klar leichter, gestern gab sie hierzulande weitere 2,05 Prozent auf 31,00 Euro nach. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 12,73 Prozent zu Buche – ein Zeichen dafür, wie stark die Kursausschläge bei SoftBank aktuell ausfallen. Solange unklar bleibt, wann die milliardenschweren KI-Wetten tatsächlich Gewinne abwerfen, dürfte die Aktie volatil bleiben.

3i Group: Rückenwind durch Action

Während andere Namen aus dem Beteiligungssegment kämpfen, hat sich 3i Group zuletzt technisch gefangen. Die Aktie kletterte wieder über eine wichtige Trendlinie, gestern schloss sie bei 33,50 Euro, ein Minus von 1,82 Prozent auf Tagessicht. Auf Monatssicht steht dagegen ein Plus von 8,38 Prozent.

Treiber der Erholung ist die niederländische Discounter-Kette Action, mit Abstand die größte Position im Portfolio. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 lieferte Action ein zweistelliges Umsatz- und Ergebniswachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Substanzwert je Aktie stieg im gleichen Zeitraum spürbar an.

Kapitalrückflüsse bleiben ein wichtiger Baustein der Equity-Story: 3i treibt ein milliardenschweres Rückkaufprogramm voran und hat bereits einen erheblichen Teil davon umgesetzt. Langfristig bleibt die Aktie dennoch angeschlagen. Über zwölf Monate steht ein Minus von 29,03 Prozent zu Buche, und der Titel notiert weiterhin deutlich unter seinem 52-Wochen-Hoch von 52,00 Euro. Analysten bleiben trotzdem mehrheitlich bei „Kaufen“-Einstufungen.

FS KKR Capital: Ausschüttung hält, Kurs springt an

Kaum ein Name aus diesem Umfeld legte zuletzt eine derart kräftige Erholung hin wie FS KKR Capital. Gestern schoss die Aktie um 8,01 Prozent auf 10,31 Euro nach oben, auf Wochensicht summiert sich das Plus auf 12,43 Prozent. Der RSI von 63,9 signalisiert bereits eine gewisse Kaufdynamik.

Operativ zeigte das zweite Quartal ein gemischtes Bild. Die gesamten Kapitalerträge sanken gegenüber dem Vorjahr, während sich der GAAP-Verlust je Aktie deutlich verringerte. Realisierten und unrealisierten Verlusten zum Trotz sank der Substanzwert je Aktie nur moderat auf 18,30 US-Dollar.

Der Verwaltungsrat hielt an der Ausschüttungspolitik fest und bestätigte eine Quartalsdividende von 0,44 US-Dollar je Aktie – ein Cent über dem bereinigten Ergebnis je Aktie. Möglich wurde das auch durch einen teilweisen Verzicht auf Erfolgsgebühren. Parallel dazu treibt das Unternehmen gemeinsam mit Sponsor KKR mehrere Kapitalmaßnahmen voran, darunter ein Rückkaufprogramm, aus dem bereits Aktien unterhalb des ausgewiesenen Substanzwerts zurückgekauft wurden. Bei einer annualisierten Dividendenrendite von 21,19 Prozent bleibt das Papier für einkommensorientierte Anleger interessant.

Sektordynamik im Überblick

Die fünf Aktien stehen exemplarisch für zwei unterschiedliche Anlagestile:

  • Hochvolatile Wachstumswetten: Nebius und POET Technologies reagieren extrem sensibel auf einzelne Nachrichten – bei Nebius sind es Finanzierungs- und Infrastrukturfragen, bei POET Rechtsstreitigkeiten und Kundenkonzentration.
  • Große Plattform-Investoren: SoftBank operiert in einer ähnlichen Volatilitätsklasse, allerdings in deutlich größerem Maßstab über den Vision Fund.
  • Substanzorientierte Beteiligungsvehikel: 3i Group hängt am Erfolg von Action, während FS KKR Capital stärker von Kreditqualität, Verschuldungsgrad und der Nachhaltigkeit der Ausschüttung abhängt.

Wer zwischen diesen Titeln wechselt, entscheidet sich im Kern zwischen spekulativer KI-Infrastruktur-Exposition und stabileren, einkommensorientierten Strategien.

Entscheidende Wochen für alle fünf Titel

Mehrere konkrete Termine dürften die kommenden Tage prägen. Nebius muss am 12. August mit belastbaren Zahlen die hohen Infrastrukturausgaben rechtfertigen. Bei POET Technologies ist der genaue Berichtstermin noch offen, Schätzungen kreisen um Mitte bis Ende August – ein Termin, der über die Frage entscheiden dürfte, ob sich die jüngste Stabilisierung fortsetzt.

Bei SoftBank richtet sich der Blick auf weitere Bewegungen rund um OpenAI und Arm, während 3i Group vom Umsatzmomentum bei Action im zweiten Halbjahr abhängt. FS KKR Capital wiederum muss zeigen, ob Rückkäufe und die Ausgabe von Vorzugsaktien den Substanzwert stabilisieren können, bevor die nächsten Quartalszahlen anstehen. Die Bandbreite der Themen macht deutlich: Der Sektor bleibt ein Sammelbecken sehr unterschiedlicher Risikoprofile.

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Diskussion zu Nebius

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

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