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Nebius explodiert, POET landet Großauftrag — Hypoport und PBB liefern leise

Nebius übertrifft mit 684% Umsatzwachstum alle Erwartungen, während POET einen Milliardenauftrag erhält. Hypoport und PBB zeigen stabile Fortschritte, SoftBank glänzt dank OpenAI.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Nebius mit 684% Umsatzsprung
  • POET sichert sich 500-Millionen-Dollar-Auftrag
  • SoftBank-Gewinn hängt an OpenAI
  • Hypoport steigert EBIT um 40%

Fünf Aktien, fünf völlig unterschiedliche Geschwindigkeiten: Während Nebius mit einem Umsatzsprung von 684 % die KI-Infrastruktur-Euphorie befeuert und POET Technologies den größten Auftrag der Firmengeschichte vermeldet, zeigen Hypoport und die Deutsche Pfandbriefbank, dass auch abseits des Hypes solide Fortschritte möglich sind. SoftBank wiederum sitzt auf einem 46-Milliarden-Dollar-Papiergewinn — und einem beunruhigenden Klumpenrisiko.

Nebius: 684 % Umsatzwachstum und eine milliardenschwere Wette auf die Cloud

Der Neocloud-Anbieter Nebius hat mit seinen Quartalszahlen sämtliche Erwartungen pulverisiert. Der Umsatz kletterte auf 399 Millionen Dollar — ein Plus von 684 % gegenüber dem Vorjahr. Das KI-Geschäft allein wuchs sogar um 841 %. Wall Street hatte mit 375 Millionen Dollar Erlösen gerechnet und lag deutlich daneben.

Das bereinigte EBITDA drehte von minus 54 Millionen auf plus 130 Millionen Dollar. Noch vor einem Jahr schrieb Nebius operative Verluste. Die jährlich wiederkehrenden Umsätze (ARR) erreichten Ende März 1,92 Milliarden Dollar, nach 1,25 Milliarden im Dezember 2025.

Für den weiteren Ausbau hat das Unternehmen einen neuen Standort in Pennsylvania gesichert, der bis zu 1,2 Gigawatt Strom liefern kann. Insgesamt will Nebius die Kapazität bis Jahresende auf über 4 Gigawatt ausbauen. Das Investitionsprogramm für 2026 liegt bei 16 bis 20 Milliarden Dollar — eine gewaltige Summe für ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von rund 52 Milliarden Dollar.

Die Analystengemeinde reagierte überwiegend positiv:

  • DA Davidson hob das Kursziel von 200 auf 250 Dollar an
  • Citizens erhöhte auf 270 Dollar, zuvor 175 Dollar
  • Goldman Sachs bestätigte das Kaufen-Rating bei einem Kursziel von 205 Dollar

Einzig Freedom Capital hatte bereits im April von „Strong Buy“ auf „Hold“ herabgestuft — mit Verweis auf die ambitionierte Bewertung. Bei knapp 16-fachem Vorwärtsumsatz ist diese Sorge nicht unbegründet.

POET Technologies: 500-Millionen-Dollar-Pipeline nach dem Marvell-Schock

Kaum eine Aktie hat in diesem Jahr eine solche Achterbahnfahrt hinter sich wie POET Technologies. Nach dem schweren Rückschlag im April — als Marvell sämtliche Bestellungen im Zusammenhang mit Celestial AI stornierte und die Aktie zeitweise mehr als 45 % einbrach — lieferte das Unternehmen am Donnerstag ein kräftiges Lebenszeichen.

Der neue Liefervertrag mit Lumilens umfasst eine erste Bestellung über 50 Millionen Dollar und ein Gesamtvolumen von potenziell 500 Millionen Dollar über fünf Jahre. Die Partnerschaft zielt auf eine neue Klasse photonischer Integration für KI-Infrastruktur. Die Aktie schoss am Donnerstag um über 33 % nach oben.

Die technische Struktur des Deals ist bemerkenswert. POET und Lumilens entwickeln gemeinsam eine Plattform für optische Engines, die auf sogenannter Wafer-Level-Integration basiert. Der Clou: Die aufwändige aktive Ausrichtung — bislang der größte Kosten- und Ertragsfresser in der Produktion optischer Engines — entfällt. Engineering-Muster sollen Ende 2026 vorliegen, die Serienproduktion ab 2027 anlaufen.

Lumilens erhält im Rahmen der Vereinbarung Warrants auf knapp 23 Millionen Aktien zum Ausübungspreis von 8,25 Dollar. Nur ein Zehntel ist sofort einlösbar, der Rest wird an weitere Bestellungen gekoppelt. Eine clevere Anreizstruktur, die den Partner an die eigene Aktienperformance bindet.

Mit rund 430 Millionen Dollar an liquiden Mitteln nach einer Kapitalerhöhung im Januar ist POET finanziell gut aufgestellt. Die Marktkapitalisierung beträgt 2,82 Milliarden Dollar — bei Quartalsumsätzen, die sich noch im sechsstelligen Bereich bewegen. Die gesamte Bewertung ruht auf der Zukunft.

SoftBank: 46 Milliarden Dollar Gewinn — fast alles von OpenAI

Der japanische Technologie-Investor hat für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Nettogewinn von 5 Billionen Yen verbucht. Das klingt eindrucksvoll, und die Zahl ist es auch. Den Löwenanteil steuerte der Vision Fund bei, der rund 46 Milliarden Dollar an Gewinnen einfuhr. Es war das fünfte profitable Quartal in Folge.

Die Konzentration dahinter ist allerdings extrem: Mehr als 45 Milliarden Dollar dieser Gewinne entfallen auf die OpenAI-Beteiligung. Kumuliert hat SoftBank 34,6 Milliarden Dollar in den ChatGPT-Entwickler investiert, der faire Wert lag zum Stichtag 31. März bei 79,6 Milliarden Dollar. Das bedeutet: 98 % der Fondsrendite hängen an einem einzigen Unternehmen. Der Rest des Portfolios — darunter Beteiligungen an Coupang, DiDi Global und Klarna — zog die Performance sogar nach unten.

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Um die wachsenden OpenAI-Investitionen zu finanzieren, hat SoftBank Anteile an T-Mobile und Nvidia veräußert und zusätzlich Kredite sowie Anleihen aufgenommen, die durch Beteiligungen an Arm Holdings und der SoftBank Corp. besichert sind. S&P Global Ratings senkte den Ausblick bereits auf „negativ“ — mit Verweis auf die Liquiditätsrisiken und die Abhängigkeit von einem einzigen Vermögenswert.

CFO Yoshimitsu Goto betonte auf der Analystenkonferenz die finanzielle Disziplin: Die Barposition von 3,5 Billionen Yen reiche für mehr als zwei Jahre Anleiherückzahlungen. Parallel hat SoftBank ein eigenständiges KI-Computing-Segment aufgebaut, das Arm Holdings, Ampere Computing und Graphcore umfasst. Die Strategie ist klar: alles auf KI. Die Frage ist, ob die Bilanz das Tempo mithält.

Hypoport: EBIT-Sprung von 40 % trotz Zinsvolatilität

Deutlich geräuschloser verlief die Berichtssaison bei Hypoport. Der Kreditplattform-Betreiber steigerte den Bruttogewinn im ersten Quartal um 8 % auf 71 Millionen Euro. Das EBIT kletterte überproportional um 40 % auf 12,1 Millionen Euro, die Marge verbesserte sich von 13 % auf 17 %.

Das Immobilien- und Hypothekensegment bleibt mit einem EBIT von 13,7 Millionen Euro die tragende Säule. Interessanter ist der Trend bei den Versicherungsplattformen: Mit einem Bruttogewinn von 9 Millionen Euro und einem erstmals nennenswerten operativen Ergebnis von 0,6 Millionen Euro gewinnt dieses Segment an Dynamik.

CEO Ronald Slabke bekräftigte das Ziel eines Rekordjahres bei Bruttogewinn und EBIT, trotz des volatilen geopolitischen Umfelds. Für das zweite Quartal erwartet er ein „ziemlich normales“ Hypothekengeschäft, nachdem zinsseitige Schwankungen das erste Quartal geprägt hatten. Über alle drei Segmente hinweg rollt das Unternehmen derzeit KI-basierte Produkte aus, die Prozesseffizienz auf den Plattformen steigern sollen.

Die Aktie notierte gestern bei 88,20 Euro und hat seit Jahresbeginn rund 30 % verloren. Der durchschnittliche Analystenkonsens liegt bei 212,75 Euro — eine enorme Diskrepanz zum aktuellen Kurs. Der RSI von 75,4 signalisiert kurzfristig eine überkaufte Situation nach dem jüngsten Wochenplus von über 10 %. Die Volatilität bleibt mit annualisiert knapp 69 % außergewöhnlich hoch für einen Plattformbetreiber.

Deutsche Pfandbriefbank: Jahresprognose bestätigt trotz 80 % Gewinnrückgang

Die Deutsche Pfandbriefbank (PBB) hat ein schwieriges Quartal hinter sich — und trotzdem am Markt für Erleichterung gesorgt. Der Vorsteuergewinn brach von 28 Millionen auf 6 Millionen Euro ein, belastet durch den beschleunigten Rückzug aus US-Altpositionen. Die Aktie legte nach Veröffentlichung der Zahlen dennoch zu.

Der Grund für die positive Kursreaktion: Das Neugeschäft in der gewerblichen Immobilienfinanzierung wuchs um 18 % auf 1,3 Milliarden Euro. Die Pipeline lag Ende März bei 12 Milliarden Euro, ein Plus von 17 % gegenüber dem Vorjahr. Die Jahresprognose für Neugeschäft von 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro wurde bestätigt.

Bei der Kapitalausstattung drückt allerdings der US-Rückzug: Die CET1-Quote sank von 14,7 % zum Jahresende auf 13,4 %, vor allem durch regulatorische Anpassungen bei der Risikogewichtung des US-Portfolios. Die Liquidität blieb mit 4,8 Milliarden Euro komfortabel, und mehr als die Hälfte der geplanten gedeckten Refinanzierung für 2026 ist bereits abgeschlossen.

Mit einem Kurs von 3,62 Euro und einem Wochenplus von knapp 10 % hat sich die Aktie spürbar von ihrem März-Tief erholt. Die Marktkapitalisierung liegt weiterhin unter 500 Millionen Euro. Die Renditeziele — rund 7 % auf das materielle Eigenkapital bei einer Bruttozinsmarge von etwa 220 Basispunkten — bleiben ambitioniert, solange die europäischen Langfristzinsen hoch bleiben und die geopolitischen Unsicherheiten die gewerblichen Immobilienmärkte belasten.

Fünf Aktien, zwei Welten

Die Berichtswoche offenbart ein Grundmuster, das den gesamten Finanzsektor durchzieht:

  • KI-Infrastruktur dominiert die Bewertungen: Nebius und POET werden mit zweistelligen Milliardenbewertungen gehandelt, obwohl ihre Umsätze noch weit von den Gewinnzonen entfernt sind. Der Markt preist Zukunft, nicht Gegenwart.
  • Klumpenrisiko als Geschäftsmodell: SoftBanks Vision Fund ist faktisch ein gehebeltes OpenAI-Zertifikat. Eine Neubewertung von OpenAI würde die gesamte Gewinnbasis eliminieren.
  • Stille Erholung im klassischen Finanzgeschäft: Hypoport und PBB liefern operative Fortschritte, die der Markt mit moderaten Kursreaktionen honoriert — aber eben nicht mit der Euphorie, die KI-Titel begleitet.

Für die kommenden Monate entscheidet sich bei Nebius, ob Investitionen von bis zu 25 Milliarden Dollar in Rechenzentren auch das versprochene Margenprofil liefern. POET muss beweisen, dass der Lumilens-Vertrag bis zu den Engineering-Mustern Ende 2026 reale Umsätze generiert. SoftBank bleibt ein binäres Wetten-Spiel auf OpenAIs Bewertungstrajektorie. Hypoport hat sich ein Rekordjahr vorgenommen und braucht dafür ein ruhigeres Zinsumfeld. Und bei der Pfandbriefbank werden das Tempo des US-Abbaus und die Richtung der europäischen Zinsen die entscheidenden Variablen sein.

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