Ein deutliches Warnsignal bremst die Euphorie um spezialisierte Anbieter von Rechenkapazitäten für Künstliche Intelligenz. Analyst Alex Haissl vom Analysehaus Rothschild & Co Redburn hat am heutigen Montag die Einstufung für die Nebius Group mit einem klaren Verkaufsvotum („Sell“) begonnen.
Das Kursziel setzt der Experte bei 84 US-Dollar an. Ausgehend vom US-Schlusskurs des Titels am vergangenen Freitag bei 223,54 Dollar entspricht diese Zielmarke einem rechnerischen Abwärtspotenzial von über 60 Prozent.
Im europäischen Handel hält sich das Papier derweil stabil. Die Aktie notiert bei 202,10 Euro, was einem Tagesplus von 4,0 Prozent entspricht. Seit dem Jahresanfang verzeichnet der Titel einen Zuwachs von 175 Prozent.
Warnung vor Risiken am Kreditmarkt
Die skeptische Haltung der Analysten stützt sich auf ein Missverhältnis zwischen Aktien- und Anleihemärkten. Während das Narrativ für Infrastrukturanbieter an den Aktienmärkten ungebrochen optimistisch bleibe, begännen die Kreditmärkte bereits Risiken einzupreisen, die an den Börsen weitgehend ignoriert würden. Das wichtigere Signal gehe derzeit jedoch vom Kreditmarkt aus.
Zudem liege die tatsächliche wirtschaftliche Verschuldung der großen Hyperscaler unter Einbeziehung außerbilanzieller Verpflichtungen deutlich höher als allgemein wahrgenommen. Dies könne die Fähigkeit einschränken, die nächste Phase massiver Infrastrukturinvestitionen zu finanzieren.
Für sogenannte Neoclouds seien Gewinne und Bewertungen zyklisch überhöht. Bei Nebius sieht das Analysehaus vor diesem Hintergrund das größte Abwärtsrisiko im Segment.
Wall-Street-Konsens bleibt mehrheitlich zuversichtlich
Mit diesem Schritt stellt sich das Haus gegen die bisherige Mehrheitsmeinung an der Wall Street. Der dortige Marktkonsens stuft das Papier im Schnitt als moderaten Kauf ein, mit einem mittleren Kursziel von 232,20 Dollar.
Andere Häuser bewerten die Aussichten ungleich optimistischer: Citigroup führt die Aktie mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 324 Dollar, während Robert W. Baird den Wert mit „Outperform“ und einer Zielmarke von 340 Dollar versieht.
Operativ hatte Nebius am vergangenen Donnerstag Preiserhöhungen angekündigt, um die hohe Nachfrage und die Knappheit bei Servern zu nutzen. Im zweiten Quartal wuchs der Umsatz des Konzerns im Vorjahresvergleich um 454 Prozent auf 582,30 Millionen Dollar. Zugleich erhielt die Aktie am heutigen Montag Unterstützung von institutioneller Seite: Nebius wurde offiziell in den weltweiten Aktienindex FTSE All-World aufgenommen.
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