Ab heute ist Nebius offiziell Teil des Nasdaq-100. Der KI-Infrastrukturanbieter rückt damit in die Reihe der größten Technologieunternehmen der Welt — und löst automatisch Kaufpflichten aus.
ETFs und passiv verwaltete Fonds, die den Nasdaq-100 abbilden, müssen Nebius-Aktien nun zwingend ins Portfolio aufnehmen. Das erzeugt strukturellen Kaufdruck, unabhängig von der aktuellen Bewertung. Die Aktie schloss am Freitag bei 245,20 Euro — rund sechs Prozent unter ihrem Allzeithoch von 260,75 Euro, das erst vergangene Woche erreicht wurde. Seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdreifacht.
Milliarden-Backlog und frisches Kapital
Der Aufstieg in den Index ist kein Zufall. Nebius hat in den vergangenen Monaten eine bemerkenswerte Wachstumsstory aufgebaut.
Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen Dollar. Das Kerngeschäft mit KI-Cloud-Diensten trug davon 390 Millionen Dollar bei. Der vertraglich gesicherte Auftragsbestand beläuft sich auf rund 46 Milliarden Dollar — darunter ein Rahmenvertrag mit Meta Platforms über bis zu 27 Milliarden Dollar und Vereinbarungen mit Microsoft über 17 Milliarden Dollar.
Um dieses Wachstum zu finanzieren, hat Nebius seine Investitionsplanung für 2026 auf 20 bis 25 Milliarden Dollar angehoben. Früher lag die Zielspanne bei 16 bis 20 Milliarden Dollar. Hinzu kommen rund 4,3 Milliarden Dollar aus einer Wandelanleihe, die im März 2026 platziert wurde. Die Liquiditätsreserve lag zum Ende des ersten Quartals bei 9,3 Milliarden Dollar.
NVIDIA, UK-Expansion und autonome Fahrzeuge
Hinter den Zahlen steckt eine klare Strategie: vertikale Integration aus Hardware und Software. NVIDIA hat im März 2026 zwei Milliarden Dollar direkt in Nebius investiert, um den Ausbau hyperscalefähiger KI-Cloud-Dienste zu beschleunigen.
Parallel dazu plant Nebius, umgerechnet rund 2,3 Milliarden Dollar in den Aufbau von KI-Kapazitäten im Vereinigten Königreich zu investieren. Drei neue NVIDIA-Infrastrukturprojekte sollen bis 2027 eine Kapazität von 65 Megawatt erreichen. Anfang Juni übernahm Nebius außerdem das KI-Unternehmen Eigen AI, um seine Inferenz- und Modelloptimierungsfähigkeiten zu stärken.
Zur Unternehmensgruppe gehört auch Avride, eine Tochtergesellschaft für autonomes Fahren. Avride betreibt derzeit 317 autonome Fahrzeuge in Texas — in Partnerschaft mit Uber, die seit Oktober 2024 läuft.
Hohes Tempo, hohes Risiko
Kein Wunder, dass die Aktie polarisiert. Der RSI liegt bei 67, die annualisierte 30-Tage-Volatilität bei über 109 Prozent. Das Wachstum ist real, die Kapitalintensität aber enorm. Der Großteil der neuen Kapazitäten kommt erst Anfang 2027 online — bis dahin muss Nebius liefern, was der Backlog verspricht. Die Nasdaq-100-Aufnahme bringt institutionelles Kapital ins Spiel. Ob das reicht, um den Kurs über das Allzeithoch zu tragen, hängt davon ab, wie schnell die Milliarden-Verträge in echte Umsätze münden.
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