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Im Bild: Dieter Jaworski
Interviewmit Dieter Jaworski

Nebius Aktie: Meta-Kapazität ab 2027 stellt Nebius auf die Renditeprobe

Der Meta-Vertrag mindert Nebius’ Absatzrisiko; ob der Ausbau nach Finanzierungskosten genügend Ertrag bringt, bleibt offen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Meta-Kapazität ab Anfang 2027 vorgesehen
  • Vertrag reduziert das Absatzrisiko
  • Rendite der neuen Anlagen noch offen
  • Jaworski nennt rund 317 Euro fairen Wert

Nach Gartners Warnung vor einem Schwund der Neocloud-Anbieter gehen die Analystenschätzungen zur Bewertung von Nebius weit auseinander. Wie viel hängt davon ab, ob neue Rechenkapazität rechtzeitig Erträge bringt? Diese Streitfrage geben wir Dieter Jaworski weiter.

Nebius (NL0009805522) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

Nebius (NL0009805522) — Schlusskurse 20.04.2026 bis 16.10.2026, Angaben in EUR. Stand: 16.10.2026.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie schauen zuerst auf die Rendite der Investitionen. Gartner rechnet damit, dass mehr als 80 Prozent der Neocloud-Anbieter bis 2030 ihre Unabhängigkeit verlieren. Warum sollte Nebius diesem Risiko entkommen?

Dieter Jaworski: Das behaupte ich nicht. Gartner trifft einen wunden Punkt: Nachfrage nach Rechenleistung sagt noch wenig darüber, was nach Bau, Betrieb und Finanzierung übrig bleibt. Interessanter ist für mich die nächste Frage.

Selbst wenn Nebius zu den Anbietern gehört, die bleiben, können große Kunden einen guten Teil des wirtschaftlichen Vorteils für sich beanspruchen. Überleben allein bezahlt noch keine gute Rendite. Die Übernahme von Inferize soll die Auslastung der GPUs verbessern; ob das im großen Maßstab gelingt, ist offen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Sie sagen: „Überleben allein bezahlt noch keine gute Rendite.“ Unterschätzen Sie damit nicht, was ein Vertrag mit Meta für Nebius absichert?

Dieter Jaworski: Der Vertrag sichert Nachfrage ab, und das ist viel wert. Die dedizierte Kapazität für Meta soll allerdings erst ab Anfang 2027 bereitstehen. Bis sie geliefert und genutzt wird, steht dem Auftrag ein erheblicher Ausbau gegenüber. Meine Gewichtung ist deshalb klar: Der Vertrag senkt das Absatzrisiko. Ob Nebius an diesem Geschäft ausreichend verdient, muss der Betrieb der Anlagen erst zeigen.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Welchen Wert setzen Sie für die Aktie an, wenn Sie den Ertrag aus den neuen Anlagen noch nicht für erwiesen halten?

Dieter Jaworski: Mein faires Niveau auf Sicht von zwölf Monaten liegt bei rund 317 Euro. Mit „fair“ meine ich den Wert, den ich bei gelingendem Ausbau wirtschaftlich für vertretbar halte, keinen bereits verdienten Anspruch.

Nebius entwickelt Server, Racks und Software selbst; darin steckt ein möglicher Kostenvorteil, den ich höher gewichte als die bloße Größe der Verträge. Die Schätzungen zu niedrigeren Gesamtkosten je GPU-Stunde – also einschließlich Hardware und Betrieb – sind ein gutes Argument. Sie ersetzen noch keinen Beleg für eine auskömmliche Rendite.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Kann die Zusammenarbeit mit NVIDIA einen verspäteten Stromanschluss für eine neue Anlage ausgleichen?

Dieter Jaworski: Nein. Ohne Strom läuft die Anlage nicht, so gut die Zusammenarbeit auch sein mag. Eine Verzögerung beim Anschluss würde ich schwerer gewichten als die nächste Partnerschaftsmeldung.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Angenommen, Inferize verbessert die Auslastung: Wann würden Sie Ihre Zurückhaltung aufgeben?

Dieter Jaworski: Eine höhere Auslastung wäre ein Fortschritt. Die Folgerung, damit sei schon gut verdient, ginge mir zu weit. Meine Zurückhaltung hängt daran, dass Nebius den Ausbau erst noch in Erträge nach Finanzierungskosten verwandeln muss. Gelingt das bei den neuen Anlagen verlässlich, kippt meine These. Bleibt dieser Nachweis aus, hilft auch eine volle Auftragsliste wenig.

Kapitalmarktexperten Redaktion: Die Kapazität für Meta soll ab Anfang 2027 bereitstehen. Reicht Ihnen dieser Termin für ein positives Gesamturteil über Nebius?

Dieter Jaworski: Für ein positives Urteil über das Geschäft ja, für eines über seine erwiesene Ertragskraft noch nicht. Nebius hat Nachfrage und eine ernstzunehmende technische Basis. Ich traue dem Unternehmen viel zu, gewichte aber den Weg vom Vertrag zur Rendite höher als die Vertragsgröße. Anfang 2027 wird aus dieser Unterscheidung eine überprüfbare Frage.

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Diskussion zu Nebius

Dieter Jaworski

Chefredakteur „Smart Trading“, Senior-Analyst bei GeVestor und Architekt der Strategie „Einfach – Intelligent – Investieren“

Über Dieter Jaworski

Dieter Jaworski ist ein renommierter Finanzexperte mit über 40 Jahren Erfahrung in der Aktienanalyse und im Vermögensaufbau. Als Chefredakteur von „Smart Trading“ und Senior-Analyst bei der GeVestor Financial Publishing Group liefert er präzise Analysen und fundierte Anlagestrategien. Seine Philosophie „Einfach – Intelligent – Investieren“ kombiniert tiefes Unternehmenswissen mit einer klaren Fokussierung auf fundamentale Kennzahlen wie Umsatz, Gewinn, Cashflow und Dividenden. Ob Einsteiger oder erfahrener Investor – Jaworski zeigt, wie man langfristig Vermögen aufbaut, ohne unnötige Risiken einzugehen.

Von der Zahlenbegeisterung zum Börsenprofi

Schon als Kind faszinierten Jaworski Zahlen und logisches Denken. Während seine Mitschüler noch übten, rechnete er bereits mit Leichtigkeit. Diese Leidenschaft prägte seinen Weg: Mit dem ersten Taschengeld plante er, Vermögen aufzubauen, und legte Weihnachtsgeld auf dem Sparbuch an – unüberlegte Ausgaben waren nie sein Stil. Während seines Elektrotechnik-Studiums, das er 1980 nach nur vier Jahren abschloss, vertiefte er sich privat in die Welt der Aktien. Statt auf Anlageberater zu vertrauen, eignete er sich umfassendes Wissen über Märkte und Strategien an.

Einblicke aus der Unternehmenswelt

Nach seinem Studium startete Jaworski bei Siemens, wo er 29 Jahre lang tätig war. Von der Planung globaler Netzwerke in Peking, Chile und den Philippinen bis zur Leitung großer Projekte in Deutschland sammelte er einzigartige Einblicke in die Strukturen großer Konzerne. Diese Erfahrung ist heute sein Markenzeichen: Jaworski weiß, wie Vorstände denken, wie Pressemeldungen zu deuten sind und welche Kennzahlen die Zukunft eines Unternehmens verraten. „Ich kenne die Unternehmen von innen“, sagt er – ein Wissen, das seine Analysen unschätzbar macht.

Erfahrung, die zählt: 29 Jahre bei Siemens, internationale Projekte und tiefes Verständnis für Unternehmensstrukturen machen Jaworski zu einem einzigartigen Analysten.

Professionelle Analyse seit 2002

Seit 2002 ist Jaworski professionell als Aktienanalyst tätig, zunächst bei Gelfarth & Dröge sowie als Gutachter für den Verlag für die Deutsche Wirtschaft. 2007 verließ er Siemens, um sich voll und ganz der Geldanlage zu widmen. Seine Analysen basieren auf einer klaren Maxime: Sicherheit durch fundamentale Daten, ergänzt durch das Potenzial wachstumsstarker Unternehmen. Seit 2014 setzt er seine Strategie erfolgreich im Wikifolio „2M – Market Momentum“ um, das sich durch Stabilität und Rendite auszeichnet.

Aus Fehlern lernen

Jaworski ist kein Theoretiker – er kennt die Höhen und Tiefen der Börse aus eigener Erfahrung. Während der Dotcom-Blase 2000 verlor er die Hälfte seines Kapitals, weil er auf Versprechungen statt Zahlen setzte. Diese Erfahrung prägte seinen Leitsatz: „Gier frisst Hirn“. Heute setzt er auf ein ausbalanciertes Depot aus „großen Dampfern“ für Sicherheit und „kleinen Schnellbooten“ für Wachstum – eine Strategie, die Anlegern Stabilität und Chancen bietet.

Warum Dieter Jaworski?

Mit Vorträgen auf Events wie dem Dresdner Börsentag und regelmäßigen Beiträgen bei GeVestor ist Jaworski eine feste Größe in der Finanzwelt. Seine Analysen sind praxisnah, seine Strategien erprobt. Ob Geschäftsberichte, Marktbeobachtungen oder innovative Anlagemodelle – Jaworski bleibt am Puls der Zeit. Für ihn ist die Börse kein Zockerspiel, sondern ein Handwerk, das Wissen und Disziplin erfordert.