Goldman-Sachs-Analyst Alexander Duval hat sein Kursziel für Nebius gestern von 286 auf 328 Dollar angehoben und die Kaufempfehlung bestätigt. Die Aktie reagierte mit einem Kurssprung von 5,2 Prozent auf 190,28 Euro. Damit setzt sich eine Serie positiver Analystenreaktionen fort, nachdem bereits DA Davidson am 18. August sein Kursziel von 175 auf 250 Dollar erhöht hatte.
Der jüngste Optimismus fällt in eine Phase, in der Nebius parallel mehrere Baustellen abgearbeitet hat. Vor rund zwei Wochen hatte das Unternehmen Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt, die trotz eines Kurseinbruchs von seither 20,6 Prozent operativ überzeugten: Der Umsatz stieg um 454 Prozent auf 582,3 Millionen Dollar und übertraf die Konsensschätzung von 572,75 Millionen Dollar.
Das AI-Cloud-Geschäft wuchs sogar um 514 Prozent auf 574,9 Millionen Dollar, das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 236,2 Millionen Dollar.
Der Jahreswiederkehrende Umsatz (ARR) legte um 598 Prozent auf 3,0 Milliarden Dollar zu. Nebius bekräftigte die Jahresprognose von 3,0 bis 3,4 Milliarden Dollar Umsatz und hob die Vorgabe für vertraglich gesicherte Stromkapazität für Ende 2026 von vier auf über fünf Gigawatt an.
Kapitalmarkt und Infrastruktur als Treiber
Neben den Analystenstimmen prägte eine große Kapitalmaßnahme den August: Nebius schloss am Montag eine auf 5,75 Milliarden Dollar aufgestockte Wandelanleihe ab, nachdem die ursprünglich am 19. August angekündigte Offerte über 4,5 Milliarden Dollar zunächst für einen Kurseinbruch gesorgt hatte.
Die Anleihe setzt sich aus einer Tranche über 3,0 Milliarden Dollar mit 0,50 Prozent Zins und Fälligkeit 2030 sowie einer Tranche über 2,0 Milliarden Dollar mit 4,5 Prozent Zins und Fälligkeit 2034 zusammen.
Zusätzlich tauschte Nebius Anleihen im Volumen von 400 Millionen Dollar gegen 15,8 Millionen Class-A-Aktien. Netto flossen dem Unternehmen aus der Emission 4,94 Milliarden Dollar zu, die vor allem in den Ausbau von Rechenzentren fließen sollen.
Auf operativer Ebene sorgte am 18. August die Genehmigung des Vineland Planning Board für Phase 2 des im Süden von New Jersey entstehenden KI-Rechenzentrums für Entlastung. Die Erweiterung um 600.000 Quadratfuß gilt als wichtiger Baustein, um Ausführungsrisiken für den 17,4 Milliarden Dollar schweren Cloud-Vertrag mit Microsoft zu reduzieren.
Fünf Tage zuvor hatte Nebius zudem eine Vereinbarung mit Vantage Data Centers bekanntgegeben, um Nvidia-gestützte KI-Infrastruktur am CWL1-Campus im walisischen Newport zu installieren – die erste kommerzielle Kapazitätszusage in der South Wales AI Growth Zone.
Bewertung bleibt anspruchsvoll
Trotz der jüngsten Kurserholung notiert die Aktie noch 27 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro vom 22. Juni. Gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 53,50 Euro aus dem September vergangenen Jahres hat sich der Kurs indes mehr als verdreifacht. Auf Jahressicht steht ein Plus von 159 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sogar von 212 Prozent.
Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 177 Prozent unterstreicht, wie stark die Aktie zuletzt zwischen Wachstumseuphorie und Sorgen um Kapitalbedarf und Verwässerung schwankte. Mit einer Marktkapitalisierung von gut 51 Milliarden Euro bleibt Nebius eines der am stärksten beachteten Wachstumsversprechen im KI-Infrastruktursektor.
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