Die Aktionäre von Nebius haben am Dienstag auf der Hauptversammlung sämtliche vorgelegten Beschlüsse angenommen. Für die Aktie ist das ein formaler Baustein in einer Phase, in der Anleger vor allem auf die Finanzierungsstrategie und die operative Entwicklung des Cloud- und KI-Infrastrukturanbieters blicken.
Kapitalmaßnahmen im Fokus
Die Zustimmung der Aktionäre kommt nur wenige Tage nach dem Abschluss der aufgestockten privaten Platzierung von Wandelanleihen, die Nebius auf insgesamt 5,75 Milliarden Dollar erweitert hatte – deutlich über dem ursprünglich anvisierten Volumen von 4,5 Milliarden Dollar.
Die Mittel sollen laut Unternehmensangaben in den Ausbau von Rechenzentren und in die Weiterentwicklung von KI-Diensten fließen. Ein solches Kapitalpaket benötigt in der Regel auch die Zustimmung der Anteilseigner zu entsprechenden Kapitalwerkzeugen, weshalb die Hauptversammlung in engem Zusammenhang mit der Finanzierungsrunde steht.
Reuters hatte die Nachfrage nach den Wandelanleihen als Ausdruck einer starken Nachfrage nach KI-Diensten und Rechenzentrumskapazität eingeordnet. Die Anleihen sind in zwei Tranchen strukturiert: eine mit Fälligkeit 2030 und einem Kupon von 0,50 Prozent, die andere mit Fälligkeit 2034 und 4,50 Prozent Kupon.
Ein derart günstiger Zinssatz auf der kurzlaufenden Tranche signalisiert, dass institutionelle Investoren dem Unternehmen trotz der hohen Kapitalintensität des Geschäfts zutrauen, die Mittel profitabel einzusetzen.
Operatives Wachstum bleibt Treiber
Vor rund zwei Wochen hatte Nebius Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt, die den Umsatz auf 582,3 Millionen Dollar bezifferten – ein Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Cloud-Geschäft wuchs sogar um 514 Prozent.
Das Unternehmen bestätigte damals seine Jahresprognose von 3,0 bis 3,4 Milliarden Dollar Umsatz sowie ein ARR-Ziel von 7 bis 9 Milliarden Dollar. Medienberichten zufolge fiel die Aktie dennoch, weil Anleger die parallele Finanzierungsankündigung als Verwässerungs- und Verschuldungsrisiko werteten – die Aktie notiert seither rund 24,6 Prozent niedriger.
Auch die erste Kapazitätsauktion für mittelfristige Verträge, die zu einem Preis abschloss, der 15 Prozent über jeder zuvor berechneten Rate lag, unterstreicht die Preissetzungsmacht des Unternehmens im laufenden Ausbau. Das Management rechnet zudem damit, bis Jahresende 2026 auf 5 Gigawatt kontrahierte Leistung zu kommen, nach zuvor genannten 4 beziehungsweise 4,5 Gigawatt.
Kursbild bleibt volatil
Am Freitag schloss die Aktie bei 180,72 Euro, ein Rückgang von 3,6 Prozent gegenüber dem Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht dennoch ein Plus von 40 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.
Der aktuelle Kurs liegt damit rund 31 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro, das im Juni erreicht wurde – ein Hinweis darauf, dass trotz der starken operativen Entwicklung und der erfolgreichen Kapitalaufnahme noch erhebliche Bewertungsschwankungen im Markt eingepreist werden.
Die Kombination aus formaler Bestätigung durch die Aktionäre, einer erfolgreich platzierten Milliardenfinanzierung und robusten operativen Kennzahlen zeichnet ein Unternehmen, das auf Wachstum setzt, während der Markt die damit verbundenen Risiken noch abwägt.
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