Die Muttergesellschaft der Tochtergesellschaften Nebius Compute II LLC und Nebius Compute II Oy schloss am 10. Juli 2026 eine besicherte Kreditfazilität über 775 Millionen US-Dollar ab, die Verwaltung reichte die entsprechende Mitteilung am 17. Juli in einer geänderten Form bei der US-Börsenaufsicht ein. Es handelt sich um die erste besicherte Fremdfinanzierung des Unternehmens überhaupt.
Konditionen und Struktur des Kredits
Der Kredit läuft bis zum 31. Oktober 2030 und ist mit dem Term SOFR plus 2,50 Prozentpunkten verzinst, bei einer Zinsuntergrenze von null. Als Sicherheiten dienen die bereits installierte GPU-Infrastruktur sowie vertraglich zugesicherte Zahlungsströme eines Kunden mit Investment-Grade-Rating. Die Fazilität deckt nach Unternehmensangaben mehr als den vollständigen Investitionsbedarf für die zugrunde liegende Grafikchip-Infrastruktur ab. Auflagen umfassen einen Schuldendienstdeckungsgrad von mindestens 1,15 zu 1,00 sowie eine Mindestliquidität. Federführend bei der Platzierung war die japanische Großbank MUFG, beteiligt waren zudem unter anderem ABN AMRO, Bank of America, Deutsche Bank, HSBC, Citi, Crédit Agricole, ING, Morgan Stanley und Goldman Sachs. Die Fazilität war überzeichnet.
Nebius verweist auf ein vertraglich abgesichertes Umsatzvolumen von mehr als 40 Milliarden US-Dollar aus Verträgen mit Microsoft und Meta. Der Microsoft-Vertrag hat laut Unternehmensangaben ein Volumen von bis zu 17,4 Milliarden US-Dollar mit Laufzeit bis 2031, der Meta-Vertrag bis zu 27 Milliarden US-Dollar. Konzern-Chief-Operating-Officer Ophir Nave bezeichnete die Finanzierung als Bestätigung des disziplinierten, diversifizierten und kapitaleffizienten Wachstumsansatzes des Unternehmens und betonte, dass die Struktur den asset-leichten Charakter der Wachstumsstrategie unterstreiche. Erst kürzlich hatte Nebius eine weitere Kapazitätstranche an Microsoft ausgeliefert.
Weitere Bausteine des Wachstumskurses
Die Fremdfinanzierung reiht sich in eine Serie von Kapitalmaßnahmen ein, mit denen Nebius seinen Ausbau ohne zusätzliche Verwässerung der Aktionäre vorantreibt. Nvidia hatte zuvor zwei Milliarden US-Dollar in eine Partnerschaft mit Nebius investiert, mit dem Ziel, bis 2030 eine Rechenkapazität von fünf Gigawatt aufzubauen. Zudem baut das Unternehmen in Lappeenranta in Finnland ein zweites KI-Rechenzentrum mit einer Kapazität von bis zu 310 Megawatt; Kunden sollen die Anlage ab 2027 nutzen können. Nebius war im August 2024 aus der ehemaligen Yandex N.V. hervorgegangen, nachdem das Unternehmen sein russisches Geschäft für 5,4 Milliarden US-Dollar verkauft hatte.
Kursreaktion in einem schwierigen Marktumfeld
Die Ankündigung der Kreditfazilität kam am 17. Juli inmitten eines breiten Ausverkaufs bei Chip- und KI-Werten an der Wall Street zustande, ausgelöst durch Konkurrenzsorgen wegen eines neuen Sprachmodells aus China und allgemeine Skepsis gegenüber den hohen Investitionssummen der Branche. Nebius-Aktien reagierten auf die Finanzierungsmeldung zunächst positiv. Am Freitag schloss der Titel bei 155,52 Euro und legte damit 3,62 Prozent zu. Der jüngste Monat war für die Aktie insgesamt turbulent: Auf Monatssicht steht ein Rückgang von 36,35 Prozent, nachdem die gesamte Chip-Branche unter Verkaufsdruck geraten war. Zum 200-Tage-Durchschnitt notiert die Aktie dennoch weiterhin deutlich im Plus, mit einem Abstand von 30,39 Prozent nach oben – ein Hinweis darauf, dass der langfristige Aufwärtstrend trotz der jüngsten Korrektur intakt bleibt.
Am Kapitalmarkt bewerten Analysten die Aktie überwiegend positiv. Nach einem Bericht von Benzinga liegt der durchschnittliche Analystenkonsens bei „Kaufen“ mit einem mittleren Kursziel von 213,89 US-Dollar. Die frische Fremdfinanzierung dürfte aus Anlegersicht vor allem deshalb Gewicht haben, weil sie zeigt, dass Nebius seinen kapitalintensiven Ausbau zunehmend über Fremdkapital statt über neue Aktienausgaben stemmen kann – ein Signal, das in einem Marktumfeld mit wachsender Skepsis gegenüber den Finanzierungsmodellen der KI-Branche an Bedeutung gewinnt.
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