Nebius steigt weiter. Am Mittwoch legt die Aktie um 2,27 Prozent auf 194,80 Euro zu. Der Kurs bleibt damit rund 25 Prozent unter dem Rekordhoch von 261,00 Euro aus dem Juni. Auf Zwölfmonatssicht steht dennoch ein Plus von fast 350 Prozent zu Buche.
Das Cloud-Unternehmen für KI-Infrastruktur zählt zu den meistbeachteten „Neocloud“-Werten an der Wall Street. Genau das macht die Aktie zum Blitzableiter für jede Nachricht aus der Branche.
Wall Street bleibt trotz Turbulenzen an Bord
Bank of America Securities bestätigt ihre positive Einschätzung zu Nebius. Analyst Tal Liani hält an seiner bullishen Haltung fest. Im Fokus der Analysten steht dabei vor allem eine frische Finanzierung.
Nebius hat sich Mitte Juli erstmals eine besicherte Kreditlinie über rund 775 Millionen Dollar gesichert. Als Sicherheit dienen bereits eingesetzte GPU-Infrastruktur und langfristige Verträge mit einem Kunden mit Investment-Grade-Rating. Freedom Capital Markets bezeichnete die Finanzierung als „positiven Katalysator“ für das Unternehmen.
Eine Aktie im Ausnahmezustand
Die vergangenen Wochen haben selbst geduldige Nebius-Aktionäre auf die Probe gestellt. Vom Rekordhoch aus rutschte die Aktie zeitweise deutlich ab, bevor sie sich wieder erholte. Diese Schwankungsbreite zeigt sich auch in der annualisierten 30-Tage-Volatilität von 117,42 Prozent — ein außergewöhnlich hoher Wert.
Ein Teil des Drucks kommt aus dem Wettbewerbsumfeld. Berichte, wonach Meta überschüssige KI-Rechenkapazität verkaufen will, ließen die Kurse von Nebius und dem Konkurrenten CoreWeave zeitweise um 12 bis 15 Prozent einbrechen. Ein direktes Konkurrenzrisiko für alle Neocloud-Anbieter.
Hinzu kommt regulatorischer Gegenwind. New York hat ein einjähriges Moratorium für neue Großrechenzentren verhängt. Das sorgt für zusätzliche Schlagzeilen-Risiken, sowohl von der Regulierungsseite als auch von großen Rivalen im Markt.
Einige Marktteilnehmer halten den Ausverkauf trotzdem für übertrieben. Die scharfen Rücksetzer folgten zuletzt heftige Gegenbewegungen, darunter ein Tagesplus von 10,9 Prozent. Auch wiederholte vorbörsliche Kurssprünge von über 2 Prozent, getrieben von Privatanlegern, gehörten zum Muster.
Die Bilanz im Blick
Analysten schauen inzwischen genauer auf die Finanzlage hinter der neuen Kreditlinie. Nebius verfügt über liquide Mittel und kurzfristige Investments von etwa 3,68 Milliarden Dollar bei einer Bilanzsumme von 12,43 Milliarden Dollar. Das gibt dem Unternehmen Spielraum für den weiteren Ausbau der Rechenzentren.
Die Verschuldung ist real. Langfristige Schulden und Leasingverbindlichkeiten summieren sich auf rund 4,86 Milliarden Dollar, die Verschuldungsquote liegt bei etwa 2,7. Diese Mischung aus starker Liquidität, hohen Investitionen und dünnen Margen macht die Aktie extrem empfindlich für jede neue Meldung.
Nicht jede Stimme an der Wall Street ist uneingeschränkt optimistisch. Manche Analysten stufen Nebius weiterhin auf „Hold“ ein. Ihr Argument: Die gesamte Story hängt davon ab, ob das Unternehmen in den kommenden zwei Jahren tatsächlich genug KI-Rechenkapazität aufbauen kann.
Der aktuelle Kurs liegt mit 194,80 Euro rund 2,2 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 199,25 Euro — ein Zeichen dafür, dass sich der jüngste Erholungsversuch noch nicht vollständig durchgesetzt hat. Neue Vertragsabschlüsse, weitere Wettbewerbsnachrichten oder regulatorische Entscheidungen dürften die Kursausschläge in den kommenden Wochen bestimmen.
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