Die Nebius-Aktie setzt ihre Erholung fort. Nach dem kräftigen Kurssprung am Donnerstag im US-Handel notiert das Papier auch am heutigen Freitag deutlich fester: An der Frankfurter Börse steigt der Kurs um 8,18 Prozent auf 177,00 Euro. Damit bleibt die Aktie zwar rund ein Drittel unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 261,00 Euro entfernt, hat sich vom jüngsten Rückschlag aber sichtbar erholt. Auch der 50-Tage-Durchschnitt von 196,81 Euro liegt noch gut zehn Prozent über dem aktuellen Niveau – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Ausschlag die mittelfristige Schwäche der vergangenen Wochen noch nicht vollständig aufgeholt hat.
Der Rückenwind kam am Donnerstag aus dem gesamten Cloud- und KI-Sektor: Microsofts Quartalszahlen mit einem Azure-Wachstum von 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr und einem Auftragsbestand von 678 Milliarden US-Dollar zogen Cloud-Werte branchenweit nach oben, auch Amazon meldete ein AWS-Wachstum von 37 Prozent auf 42,2 Milliarden US-Dollar und hob seine Investitionsprognose für 2026 auf 220 Milliarden US-Dollar an. Nebius gehörte an diesem Tag zu den größten Gewinnern im Nasdaq 100.
Schuldenfazilität soll GPU-Ausbau finanzieren
Parallel zur Kurserholung rückte eine finanzielle Weichenstellung in den Fokus: Nebius hat eine besicherte Kreditfazilität über 775 Millionen US-Dollar aufgenommen, die bis Oktober 2030 läuft und mit einem Aufschlag von 2,50 Prozentpunkten auf den SOFR-Satz verzinst wird. Besichert ist der Kredit durch GPU-Infrastruktur und vertraglich gebundene Cashflows, das Angebot war überzeichnet und deckt nach eigenen Angaben mehr als die vollständigen Investitionsausgaben für die GPU-Kapazitäten ab. Die Finanzierung steht im Zusammenhang mit den milliardenschweren Kapazitätsverträgen mit Microsoft und Meta, die zusammen ein kontrahiertes Umsatzvolumen von mehr als 40 Milliarden US-Dollar tragen sollen. An der Börse sorgte die Nachricht zunächst für gemischte Reaktionen: Ein Teil der Anleger wertete die zusätzliche Verschuldung zur Finanzierung neuer Rechenzentren skeptisch, bevor die starken Branchenzahlen die Stimmung wieder drehten.
Analysten uneins über weiteres Kurspotenzial
Die Einschätzungen der Wall Street zu Nebius driften derzeit auseinander. Freedom Capital stufte die Aktie hoch auf „Buy“ und hob das Kursziel von 150 auf 200 US-Dollar an. Robert W. Baird bestätigte sein „Outperform“-Votum mit einem Kursziel von 250 US-Dollar. Dem stehen vorsichtigere Stimmen gegenüber: DA Davidson senkte sein Rating auf „Neutral“ bei einem Kursziel von 250 US-Dollar, Wolfe Research votiert mit „Peer Perform“, BNP Paribas Exane sieht das Papier bei einem Kursziel von 255 US-Dollar ebenfalls neutral. Der Analystenkonsens lautet insgesamt „Moderate Buy“. Auffällig bleibt zudem, dass Führungskräfte in den vergangenen 90 Tagen Aktien im Wert von rund 140 Millionen US-Dollar verkauft haben, darunter Positionen des Vorstandsvorsitzenden und der Finanzchefin – bei einer institutionellen Beteiligung von knapp 22 Prozent an dem Unternehmen.
Nachhaltigkeitsbericht und Blick auf die Zahlen
Am Donnerstag veröffentlichte Nebius zudem seinen Nachhaltigkeitsbericht 2025. Das Unternehmen weist darin eine durchschnittliche Energieeffizienz (PUE) von 1,25 aus, gegenüber einem Branchendurchschnitt von 1,54, und beziffert die vermiedene Stromnutzung auf 102 Gigawattstunden. Die Wassereffizienz an einer eigenen, flüssigkeitsgekühlten Anlage liegt laut dem Bericht bei 0,018 Litern pro Kilowattstunde, deutlich unter dem US-Durchschnitt von 0,45 bis 0,49 Litern. In Mäntsälä, Finnland, exportierte die Wärmerückgewinnung des Unternehmens 19,5 Gigawattstunden und senkte dortige Heizkosten um rund zehn Prozent. In Island, Frankreich und Großbritannien bezieht Nebius nach eigenen Angaben bereits vollständig erneuerbaren Strom, Finnland hat vollständig umgestellt.
Im Blick der Anleger steht nun der 12. August, an dem Nebius seine Zahlen zum zweiten Quartal vorlegen will, begleitet von einer Telefonkonferenz um 8 Uhr US-Ostzeit. Analysten rechnen mit einem Verlust je Aktie von 0,61 US-Dollar bei einem Umsatz von rund 577,66 Millionen US-Dollar. Im ersten Quartal hatte Nebius seinen Umsatz um 684 Prozent auf 399 Millionen US-Dollar gesteigert. Für die Hauptversammlung ist der 25. August vorgesehen. Die hohe Schwankungsanfälligkeit der Aktie, die mit einer annualisierten 30-Tage-Volatilität von 150,45 Prozent zu den risikoreichsten Werten am Markt zählt, dürfte bis zur Vorlage der Zahlen ein bestimmendes Thema bleiben.
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