Die Aktie von Nebius hat sich am Freitag um 7,5 Prozent verteuert und schloss bei 194,76 Euro. Über sieben Handelstage summiert sich das Plus auf 9,6 Prozent, auf Monatssicht steht ein Zuwachs von 20 Prozent zu Buche. Damit bleibt der Höhenflug der vergangenen Wochen intakt, auch wenn der Titel mit 261,00 Euro noch ein gutes Viertel vom 52-Wochen-Hoch entfernt notiert.
Kommende Woche rückt für Nebius das Thema Investor Relations in den Vordergrund: Am 8. September tritt das Management auf der Goldman Sachs Communacopia + Technology Conference auf, einen Tag später folgt ein Auftritt auf Citis Global TMT Conference.
Solche Bühnen nutzen Unternehmen aus dem KI-Infrastruktursegment traditionell, um Investoren Details zu Kapazitätsausbau, Kundenverträgen und Finanzierungsstrategie zu vermitteln – für Nebius dürfte das angesichts der zuletzt hohen Investitionssummen relevant sein.
Zahlen aus dem zweiten Quartal liefern das Fundament
Der Rückenwind der vergangenen Wochen speist sich maßgeblich aus den Geschäftszahlen für das zweite Quartal, die Nebius Anfang August vorgelegt hatte.
Der Umsatz kletterte auf 582,3 Millionen Dollar, ein Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, und übertraf damit die Analystenschätzungen von 572,75 Millionen Dollar. Das bereinigte EBITDA drehte von einem Verlust von 21 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf einen Gewinn von 236,2 Millionen Dollar.
Reuters berichtete zudem, dass Nebius im Berichtszeitraum vier KI-Cloud-Verträge abschloss, deren durchschnittliches Gesamtvolumen jeweils die Milliarden-Dollar-Marke überschritt. Das Unternehmen bestätigte seinen Ausblick für das Gesamtjahr 2026.
Diese Kombination aus explosivem Wachstum und erstmals klar positivem operativen Ergebnis erklärt, warum Analysten ihre Kursziele zuletzt anhoben. Alexander Duval von Goldman Sachs erhöhte sein Kursziel Ende August auf 328 Dollar von zuvor 286 Dollar und beließ die Einstufung bei Kaufen.
Wandelanleihe als Finanzierungspuffer
Vor gut einer Woche hatte Nebius zudem die Platzierung einer aufgestockten Wandelanleihe über insgesamt 5,0 Milliarden Dollar abgeschlossen, aufgeteilt in Tranchen mit 0,50 Prozent Zins bis 2030 und 4,50 Prozent Zins bis 2034. Parallel tauschte das Unternehmen jeweils 400 Millionen Dollar bestehender Wandelanleihen aus den Jahrgängen 2029 und 2031 gegen rund 15,8 Millionen Class-A-Stammaktien.
Seit diesem Abschluss hat die Aktie um 9,6 Prozent zugelegt – ein Hinweis darauf, dass Anleger die zusätzliche Liquidität angesichts der hohen Kapitalintensität des Geschäftsmodells positiv werten.
Auch die Sektorstimmung spielt eine Rolle: Berichten zufolge zogen Neocloud-Werte, zu denen Nebius gezählt wird, in der vergangenen Woche branchenweit an, gestützt von der Überzeugung, dass Anbieter wie Nebius die anhaltend hohe Nachfrage nach GPU-Rechenkapazität bedienen können.
Als stützend gilt dabei die Vertragsstruktur des Unternehmens, bei der Kundenvorauszahlungen einen erheblichen Teil der Investitionsausgaben abdecken und damit kurzfristige Bilanzrisiken abfedern.
Charttechnik zeigt keine Überhitzung
Mit einem RSI von 53,3 signalisiert die Aktie trotz der jüngsten Rally keine überkaufte Lage. Der Kurs notiert mit 5,4 Prozent Abstand über dem 50-Tage-Durchschnitt und liegt 44 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt – ein Zeichen dafür, dass der mittelfristige Aufwärtstrend intakt bleibt.
Die annualisierte Volatilität von 159 Prozent auf Sicht von 30 Tagen erinnert Anleger jedoch daran, dass Kursschwankungen bei Nebius auch künftig ausgeprägt bleiben dürften. Die anstehenden Konferenzauftritte könnten zusätzliche Impulse liefern, sollten Management-Aussagen neue Details zur Kapazitätsplanung oder Kundengewinnung enthalten.
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