Nach einem Allzeithoch am 22. Juni läuft bei Nebius Group die Luft raus. Die Aktie hat seitdem fast 19 Prozent verloren — und ein Blick auf die Insider-Transaktionen der vergangenen sechs Monate erklärt zumindest einen Teil der Skepsis.
Null Käufe, 32 Verkäufe
Alle 32 Insider-Transaktionen im Halbjahr waren Verkäufe. Kein einziger Kauf. Die Erlöse summierten sich auf rund 14,7 Millionen Dollar.
Direktorin Johanna Boynton trennte sich Mitte Juni von rund 6.000 Aktien zu durchschnittlich 253 Dollar. CEO Arkady Volozh reduzierte ebenfalls seine Position. Den größten Anteil am Verkaufsvolumen hielt der Chief Infrastructure Officer. Dass sich das Management ausgerechnet nahe dem Allzeithoch von seinen Anteilen trennte, fiel risikoorientierten Investoren nicht unbemerkt auf.
Der Nasdaq-100-Effekt verpufft
Die Aufnahme in den Nasdaq-100 am 22. Juni hatte zunächst Kaufdruck erzeugt. Der Index bildet die Grundlage für mehr als 200 Tracking-Produkte mit über 600 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen. Passivfonds müssen bei einer Neuaufnahme Aktien kaufen, um ihre Gewichtung anzupassen — ein mechanischer Effekt, der den Kurs kurzfristig treibt.
Sobald dieser Effekt abklang, übernahmen die Verkäufer das Ruder. Nebius war eine von fünf Neuaufnahmen im Juni-Rebalancing, neben CoreWeave, Astera Labs, Rocket Lab und Teradyne.
Starke Zahlen, aber ein Warnsignal vom CFO
Die Fundamentaldaten bleiben beeindruckend. Im ersten Quartal 2026 erzielte Nebius einen Umsatz von 399 Millionen Dollar — ein Plus von 684 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag bei 2,11 Dollar. Analysten hatten einen Verlust von 0,78 Dollar erwartet. Der KI-Cloud-Umsatz kletterte um 841 Prozent auf 389,7 Millionen Dollar.
Das Management hat allerdings bereits für das zweite Quartal einen Margenrückgang angekündigt. Die aggressive Expansion belastet die Profitabilität kurzfristig. Erst im dritten Quartal, wenn neue Kapazitäten in Betrieb gehen, soll sich das Bild wieder aufhellen.
CFO Dado Alonso erhöhte die Investitionsplanung von ursprünglich 16 bis 20 Milliarden auf nun 20 bis 25 Milliarden Dollar. Die Begründung: Nachfrage, die erst 2027 erwartet wird. Die Schulden nähern sich 8 Milliarden Dollar, die Liquidität liegt jedoch bei über 9 Milliarden — gestützt durch Wandelanleihen und ein Nvidia-Investment.
Wall Street gespalten, Q2 als Lackmustest
Die Analystenmeinungen gehen auseinander. Citigroup, Goldman Sachs, Bank of America und Citizens JMP haben ihre Kursziele angehoben. Der Konsens liegt bei 280 Dollar. Kritiker verweisen auf eine starke Kundenkonzentration bei wenigen Hyperscalern und ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 76 — wenig Spielraum für Enttäuschungen.
Am 29. Juli legt Nebius die Zahlen für das zweite Quartal vor. Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 585 Millionen Dollar. Das Management hat die Erwartungen bereits gedämpft — was die Hürde für eine positive Überraschung senkt, aber das Risiko eines Kursrücksetzers bei Verfehlung erhöht. Die Aktie notiert trotz des jüngsten Rückgangs noch rund 175 Prozent über dem Jahresanfangskurs. In diesem Kurs steckt eine Menge Vertrauen in künftige Execution.
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